Conte-Kollaps: Italiener bei Chelsea vor dem Aus?

Die Sensation ist perfekt! Italien scheitert in den Playoffs an Schweden und verpasst die WM 2018
Foto: Илья Хохлов / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Ein Sieg aus den letzten vier Spielen, zwei herbe Niederlagen gegen vermeintliche Mittelklasse-Clubs der Premier League. Man sollte meinen Trainer-Vulkan Antonio Conte tobt, peitscht sein Team auf, brodelt. Nichts davon ist in der jetztigen Situation zu sehen bei Chelseas Trainer. Oder muss man schon sagen: Noch-Trainer? Hat Conte schon mit den Blues abgeschlossen?

Das Feuer, die Leidenschaft, die absolute Hingabe an den Beruf – die Berufung – des Trainer, all das zeichnet Antonio Conte an der Seitenlinie aus. Beziehungsweise zeichnete ihn das aus. Denn in der aktuellen Situation, in der sein Team geradezu nach Impulsen, nach einem Wachrütteln schreit, bleibt Conte seltsam ruhig, geradezu gleichgültig.

Gleichgültig scheint ihm auch seine persönliche Zukunft bei Chelsea London zu sein. “Ich bin nicht besorgt wegen meines Jobs”, zuckt der 48-Jährige mit den Schultern. “Ich gebe jeden Tag 120 Prozent. Wenn das genug ist – okay. Wenn nicht, kann der Klub eine andere Entscheidung treffen. Das Leben geht weiter. Morgen ist ein anderer Tag, ich kann Chelsea-Trainer sein oder auch nicht. Was ist das Problem?”

Das Problem ist, dass Chelsea sowohl gegen Bournemouth (0:3) als auch gegen Watford (1:4) blutleer, ohne jegliche Kreativität in der Offensive und Stabilität in der Defensive agierte. Gegen die Hornets war der lange 0:1-Rückstand schmeichelhaft. Bakayoko war früh nach zwei unnötigen gelben Karten des Feldes verwiesen worden. Wie aus dem Nichts glich der lange untergetauchte Hazard mit feiner Einzelleistung aus. Doch anstatt nun die Schlussoffensive zu starten, brach Chelsea in sich zusammen und kassierte noch drei Gegentore in den Schlussminuten.

Conte: Seit langem Sticheleien gegen Chelsea-Führung

In der Liga ist Chelsea trotz der aktuellen Durststrecke dank einer guten ersten Saisonhälfte immer noch auf Champions League-Kurs. Im Achtelfinale eben jenes Wettbewerbs wartet in den nächsten Wochen der FC Barcelona. Eigentlich ein Spitzenspiel, doch aktuell kann man sich nur schwer vorstellen, dass Chelsea dem spanischen Primus Paroli bieten kann.

Eigentlich müsste solche ein Terminplan den fußballverrückten Conte bis in die Haarspitzen motivieren. Schließlich verließ er die italienische Nationalmannschaft 2016, da er die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz mit einer Klubmannschaft zu sehr vermisste.

Nun ist davon nicht mehr viel zu spüren. Sehr offen – zurückhaltend ausgedrückt – formulierte er immer wieder Kritik an der Transferpolitik der Vereinsführung der Blues. “In Zukunft musst du versuchen, nur zwei oder drei Spieler dazuzuholen – nicht acht,” lies der Italiener zuletzt wissen. Und setzte im Sturmzentrum aus Mangel an Alternativen gegen Watford zunächst auf Außenbahnspieler Eden Hazard.