Bobby Firmino: Der Titellose mit zwei großen Chancen vor der Brust

Brasilien
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Vor dem Champions League Finale zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool wird viel über Cristiano Ronaldo, Sergio Ramos oder Mohamed Salah geschrieben. Doch ein anderer Spieler erfährt in diesen Tagen viel zu wenig Aufmerksamkeit. Zumindest wenn man auf die Legende des LFC Jamie Carragher hört. Denn er sieht Roberto Firmino als zentralen Baustein in Jürgen Klopps System. Mit dem fleißigen und aggressiven Brasilianer steht und fällt das Pressing der Reds. Seine Rolle als vorderster Verteidiger und dennoch gefährlicher Torschütze wird Firmino auch heute Abend gegen Real Madrid wieder vorbildlich ausfüllen. 

Im Rampenlicht beim Liverpool Football Club steht in dieser Saison ganz klar Mo Salah. Torschützenkönig in der Premier League, Spieler des Jahres dort, Afrikas Fußballer des Jahres – die persönlichen Titel und Auszeichnungen für den Ägypter häufen sich nur so an. Doch ohne seine Mitspieler könnte Salah weder so viele Tore erzielen, noch sich sein nicht ganz so aggressives Anlaufen erlauben. Ein ganz wichtiger Baustein in diesem System ist der unglaublich arbeitsame Roberto Firmino.

Das sieht auch Jamie Carragher so. „Firmino ist in der Premier League noch immer völlig unterbewertet,“ moniert der ehemalige LFC-Spieler, der mit 731 die zweitmeisten Einsätze für den Klub von der Mersey anhäufte. „Der Fokus liegt zwar immer auf Salah, weil er so viele Tore schießt, aber Klopps wichtigster Spieler dürfte Roberto Firmino sein.“ Denn für die Spielidee des deutschen Trainers mit extrem hohem Pressing in der gegnerischen Hälfte, keinem Lockerlassen ist Firmino unersetzlich.

Firmino noch ohne Titel: Doppelchance mit Liverpool und Brasilien

Für 41 Mio. Euro eisten die Reds den Brasilianer vor drei Jahren aus der Hoffenheimer Provinz los. Daher wurde der Transfer anfangs auch von vielen Seiten belächelt. Doch gerade unter Jürgen Klopp entwickelte sich Firmino extrem weiter. „Bei der TSG habe ich viel gelernt, was ich in Liverpool brauchen werde“, war sich der damals noch als offensiver Mittelfeldspieler agierende Profi schon bei seinem Wechsel sicher. Denn unter Ralf Rangnick und Markus Gisdol hat er im Kraichgau vor allem eines gelernt: effizientes Pressing, schnelles Umschalten.

In seiner Anfangszeit in Liverpool war er noch der brasilianische Ballkünstler unter Ex-Coach Brendan Rodgers. Doch spätestens mit dem Trainerwechsel zu Jürgen Klopp blühte auch Firmino auf. Denn der Brasilianer musste von nun an mehr zeigen als nur Kabinettstückchen. „Und Firmino kann mehr. Er ist inzwischen mein Lieblingsspieler, gerade in der neuen Rolle,“ zeigt sich der ehemalige beinharte Verteidiger Carragher von dem Arbeitspensum des eigentlichen Offensivkünstlers beeindruckt. Seit Firmino in vorderster Front aufläuft, ist sein Pressing noch effektiver.

Und damit kann er einen großen Beitrag leisten, dass in diesem Sommer endlich mit einem Titel klappt. Denn bislang gewann der 26-Jährige als Profi noch keinen einzigen Pokal. Nun ergeben sich gleich zwei aussichtsreiche Chancen. Heute Abend im Champions League Finale gegen Real Madrid. Und in wenigen Wochen mit der brasilianischen Nationalmannschaft bei der WM in Russland. Ob es mit einem Titel klappt, ist ungewiss. Doch dass Bobby Firmino alles dafür in die Waagschale geworfen hat – davon darf man getrost ausgehen.