Der WM-Kader der Gestrichenen: Diese Stars müssen zuschauen

Leroy Sane
Foto: Ailura / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 AT)

Es ist angerichtet. In neun Tagen startet die Weltmeisterschaft in Russland. Die Teams mussten mittlerweile ihre endgültigen 23-Mann-Kader einreichen. Dabei hat es einige große Enttäuschungen gegeben. Überraschende Streichungen, aber auch große Freude waren gestern bei den Bekanntgaben an der Tagesordnung. Aus den Spielern, die die WM nun verpassen, könnte man sogar einen schwer zu schlagenden eigenen Kader formen.

Was Manuel Neuer für Deutschland war, war Mohamed Salah für Ägypten. Der Profi des FC Liverpool ist der mit Abstand größte Star des Teams. Salah hatte sich allerdings im Champions-League-Finale gegen Real Madrid (nach Foul von Sergio Ramos) an der Schulter verletzt. Zunächst war nicht klar, ob der Torschützenkönig der englischen Premier League mit Ägypten die WM spielen könne. Nun wurde er in den endgültigen Kader berufen. Ägypten spielt in Gruppe A gegen Uruguay, Saudi-Arabien und Gastgeber Russland.

Einige Spieler wurden zur großen Überraschung der Öffentlichkeit aus dem Kader geschmissen. Im Folgenden lest ihr die besten Spieler der WM-Länder, die letztlich dem jeweiligen Nationaltrainer zum Opfer fielen. Sie müssen die WM vor dem Fernseher verfolgen.

Die gestrichenen Stars im Tor

Bernd Leno (26, Deutschland), Joe Hart (31, England), Neto (28, Brasilien)

Die Brasilianer haben eine bisherige Schwäche in eine Stärke umgewandelt. Mit Alisson Becker (AS Rom) und Ederson (Manchester City) hat Trainer Tite gleich zwei Weltklasse-Torhüter zur Auswahl. Als Nummer 3 nahm er Cassio (Corinthians) mit. Neto spielte in Valencia in Spanien eine starke Saison, muss nun aber zuhause bleiben. Der erfahrene Joe Hart (75 Länderspiele) war im Verein bei West Ham nur noch Ersatz. Bernd Leno reagierte enttäuscht über seine Ausbootung bei Joachim Löw.

Die gestrichenen Abwehr-Stars

Hector Bellerin (23, Spanien), Marcos Alonso (27, Spanien), Aymeric Laporte (24, Frankreich), Nelson Semedo (24, Portugal), Alex Sandro (27, Brasilien), Luiz Gustavo (30, Brasilien), David Luiz (31, Brasilien)

Arsenals Bellerin wurde unter anderem von Alvaro Odriozola der Rang abgelaufen. Dieser bedankte sich prompt mit einem Tor gegen die Schweiz für seine Nominierung. Marcos Alonso vom FC Chelsea spielte eine starke Saison (33 Ligaspiele, sieben Tore, zwei Assists). Seine Nicht-Nominierung überrascht nun sehr. Gar 70 Millionen Euro teuer war Frankreichs Aymeric Laporte, als er im Winter von Bilbao zu Manchester City wechselte. Für den WM-Kader von Trainer Didier Deschamps reicht es allerdings nicht.

Portugals Semedo war vor einem Jahr zum FC Barcelona gewechselt. 24 Ligaspiele waren allerdings nicht genug, um zur WM zu fahren. Überraschend gestrichen wurde auch Alex Sandro von Juventus Turin. In Brasiliens WM-Kader haben unter anderem der Ex-Kölner Geromel und der ehemalige Wolfsburger Fagner die Nase vorn. Auch die altgedienten Luiz Gustavo und David Luiz fanden keine Berücksichtigung im endgültigen WM-Kader von Brasilien.

Die gestrichenen Stars im Mittelfeld

Mario Götze (26, Deutschland), Leroy Sané (22, Deutschland), Emre Can (24, Deutschland), Kingsley Coman (21, Frankreich), Javi Martinez (29, Spanien), Radja Nainggolan (30, Belgien), Adrien Rabiot (23, Frankreich), Jack Wilshere (26, England)

Überraschend war das Aus für Mario Götze eigentlich nicht mehr. Dennoch sorgte seine Nicht-Nominierung für Aufsehen, immerhin war er der WM-Finaltorschütze von 2014. Für mehr Verwunderung sorgte die Streichung von Flügelflitzer Leroy Sané von Manchester City. Der 22-Jährige spielte in England eine bärenstarke Saison, enttäuschte bislang aber im DFB-Trikot (zwölf Einsätze, kein Tor, eine Vorlage). Emre Can war lange verletzt, wurde im Champions-League-Endspiel aber eingewechselt. Im gut besetzten deutschen Mittelfeld bekam aber Sebastian Rudy den Vorzug. Bayern-Kollege Javi Martinez kam an der spanischen Konkurrenz nicht vorbei.

Kingsley Coman wurde beim FC Bayern München zum Ende der Saison zwar wieder fit, hatte aber lange aufgrund eines Syndesmoserisses gefehlt. Das außergewöhnlich stark besetzte Frankreich konnte auf das Riesentalent also verzichten. Adrien Rabiot sorgte sogar für einen Eklat, als ihn Nationaltrainer Deschamps mitteilte, er würde nur auf Abruf bereit stehen. In einer Email erklärte der Star von Paris Saint-Germain, dass er kein Reservist sein und sich nicht fit halten möchte. Belgiens Radja Nainggolan zeigte sich über seine überraschende Ausbootung so enttäuscht, dass er sogleich seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gab. Mit dem AS Rom hatte der Mittelfeldmotor eine sehr starke Saison hingelegt. Diese konnte auch Jack Wilshere beim FC Arsenal vorweisen. Doch Trainer Gareth Southgate vertraut auf andere in Englands WM-Kader.

Diese Stürmer-Stars wurden gestrichen

Christian Benteke (27, Belgien), Mauro Icardi (25, Argentinien), Alexandre Lacazette (27, Frankreich), Anthony Martial (22, Frankreich), Alvaro Morata (25, Spanien)

Christian Benteke hatte gegen BVB-Leihgabe Michy Batshuayi das Nachsehen – auch wenn dieser zuletzt lange verletzt fehlte. Zwölf Treffer in 34 Länderspielen reichten Benteke am Ende nicht. Die fantastisch besetzte argentinische Offensive um Messi, Aguero, Dybala und Higuain wurde Maura Icardi von Inter Mailand zum Verhängnis. Da halfen auch 29 Tore in 34 Serie-A-Partien und der Torschützenkönig-Titel nicht. Alexandre Lacazatte wechselte im Sommer 2017 von Olympique Lyon zu Arsenal London. 14 Tore und fünf Vorlagen in 32 Premier-League-Spielen reichten für den Franzosen nicht.

Auch Anthony Martial fehlt in Frankreichs Aufgebot. Bei Manchester United konnte er in der abgelaufenen Saison nicht durchgängig überzeugen. Mit Alvaro Morata hat es ein weiterer Premier-League-Profi nicht zur WM geschafft. Elf Tore in 31 Ligaspielen waren letztlich zu wenig, um es in Spaniens Kader zu packen.