Ronaldo: Deutschland ist Top-Favorit

Deutsche Nationalmannschaft
Foto: Danilo Borges / Wikipedia (CC BY 3.0)

Die brasilianische Stürmer-Legende Ronaldo sieht in Deutschland den Top-Favoriten auf den WM-Titel in Russland. „Deutschland ist die Nummer 1 der Fifa-Weltrangliste“, erklärt er in einem SportBild-Interview, „und deshalb automatisch Top-Favorit“. Desweiteren nennt er sein Heimatland Brasilien und Spanien als aussichtsreiche Kandidaten für den Gewinn der WM in Russland.

Deutschland geht als Titelverteidiger, Confed-Cup-Sieger und Weltranglisten-Erster in die anstehende WM in Russland. Allein aus diesen Fakten leitet sich der Respekt des zweimaligen Weltmeisters Ronaldo ab. Das Team, das Joachim Löw für die WM nominieren wird, kann sich nur den Titelgewinn als Ziel setzen. Erfahrene Leitwölfe wie Neuer, Kroos, Khedira und Müller sind ebenso vorhanden, wie hungrige Top-Talente – Timo Werner, Leroy Sane oder Emre Can, um nur ein paar zu nennen.

Und wer weiß besser um das riesige Potenzial der deutschen Mannschaft als die Brasilianer. Auch vier Jahre später sind die Erinnerungen an das 1:7-Debakel noch schmerzhaft frisch. Bei Ronaldo, wie bei seinen Landsmännern. Allerdings nimmt der dreimalige Weltfußballer das der DFB-Elf nicht übel. Denn das deutsche Team hat bei ihm nicht nur auf dem Platz, sondern vor allem daneben mächtig Eindruck hinterlassen.

„Die Freundlichkeit, mit der Deutschland hier im Land aufgetreten ist, war etwas Wunderbares“, findet Ronaldo. „Vor allem, weil den Deutschen der Ruf vorauseilt, sie seien gefühlskalt. Doch hier haben sie menschliche Wärme, eine Herzlichkeit gezeigt. Es war eine Freude, Deutschland hier zu haben.“ Bleibt nur noch zu hoffen, dass es der deutschen Auswahl auch in Russland gelingt, sportlichen und menschlich einen so positiven Eindruck zu hinterlassen, wie in Brasilien.

Ronaldo sieht Brasilien stark verbessert

Gerade sportlich wird es natürlich alles andere als einfach werden, die Leistung aus Brasilien zu wiederholen – würde dies doch die Titelverteidigung bedeuten. Auch für Ronaldo ist Deutschland selbstverständlich nicht der einzige Kandidat für die Weltmeisterschaft. Seinem Heimatland Brasilien traut er ebenfalls einiges zu.

Seit Tite die Selecao 2016 übernahm, hat sich fußballerisch einiges verändert am Zuckerhut. Vorbei sind die Tage in denen die brasilianische Mannschaft einer One-Man-Show mit dem Namen Neymar glich. Ronaldo sieht nun „ein kompaktes Team, eine Einheit mit Willen, Motivation, das schnell spielt. Die Seleção hat den Respekt zurückgewonnen und spielt wieder großartigen Fußball.“ So konnte sich Brasilien souverän als Gruppenerster in der südamerikanischen WM-Qualifikation für die Endrunde in Russland durchsetzen und gehört definitiv zu den ganz heißen Favoriten.

Spanien: das größte Fragezeichen unter Ronaldos Favoriten

Der dritte Kandidat im Favoritenkreis von „O Fenomeno“ lautet Spanien. Der Weltmeister von 2010 verfügt ebenfalls über einen unglaublich talentierten Kader. Isco hat bei Real Madrid den Sprung zum Leistungsträger geschafft. Alvaro Morata bekommt bei Chelsea die Einsatzzeit, die ihm in Madrid verwehrt blieb, und rechtfertigt das Vertrauen mit Toren am Fließband. Zwischen den Pfosten hat sich David de Gea zu einem der besten Torhüter der Welt entwickelt.

Und dennoch: ein Fragezeichen bleibt. Die goldene Generation mit den Europameistertiteln 2008 und 2012, sowie dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2010 ist etwas verblasst. Säulen der Erfolge wie Casillas, Puyol, Xavi oder die Stürmer Torres und Villa sind nicht mehr dabei. Auch Andres Iniesta, die zentrale Figur im spanischen Spiel, muss dem Alter Tribut zollen und erreicht nicht mehr sein absolutes Top-Niveau alter Tage.

Die beiden vergangenen großen Turniere endeten dann auch desaströs für Spanien. Bei der WM 2014 schieden sie schon in der Vorrunde aus, bei der EM 2016 im Achtelfinale – für die Ansprüche Spaniens natürlich jeweils deutlich zu früh. Hat die Seleccion den Generationswechsel nun abgeschlossen und knüpft in Russland an alte Erfolge an? Zuzutrauen ist es ihnen allemal.