Deutschland ohne Neuerung: Probleme mit verspielten Spaniern

So sieht das neue Deutschland Trikot 2018 für die WM in Russland aus
Foto: Twitter / @DFB_Team

Die beiden letzten Weltmeister Deutschland und Spanien trafen in Düsseldorf zu einem Testspiel auf höchstem taktischen Niveau aufeinander. Bundestrainer Joachim Löw setzte auf eine konservative Aufstellung mit den bewährten Größen im altbewährten 4-2-3-1. Doch von diesen konnte bei Leibe nicht jeder Werbung für sich betreiben. Zwei unterschiedliche Halbzeiten rechtfertigen ein Remis. 

Spanien begann wie die Feuerwehr. Und belohnte sich früh. Routinier Iniesta, der im Vorfeld der Partie mit Rücktrittsgedanken aufhorchen ließ, machte das, was er kann wie kein Zweiter. Präzise und mit perfektem Timing steckte er die Kugel durch auf Rodrigo durch. Und der Mittelstürmer von Valencia, der etwas überraschend statt Diego Costa im zentralen Angriff für La Roja beginnen durfte, verwandelte die wunderbare Vorlage sicher flach ins lange Eck.

In der Folge konnte Deutschland die Partie zwar optisch ausgeglichen gestalten. Gefährlicher blieben jedoch die Iberer. Iniesta war der Dirigent, des spanischen Tiki-Taka-Orchesters. Immer wieder schaffte er es gemeinsam mit dem Münchner Thiago, Koke, David Silva, Isco und Rodrigo in Kurzpasstaffeten die deutsche Hintermannschaft alt aussehen zu lassen. Doch zu verspielt agierten sie vor dem Tor. Immer wieder wählten sie einen Querpass zu viel, anstatt kompromisslos abzuschließen.

Das machte vor der Pause Thomas Müller. Die spanische Verteidigung ließ sowohl Özil als auch Kroos unbedrängt vor dem iberischen Sechzehner Querpässe spielen und presste auch nicht auf Thomas Müller. Der zog aus 18 Metern zentral vor dem Tor ab und überwand David de Gea ins linke obere Eck.

Zur Halbzeit blieb Andres Iniesta in der Kabine. Und damit endete auch die spanische Dominanz im Passspiel. Immer wieder konnte nun die DFB-Elf Nadelstiche in Richtung David de Gea setzen. Doch häufig war der letzte Pass zu ungenau oder zu kompliziert.

Beide Seiten wechselten in der zweiten Hälfte mehrmals, so dass das Spiel trotz der ein oder anderen Torraumszene an Schwung verlor. Schlussendlich war das 1:1 der beiden europäischen Fußball-Giganten verdient. Doch große Aufschlüsse bezüglich der WM lieferte dieses Testspiel noch nicht. Dazu war der Freundschaftsspielcharakter doch zu allgegenwärtig in diesem Aufeinandertreffen.

Deutschland in der Einzelkritik:

Marc Andre Ter Stegen: Deutschland muss auf der Torhüter-Position sicherlich nicht bange sein. Chancenlos beim Gegentor, immer wieder aufmerksam und das 2:1 aus kürzester Distanz von Isco verhindert. Ter Stegen hatte ob der wenigen Abschlüsse der Spanier wenig Gelegenheit sich auszuzeichnen. Doch die Ausstrahlung des Schlussmanns von Barcelona ist die eines Nationaltorhüters.

Jonas Hector: Machte das, was Joachim Löw von ihm erwarten kann und darf. Defensiv machte er seine Seite zu, ein geblockter Befreiungsschlag, der zu einer Chance für Diego Costa führte, ausgenommen. Offensiv umtriebig und mit guten Ansätzen, in letzter Konsequenz aber zu ineffektiv.

Mats Hummels: Der stärkere der deutschen Innenverteidiger. Beim 0:1 enteilte ihm Rodrigo, doch in der Folge defensiv aufmerksam, offensiv mit vielen starken horizontalen Pässe, die deutsche Angriffe einleiteten, sowie einem Kopfball an die Latte.

Jerome Boateng: Fand nicht zu seiner gewohnten Selbstverständlichkeit im defensiven Zweikampfverhalten und im Aufbau der eigenen Angriffe. Keine wirklich schwache Leistung, doch von ihm muss man mehr erwarten dürfen.

Joshua Kimmich: Wenn er eine Führungsrolle bei Bayern und Deutschland übernehmen möchte, muss er auch gegen Gegner wie Spanien dominanter agieren. Offensiv wirkungslos, defensiv oft einen Schritt zu spät.

Sami Khedira: Defensiv mit ungewohnten Fahrigkeiten. Offensiv aber mit Dynamik und Ideen. In der 53. Minute nach einem Zusammenprall mit Thiago und Schmerzen am Knie ausgewechselt.

Toni Kroos: Weniger auffällig als sein spanisches Gegenüber Andres Iniesta. Aber dennoch Dirigent des deutschen Spiels. Wenig glanzvoll, doch er gibt den Takt vor, nach dem die restlichen DFB-Stars laufen.

Julian Draxler: Bemüht, mit großem Selbstvertrauen. Doch häufig zu sehr bemüht persönliche Glanzlichter zu setzen. Häufig wäre der einfachere Pass besser gewesen als das versuchte Dribbling.

Mesut Özil: Wie so oft, abgetaucht gegen große Gegner. Obwohl als Nummer 10 aufgestellt, ohne echte Bindung zum Spiel, keine Glanzlichter, keine Kreativität. So eher Hemmschuh denn Taktgeber des deutschen Spiels.

Thomas Müller: Hatte Mesut Özil eines voraus: sein wahrlich starkes Tor. Ansonsten auch er ohne Einfluss auf das deutsche Spiel. Immer für Überraschungen gut. Geniale Abschlüsse, wie verstolperte Konterchancen.

Timo Werner: Brachte seine enorme Geschwindigkeit ins deutsche Spiel ein. Gerade gegen spiel- und kombinationsstarke Gegner wie Spanien, kann dies der DFB-Elf gut tun. Doch im Abschluss zu harmlos gegen die Iberer.

Ilkay Gündogan: Kam in der 53. Minute für den verletzten Sami Khedira. Anders als bei Manchester City konnte er dem Spiel von Deutschland nicht seinen Stempel aufdrücken. Blieb im Schatten von Toni Kroos.

Leroy Sane: In der 68. Minute für Julian Draxler eingewechselt. Immer wieder mit guten Antritten. Allerdings zu verspielt und wenig zielstrebig in seinen Aktionen.

Leon Goretzka: Die letzten 10 Minuten im Einsatz. Gegen abgebrühte Verteidiger wie Sergio Ramos wirkt er noch etwas grün hinter den Ohren.

Mario Gomez: Bekam vom Bundestrainer einen Kurzeinsatz spendiert, während Sandro Wagner auf der Bank schmoren musste. Wurde aber nicht mehr wirklich in das Spiel eingebunden. Ohne Gelegenheit für einen Abschluss.