Deutschland immer noch mit Mexiko-Aufarbeitung beschäftigt

So sieht das neue Deutschland Trikot 2018 für die WM in Russland aus
Foto: Twitter / @DFB_Team

Vier Tage ist das Mexiko-Spiel mittlerweile her, zwei Tage sind es noch bis zur nächsten, aufgrund der Niederlage gegen ‘El Tri’, schon entscheidenden Partie gegen Schweden. Intern ist die Aufarbeitung der Auftaktniederlage weitgehend abgeschlossen. Vielmehr konzentriert sich Bundestrainer Löw darauf, seine Elf auf die Partie gegen die Skandinavier vorzubereiten. Doch in der Öffentlichkeit schwelen die Brände, die sich im DFB-Team offenbarten, weiter. 

Ein großes Thema war die Grüppchenbildung, die angeblich in der aktuellen WM-Mannschaft Deutschlands grassieren soll. Einerseits sollen sich die erfahreneren Spieler, die schon gemeinsam die WM 2014 gewonnen haben zusammengerottet haben. Auf der anderen Seite stehen dann die jungen Wilden, die Gewinner des Confed Cups vergangenen Sommer, bei dem Deutschland mit einer 1 B – Mannschaft angetreten war.

Deutschland zweigeteilt? Darüber kann beispielsweise Thomas Müller nur lächeln. Natürlich sei es immer wieder einfach aus logistischen Gründen erforderlich, dass man sich in Gruppen aufteilt. Zum Beispiel werden nicht an “einer großen Tafel” die gemeinsamen Mahlzeiten eingenommen, sondern an “mehreren Tischen”. Dabei erachtet es der Münchner Offensivspieler als selbstverständlich, dass “auch immer wieder Spieler nebeneinandersitzen, die auch privat was miteinander zu tun haben.” Dass er sich selbst beim Essen fassen ähnlich sieht, wie auf dem Fußballplatz bekräftigt Müller mit seinem typischen Augenzwinkern, denn er sei “auch dort variabel einsetzbar.”

Müller und Neuer sehen keine Grüppchenbildung bei Deutschland

Ähnlich äußerte sich bereits Manuel Neuer bezüglich der Gerüchte, nicht alle Spieler zögen an einem Strang. Und diese beiden erfahrenen Spieler wissen wovon sie reden. Schließlich wurde nach der EM 2012 publik gemacht, dass es dort tatsächlich verschiedene Fraktionen im Trikot mit dem Adler auf der Brust gegeben habe. Etwa Sami Khedira konstatierte im Nachhinein des Turniers, dass “die Bayern, die Dortmunder, die Madrilenen und die von der Insel” alle ihre eigenes Süppchen gekocht hätten. So kann man natürlich nicht Europameister werden. Das Aus im Halbfinale gegen Italien war die Konsequenz.

Zu Vergleichen mit der aktuellen Mannschaft sei die damalige Situation auf keinen Fall, meint Müller, denn “da hatten wir sicherlich nicht die beste Teamchemie. Aber davon ist heute gar nichts zu spüren.” Die Verantwortlichen des DFB dementieren alles, was auf die geringste atmosphärische Störung hindeutet. Und zwar damals, wo selbst Führungsspieler die Grüppchenbildung bestätigen, wie heute. 2012 meinte Bundestrainer Joachim Löw zum Beispiel im Bezug auf Unstimmigkeiten im Team: “Das konnte ich so nicht feststellen, das war so nicht der Fall.” Manager Oliver Bierhoff betonte gar: “Teamgeist und Atmosphäre waren gut.” So ist es wenig verwunderlich, dass die beiden Ex-Profis in verantwortlichen Position beim DFB nichts von internen Zwists in ihrem Team wissen wollen. “Das kann ich nur dementieren,” wischt Bierhoff kolportierte Risse zwischen Teilen der Mannschaft kategorisch vom Tisch. “Wir sehen keinerlei Konflikte innerhalb der Mannschaft.”

Nationalspieler monieren übertriebene Kritik in Deutschland

Ein Thema, bei dem die deutschen Nationalspieler zumindest in der Öffentlichkeit Schulter an Schulter zusammenstehen, ist die Teils harsche Kritik an einzelnen Spielern. Vor allem Mesut Özil sah sich im Kreuzfeuer der Kritik. Natürlich hatte auch der deutsche Spielmacher einen rabenschwarzen Tag erwischt gegen Mexiko, doch damit war der Arsenal-Profi bei Leibe nicht der einzige. Und immerhin zeigte er noch etwas Einsatz, war einer der wenigen, die beim Gegentreffer nach hinten umschaltete. Auch wenn sein Zweikampfverhalten im eigenen Strafraum dieses Etikett natürlich nicht verdient hatte.

Doch trotzdem pickte sich die Öffentlichkeit vor allem Deutschlands Nummer 10 heraus und überzog ihn mit Häme und teils überzogener, absolut unsachlicher Kritik. Der abseits des Platzes immer zurückgezogene Mittelfeld-Dirigent äußerte sich zu den heftigen Angriffen nicht. Dafür reagierten seine Mannschaftskameraden deutlich. Mario Gomez betonte: “Mir persönlich ist wichtig, dass jeder sagen kann was er will, sehr auffällig ist allerdings, dass es ins Persönliche übergeht.” Eine rote Linien für den erfahrenen Mittelstürmer.

Dass sachliche Kritik natürlich richtig und auch willkommen ist, steht für Gomez außer Frage. “Mexiko hat uns aufgezeigt, was wir besser machen müssen. Ich habe auch gar kein Problem, wenn geschrieben wird, der hat scheiße gespielt oder ein anderer ist nicht schnell genug gelaufen. Aber wenn es ins Persönliche geht, finde ich das nicht korrekt.” Gerade den harschen Ton in Bezug auf Mesut Özil sieht der Angreifer vom VfB Stuttgart in Sachen, die neben dem Platz passiert sind, begründet. “Ich habe bei einigen das Gefühl, sie haben nur darauf gewartet, dass wir ein schlechtes Spiel machen, um dann den einen oder anderen mal hopps zu nehmen.”

Özil wegen Erdogan-Treffen besonders im Kreuzfeuer?

Ein Faktor, dass sich gerade Mesut Özil dermaßen der (persönlichen) Kritik erwehren muss, dürfte sein Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Erdogan gewesen sein. Gerade “Fans” der deutschen Nationalmannschaft, die Spieler mit ausländischen Wurzeln schon länger nicht im DFB-Team sehen wollen, nutzen diesen Vorfall schamlos aus, um jetzt gegen diese Profis zu wettern. Und jedes weitere schwache Spiel, heizt diese fatalen Flammen weiter an.