Alvaro Morata weiß, dass Kampf um WM-Ticket hart wird

WM 2018 Russland
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Fußball ist ein Sport des Momentums. Heute noch am Boden, von niemandem wirklich beachtet, kann das wenige Spiele später wieder ganz anders aussehen. Aber es kann eben auch andersherum laufen. Hochgejubelt, Hoffnungsträger, Heilsbringer. Das war Alvaro Morata letzten Sommer bei seinem Wechsel nach London zum FC Chelsea. Nun, wenige Monate später, muss er bei den Blues um jede Minute Einsatzzeit kämpfen. Und in der spanischen Nationalmannschaft droht er nicht einmal im Kader für die anstehende WM in Russland aufzutauchen. Doch Morata hat die Zeichen der Zeit verstanden und nimmt den Fight an. 

„Ich würde liebend gerne nach Russland fahren,“ gesteht der ehemalige Angreifer von Real Madrid und Juventus Turin. Doch er weiß auch, dass es durchaus sein kann, dass er zu Hause bleiben muss. „Es wäre sehr hart nicht zu fahren, aber das ist eine Möglichkeit. Man sollte alle möglichen Ausgänge im Kopf behalten.“ Schließlich ist die Konkurrenz in der spanischen Offensive gewaltig. Bei den letzten, sehr erfolgreichen Testspielen Spaniens gegen Deutschland und gegen Argentinien stand der 25-Jährige nicht im Kader der Seleccion. Dagegen zeigten der bei Atletico Madrid wiedererstarkte Diego Costa, Valencias Rodrigo und der in seinem zweiten Frühling aufblühende Iago Aspas hervorragende Leistungen. Auch der ebenfalls nominierte Lucas Vasquez, Napolis Jose Callejon und die beiden Routiniers Aritz Aduriz und David Villa spielen eine Rolle in den Überlegungen von Nationaltrainer Julen Lopetegui.

„Jede Person muss tun, was am besten für sie ist,“ konstatiert Morata im Konkurrenzkampf um die WM-Tickets. „Ich würde es nicht verstehen [wenn ich zu Hause bleiben müsste], aber man muss auf alles gefasst sein. Die Freude, wenn man auf der Liste steht, kann riesig sein. Aber ich muss auch realistisch sein und sehen, dass dieses Jahr nicht das beste war und das es eine Chance zu Hause zu bleiben gibt.“

Seine Situation vergleicht Morata mit der eines Sturmkollegen, bei dem es ebenfalls nicht lief. Und der jetzt von der ganzen Welt gefeiert wird. „Im Fußball geht es um das Momentum. Schaut euch Mohamed Salah an, der fantastisch ist. Ich freue mich für ihn, was ihm gerade passiert. Aber letzten Sommer, sagten sie, es wäre gut ihn zu verkaufen. Und jetzt schaut.“ Morata weiß, dass auch für ihn wieder andere, erfolgreichere Zeiten kommen werden. Doch momentan gilt es, Demut zu zeigen. „Ich weiß, dass meine Saison nicht gut war. Wenn ich 30 Tore geschossen hätte, dann würde ich sagen, dass ich sicher auf der Liste stehe. Jetzt muss ich mich aber auf jeden Ausgang vorbereiten. Aber ich werde bis zur letzten Minute kämpfen, um dabei zu sein.“

Morata verpasste auch schon WM 2014 in Brasilien

Bei Chelsea erzielte der spanische Angreifer in dieser Premier League Saison elf Tore. Heute Nachmittag im letzten Saisonspiel gegen Newcastle und im FA-Cup-Finale gegen Manchester United nächste Woche hat Alvaro Morata noch die Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen. Doch durch die im Winter hinzugekommene Konkurrenz im Sturmzentrum durch Olivier Giroud ist auch im Trikot der Blues der Kampf um Einsatzzeiten härter geworden.

Trotz seiner kniffligen Situation in London bekräftigt Morata: „Ich würde es lieben, zur WM zu fahren.“ Auch weil er schon bei der WM 2014 in Brasilien zum Zuschauen verdammt war. „Das letzte Mal bin ich schon nicht gefahren. Ich wusste, dass das eine Möglichkeit war, nicht nur wegen erzielter Tore oder nicht.“ Doch Morata ist gereift und kennt die Gründe für seine Leistungsdelle. „Der Trainer kennt mich und weiß, was ich auf und neben dem Platz beisteuern kann. Aber er wusste, dass meine Leistung nicht auf dem nötigen Level war. Ich war sehr frustriert wegen meines Rückens.“ Aufgrund von Rückenproblemen verpasste Morata im Winter zwei Spiele und musste sich wieder langsam heranarbeiten. Jetzt ist er wieder fit und hungrig auf die WM.