Brasilien: 15 Plätze im WM-Kader schon vergeben

Neymar
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Brasiliens Nationaltrainer setzt auf einen festen Stamm und auf klare Kommunikation. Bereits jetzt, vier Monate vor dem ersten Gruppenspiel der Selecao bei der WM gegen die Schweizer “Nati”, gab Nationaltrainer Tite 15 Spieler bekannt, die definitiv im brasilianischen WM-Kader stehen werden. Somit ist das Gesicht der Selecao klar. Die Spieler die noch ergänzt werden, haben lediglich Chancen als Joker zu brillieren. Als wichtigste Auswahlkriterien nannte Tite konstante Einsätze im Klub, sowie Erfahrung in der Nationalmannschaft. Doch um welche Spieler handelt es sich bei den 15 Auserwählten?

Alisson (22 Länderspiele, kein Tor): Der Torwart in Diensten des AS Rom könnte bald zum teuersten Keeper der Welt werden. Liverpool soll an einer Verpflichtung interessiert sein. Die Römer haben als Ablöse 80 Mio. Euro aufgerufen, das wäre Weltrekord für einen Torhüter. Die Reds winkten ab. Erkaltetes Interesse oder der Auftakt zu ernsten Verhandlungen?

Marcelo (50 Länderspiele, fünf Tore): In seinen wilden, früheren Zeiten war Marcelo mehr Linksaußen als Linksverteidiger. Auch heute besticht der 29-Jährige noch mit unbändigem Offensivdrang, doch er zeigt sich defensiv mittlerweile deutlich stabiler und zuverlässiger.

Miranda (43 Länderspiele, ein Tor): Der routinierte Innenverteidiger von Inter Mailand ist eine sichere Bank im Abwehrzentrum. Stark sind seine Zweikampfführung am Boden, wie in der Luft. Dennoch dürfte es schwer für werden, sich in der Innenverteidigung gegen das Pariser Pärchen Thiago Silva und Marquinhos durchzusetzen.

Thiago Silva (67 Länderspiele, fünf Tore): Wie Miranda ist der ebenfalls 33-jährige Thiago Silva extrem erfahren. Der Mann von Paris Saint-Germain spielt bereits seit 2008 für die Selecao. Ber der WM in Russland dürfte er mit seiner Routine und resoluten Spielweise ein schwer überwindbares Innenverteidiger-Duo mit seinem Vereinskameraden Marquinhos bilden.

Marquinhos (24 Länderspiele, kein Tor): Mit 23 Jahren ist er das Küken der brasilianischen Stamm-Defensive. Dennoch sammelte er schon reichlich Erfahrung. Zum einen auf Klubebene, wo er unter anderem drei französische Meisterschaften, drei französische Pokalsiege und einen Copa Libertadores-Titel bejubeln konnte. Zum anderen in der Selecao, für die er während der WM-Qualifikation unverzichtbarer Stammspieler war.

Dani Alves (105 Länderspiele, sieben Tore): Der dritte PSG-Profi im brasilianischen Defensivverbund und das Pendant zu Marcelo auf der rechten Seite. Offensivwucht und reichlich Erfahrung bringt der extrovertierte 34-jährige Kumpel von Neymar mit. Gelegentlich wird die defensive Arbeit etwas vernachlässigt.

Casemiro (20 Länderspiele, kein Tor): Fußballerisch der unbrasilianischste Spieler im vorzeitigen Aufgebot von Tite für die WM. Dennoch für die Nationalmannschaft ebenso wertvoll wie für seinen Klub Real Madrid. In Mannschaften voller Ballzauberer und Offensivgeister gibt Casemiro den Zerstörer. Mit seinem Gardemaß von 1,85 m wirft er sich im defensiven Mittelfeld lustvoll in jeden Zweikampf und weiß auch einen gegnerischen Konter mit einem Foul zu unterbinden.

Fernandinho (41 Länderspiele, zwei Tore): Wie Casemiro ebenfalls im defensiven Mittelfeld beheimatet, aber eher der Typ Stratege als ein wirkliches Raubein. Ein Sechser, wie ihn sein Coach bei Manchester City Pep Guardiola liebt: zweikampfstark, aber vor allem mit gutem Passpiel, viel Übersicht und klugen Ideen.

