Brasilien souverän, Belgien in letzter Minute – Favoritentreffen im Viertelfinale

Neymar
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Wurden vor der WM Experten nach ihren Einschätzungen gefragt, wer denn das Turnier gewinnen könnte, wurden meist dieselben Mannschaften genannt: Deutschland, Spanien, Frankreich und Brasilien. Als Geheimtipps galten noch Argentinien und Belgien. Aus diesem Sextett haben sich bis zum gestrigen Montag bereits die Hälfte, nämlich Deutschland, Spanien und Argentinien, verabschiedet. Und dann starteten Brasilien und Belgien erst gegen Mexiko und Japan in die K.O.- Runde. Beide als klare Favoriten. Doch auf dem Platz agierten sie unterschiedlich souverän. 

Das Momentum vor der Partie Brasilien gegen Mexiko war eindeutig. Brasilien brachte im letzten Gruppenspiel gegen Serbien (2:0) sein bestes Spiel bislang auf den Platz. Dennoch musste Selecao-Trainer Tite für die Partie gegen Mexiko einmal umstellen. Linksverteidiger Marcelo konnte nach seinem Hexenschuss aus dem Serbien-Spiel nicht auflaufen. Ihn vertrat Luis Filipe. Nach der herben 0:3-Schlappe gegen Schweden im Gruppenfinale veränderte auch Mexikos Nationaltrainer Juan Carlos Osorio seine Startaufstellung. Oldie Rafael Marquez rückte für Layun in die Mannschaft, der gelb-gesperrte Moreno wurde durch Ayala ersetzt.

Zunächst schienen sich diese zwei Wechsel auszuzahlen. Denn Mexiko startete wie die Feuerwehr, ließ Brasilien in den ersten 20 Minuten überhaupt nicht in die Partie kommen. Doch allzu lange konnte die Nordamerikaner ihr kraftraubendes Pressing nicht aufrechterhalten. Nach etwa 25 Minuten positionierten sie sich tiefer und überließen den Brasilianern mehr Räume. Dadurch kam die Selecao auch zu mehr Angriffen und Abschlüssen. Doch allzu zwingend war keiner davon. So ging es mit einem durchaus verdienten 0:0 in die Kabine.

Tor und Assist: Neymar führt Selecao ins Viertelfinale

Nach der Pause kam Brasilien mit mehr Feuer aus der Kabine. Coutinho knallte den Ball nach einer kurz gespielten Ecke hammerhart, aber zu zentral auf das mexikanische Tor, so dass der Keeper der Mexikaner Ochoa parieren konnte. Doch nach einem vielversprechenden Konter von Gallardo war es dann so weit. Der bis dahin blasse Willian erhielt in zentraler Position von Neymar mit der Sohle den Ball übergeben, sprintete unwiderstehlich nach links in den Strafraum und legte scharf quer vors Tor, wo der schnell in Position gelaufene Neymar den Ball nur noch über die Linie drücken musste.

Mexikos Angriffsversuche wurden in der Folge wieder entschlossener. Allerdings stand die brasilianische Defensive hervorragend, sodass keine wirklich brenzligen Situationen entstanden. Vielmehr prüften Paulinho und Willian weiterhin Guillermo Ochoa im mexikanischen Tor mit harten Abschlüssen.

Die letzte Spannung wich aus der Partie, als Brasilien in der 88. Minute vorentscheidend auf 2:0 stellte. Und wieder hatte Neymar entscheidend Anteil daran. Neymar zog über links unnachahmlich an und bediente Roberto Firmino kurz vor dem Tor perfekt. Diesmal lag es an dem Liverpool-Profi nur noch den Fuß hin zu halten. Durch die Leistungssteigerung zog die Selecao letztlich verdient ins Viertelfinale ein. Mexiko dagegen scheitert zum siebten Mal in Folge im Achtelfinale. Der Fluch des ‘quinto partido’, des fünften Spiels, also des Viertefinales, hält für Mexiko weiter an.

Japan schockt Belgien – und vergibt den Sieg

Belgien trat nach dem Reservistenball gegen England zum Gruppenabschluss grunderneuert an. Alle zehn Feldspieler tauschte Coach Martinez aus. Im Vergleich zur eigentlichen ersten Elf bei dieser WM veränderte er sein Team lediglich auf einer Position. Der wiedergenesene Kompany verdrängte Boyata aus der Innenverteidigung. Auch Japans Coach Nishino rotierte kräftig und brachte sechs Neue im Vergleich zur letzten Partie. Unter anderem kamen die Bundesliga-Legionäre Hasebe, Kagawa, Haraguchi und Osako wieder in die Startelf.

Die erste Halbzeit lief wie erwartet. Zwar hatte Japan durch Kagawa den ersten Abschluss der Partie, doch seinen Stempel drückte ihr Belgien auf. Die Roten Teufel hielten die japanische Mannschaft meist weit in deren eigener Hälfte eingeschnürt und kamen auch immer wieder zu Abschlüssen. Vor allem der wendige Mertens und der bullige Mittelstürmer Lukaku waren stete Gefahrenherde. Doch ein Tor sollte in der ersten Hälfte nicht fallen, sodass es mit 0:0 in die Kabine ging.

Nach der Pause änderte sich das aber schnell. In der 48. Minute wurde der Neu-Hannoveraner Haraguchi in den belgischen Strafraum geschickte. Der Außenbahnspieler wackelte seinen Gegenspieler aus und vollstreckte hart und präzise ins lange Eck. 1:0 durch das erste WM-Tor Japans in einem K.O.-Spiel überhaupt. Hazard hätte auf der Gegenseite beinahe umgehend geantwortet, doch sein Knaller landete am Pfosten. Besser machte es Japans Inui. Der Ex-Frankfurter bekam den Ball von Kagawa und schweißte ihn aus 18 Metern zentraler Position ohne Druck der Belgier in die Maschen. Japan stand Kopf.

Belgien dreht 0:2 und folgte Brasilien ins Viertelfinale

Belgien rannte vehement an, musste aber auch hinten aufpassen. Den Bann brach schließlich Vertonghen, der eine Bogenlampe eines japanischen Verteidigers aus spitzem Winkel wieder in die Gefahrenzone köpfen wollte. Doch der Ball senkte sich über Japans Keeper Kawashima ins Netz. Ein gutes Händchen bewies Belgiens Coach Martinez. Denn bereits vor dem Anschlusstreffer brachte er Fellaini und Chadli. Und seine beiden Joker sollten das Spiel drehen. Denn gegen den langen Fellaini wussten sich die japanischen Innenverteidiger nach einer Hazard-Flanke nicht zu helfen. Der Wuschelkopf nickte zum Ausgleich ein. Die Partie blieb in der Folge rasant und ausgeglichen bis in die Nachspielzeit. Und ging doch nicht in die Verlängerung. Denn in der 94. Minute fing Courtois eine japanische Ecke ab, leitete blitzschnell den Konter ein, den Chadli zum 3:2 vollendete. So kommt es im Viertelfinale zum großen Favoritenduell Brasilien gegen Belgien.