Nils Petersen, der Vorzeigestürmer: Ein Mann für die WM?

Deutschland in der WM-Qualifikation 2018
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Spektakulär auf dem Platz, besonnen und bescheiden nach dem Spiel: Nils Petersen versetzt die Fans des SC Freiburg regelmäßig in Verzückung. Bisheriger Höhepunkt: seine beiden Treffer beim 2:2 (1:1) am Samstag bei Borussia Dortmund. Klassische Stürmer wie Petersen waren in Deutschland zuletzt Mangelware. Ist der Freiburger gar eine Alternative für die Weltmeisterschaft?

„Ich bin momemtan gut drauf und habe eine gute Phase. Ich weiß das zu genießen. Aber im Fußball geht es schnell, da kann es auch schnell wieder in die andere Richtung gehen“, so Nils Petersen bescheiden im Interview nach dem Spiel. Nach der Dortmunder Fühung durch Kagawa, zeigte er, warum er ein klassischer Strafraumverwerter ist: Nach toller Vorarbeit von Haberer stand er genau richtig, ließ drei Dortmunder Verteidiger alt aussehen und schloss aus kurzer Distanz zum 1:1 ab. Doch Petersen ist nicht nur ein Stürmer, der darauf wartet, dass ihn die passenden Flanken erreichen. Bei der zwischenzeitlichen 2:1-Führung zeigte er seine Extraklasse, als er nach einem Fehlpass von Nuri Sahin kurzerhand aus über 30 Metern Entfernung abzog und so den überraschten Keeper Roman Bürki überlistete. Der Ball schlug im Kreuzeck ein. „Das gelingt nicht alle Tage. Ich habe einfach mal mein Glück versucht“, so Petersen. Trainingsbeobachter wissen allerdings, dass er diesen Schuss schon seit Längerem trainiert.

Mit seinen Bundesligatreffern 28 und 29 überholte er nun in der ewigen Freiburger Bestenliste Rodolfo Cardoso und zog mit dem Georgier Alexander Iashvili gleich. Damit liegt nur noch Papiss Cissé (37 Tore) vor Petersen. Nils Petersen ist derzeit einer der Garanten des Freiburger Erfolges. Der SC ist das Team, das derzeit am längsten unbesiegt ist.

Der Freiburger Stürmer spielt eine bärenstarke Saison und traf bislang in jedem Wettbewerb. Seine Statistik liest sich sehr beeindruckend: 18 Bundesligaspiele und 10 Tore, 3 DFB-Pokal-Spiele und 3 Tore, 2 Spiele in der Europa League Qualifikation und 1 Tor. Insgesamt kommt Petersen auf 142 Bundesligaspiele, 49 Tore und 15 Vorlagen – für Freiburg, Werder Bremen und den FC Bayern München. Im Sommer 2016 holte er mit der deutschen Olympiamannschaft in Rio die Silbermedaille. Petersen avancierte zum großen Pechvogel, da er im dramatischen Elfmeterschießen im Finale gegen Brasilien den entscheidenen Elfmeter nicht verwandeln konnte. Dennoch gehörte er zu den besten Spielern des Turniers (6 Spiele, 6 Tore).

Ist Nils Petersen ein Mann für Bundestrainer Joachim Löw für die WM in Russland im Sommer? Die Zahlen sprechen dafür. Einige Experten sehen den Freiburger vor Sandro Wagner, der sich nach seinem Wechsel zum FC Bayern München derzeit mit weniger Einsatzzeit begnügen muss. Für Petersen spricht: Er ist bescheiden und stellt sich jederzeit in den Dienst der Mannschaft. Er ist ein exzellenter Joker (führt die Joker-Tore-Statistik der Bundesliga an). Er ist erfahren, was große Turnier betrifft (Olympia 2016). Außerdem ist Petersen ein Typ, wie es sie nur noch selten gibt: ein klassischer Stürmer.