Paulinho (46 Länderspiele, elf Tore): Trotz seiner 29 Jahre ist Paulinho die Überraschung der laufenden Saison. Als er im Sommer aus der chinesischen Super League für 40 Mio. Euro zum FC Barcelona wechselte, war unter Fans und Experten Erstaunen noch die freundlichste Reaktion. Doch mittlerweile hat sich der zentrale Mittelfeldspieler bei den Blaugrana als torgefährlicher Stammspieler etabliert. In Brasilien ist er das sowieso. Mit wichtigen Toren trug er zum deutlichen Triumph der Selecao in der WM-Qualifikation bei.

Renato Augusto (27 Länderspiele, fünf Tore): Der frühere Leverkusener ist der einzige Akteur unter den 15 frühzeitig Auserwählten, der nicht in einer der europäischen Top-Ligen aktiv ist. Obwohl er bei Beijing Sinobo Guoan in der chinesischen Super League aus europäischer Sicht nicht wirklich im Fokus steht, war er bei der überaus erfolgreichen WM-Qualifikation Stammspieler bei Brasilien und steht hoch in der Gunst von Nationaltrainer Tite.

Philippe Coutinho (32 Länderspiele, acht Tore): Dem 25-Jährigen wurde im Winter nach großem Transfertheater und dennoch starker Hinrunde für den FC Liverpool endlich der erhoffte Wechsel zum FC Barcelona. Die Ablösesumme für den kleinen Zauberfuß könnte bis zu 160 Mio. Euro anwachsen. Somit ist er der zweitteuerste Spieler der Welt – nach Neymar, den er bei Barcelona beerbte und bei der Selecao entlastet.

Neymar (83 Länderspiele, 53 Tore): Teuerster Fußballer der Welt, Superstar auf und abseits des Platzes, Fixpunkt in der Fantasiemannschaft von Paris Saint-Germain. Über Neymar müssen nicht mehr viele Worte verloren werden. Bei der Heim-WM 2014 blickte das ganze Land nur auf ihn. Diesmal stehen ihm in der brasilianischen Offensive mit Coutinho, Firmino oder Gabriel Jesus weitere bärenstarke Einzelspieler zur Seite. Dennoch ist Neymar unbestritten das Gesicht und der herausragende Star der Selecao.

Roberto Firmino (17 Länderspiele, fünf Tore): Der Mann vom FC Liverpool ist ein Offensivspieler, wie ihn sich sein Trainer Jürgen Klopp nicht besser schnitzen könnte. Stark im Eins-gegen-Eins, technisch versiert und eiskalt vor dem Tor. Gleichzeitig aber auch extrem fleißig im Gegenpressing und erster Verteidiger seiner Mannschaft. Dazu variabel auf allen Positionen in der Offensive einsetzbar.

Willian (53 Länderspiele, acht Tore): Der Wuschelkopf vom FC Chelsea kommt bevorzugt über die rechte Seite. Mit 29 Jahren ist er wie einige seiner Mitspieler bei Brasilien im besten Fußballeralter. Für einen Offensivspieler dürfte er zwar etwas an seiner Torquote arbeiten, allerdings kreiert der pfeilschnelle Dribbler viele Möglichkeiten für seine Mitspieler und versteht es, Löcher in massive gegnerische Abwehrreihen zu reißen.

Gabriel Jesus (13 Länderspiele, acht Tore): Der 20-jährige Stürmer ist die Entdeckung des Pep Guardiola bei Manchester City. Seine erste Europa-Station und dann gleich zum Starensemble der Citizens? Viele Beobachter waren zunächst skeptisch. Doch Gabriel Jesus setzte sich in Rekordzeit bei den Skyblues durch. Sein einziges Manko ist seine Verletzungsanfälligkeit. Momentan laboriert der Mittelstürmer an einer Knieverletzung. Bleibt für Brasilien und die komplette Fußballwelt zu hoffen, dass der Shootingstar bei der WM in Russland wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist.