DFB-Kapitän Neuer: Keiner zieht sich aus der Verantwortung

Manuel Neuer
Foto: Peter P. / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Nach der enttäuschenden Auftaktniederlage gegen Mexiko (0:1) steht die DFB-Elf schon vor dem zweiten Spiel mit dem Rücken zur Wand. Ab jetzt kann sich die deutsche Nationalmannschaft keinen weiteren Patzer erlauben, will sie ihren Titel von 2014 verteidigen. Bevor sich der Blick aber nach vorne auf das anstehende zweite Gruppenspiel gegen Schweden richten konnte, musste die indiskutable Leistung so gut wie aller (Feld-) Spieler aufgearbeitet werden. Kapitän Manuel Neuer bestätigt, dass es dabei offene und kritische Töne gab.

Auf die Pressekonferenz kam Manuel Neuer mit stattlicher Verspätung. Doch den Grund dafür lieferte er sofort nach. Und dieser ist nach der katastrophalen Teamleistung gegen Mexiko mehr als verständlich. “Wir hatten gerade noch ein Mannschaftssitzung. Wir haben viel darüber gesprochen, was wir besser machen müssen.” Klar, dass das dann länger dauerte. Die Aussprache sei aber konstruktiv gewesen. “Wir müssen uns Sachen auch mal ehrlich ins Gesicht sagen, das ist auch Teil der Arbeit,” fordert der wiedergenesene Torhüter. “Wir sind selbst unsere schärfsten Kritiker. Wir sind sauer auf uns selbst und auch enttäuscht, wie wir gegen Mexiko aufgetreten sind. Es ist ein sehr befreiendes Gefühl, wenn man darüber spricht, was man verbessern kann. Das tut uns gut.”

Gerade die erfahrenen Spieler, die schon das Turnier 2014 mitgemacht hatten sieht Neuer nun in der Pflicht. “Wir haben sämtliche Spieler dabei, die schon einige Turniere gespielt haben. Da zieht sich keiner aus der Verantwortung. Wir haben viel miteinander geredet und versuchen, Ansatzpunkte zu finden. Ab jetzt gibt es nur noch Finals. Die Art und Weise aus dem ersten Spiel können wir nicht mehr wettmachen. Von der Körpersprache und von der Bereitschaft her waren wir nicht auf dem Platz. Das müssen wir uns ankreiden, das darf uns nicht mehr passieren. Jetzt muss von uns Spielern etwas kommen. Wir sind überzeugt davon, dass wir es können – und das wollen wir gegen Schweden zeigen.”

Neuer bestreitet Grüppchenbildung im Nationalteam

Und dabei sieht Neuer alle 23 Spieler des deutschen Kaders gefordert. Gerüchten, dass diese 23 sich vor allem in zwei Gruppen der Weltmeister einerseits und der Confed Cup-Sieger des vergangenen Sommers andererseits aufgespalten hätten, widerspricht der Torhüter entschieden. “Eine Zweiteilung in der Mannschaft gibt es nicht, es gibt keine Spaltung. Wir sind ein Team, und wir tauschen uns auch mit den jüngeren Spielern aus. Die Spieler, die den Confed Cup gewonnen haben, sind ein wichtiger Bestandteil.”

Und diesen wichtigen Bestandteil muss die DFB-Elf auch gewinnbringend einbauen, wenn nun die Wende zum Positiven gelingen soll. “Wichtig ist, dass wir jetzt alle an einem Strang ziehen und die Philosophie, die der Bundestrainer uns nahelegt, zu 100 Prozent umsetzen,” betont Neuer die Geschlossenheit als Schlüsselfaktor. “Es darf keine zwei Meinungen geben. Ich bin überzeugt, dass wir ein anderes Gesicht zeigen werden. Wir müssen daran arbeiten – auf dem Platz und außerhalb.”

Und auch die Tiefe des Kaders stimmt den erfahrenen Profi vom FC Bayern München optimistisch. Gegen Mexiko konnte Bundestrainer Joachim Löw mit Marco Reus, Julian Brandt und Mario Gomez drei Spieler von der Bank bringen, um die uns wohl viele andere Nationen beneiden. Die Stammspieler können sich also ihres Platzes zu keiner Zeit sicher sein.

“Alle Einwechslungen gegen Mexiko waren positiv, jeder hat sich reingehauen. Und die Spieler, die nicht gespielt haben, brennen alle. Das hat man auch am Montag beim Training gesehen. Man hat gesehen, wie die Spieler richtig gekämpft haben – jeder will zu einem Einsatz kommen. Wir nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen uns unsere Meinung.” Die offene Aussprache während den Spielen ist natürlich genau so lobenswert, wie der große Einsatz auf dem Trainingsplatz. Nur war der Einsatz im Spiel gegen Mexiko nicht einmal im Ansatz zu erkennen. Das muss sich im Schweden-Spiel unbedingt ändern, will Deutschland nicht das Schicksal von Italien 2010 und Spanien 2014 teilen und als Weltmeister in der Gruppenphase ausscheiden.

Immerhin eine positive Nachricht: Hector ist bereit für Schweden

Und die individuelle Klasse reicht beim Weltmeister sowieso aus, um gegen Schweden einen Sieg einzufahren. Interessant wird die Einstellung. Oder doch auch die Aufstellung? Weltmeister Neuer warnt davor, jetzt alles über den Haufen werfen zu wollen. “Wir hatten gegen Mexiko auf allen Positionen erfahrene und gute Spieler, die ähnliche Situationen schon durchlebt haben. Es geht darum: Habe ich die Bereitschaft, ein Turnier mit 100-prozentiger Einstellung anzugehen? Von der Qualität und von den Fähigkeiten der Spieler sehe ich nicht, den einen oder anderen Spieler tauschen zu müssen. Was wir in dem Spiel gezeigt haben, ist nicht das, was wir spielen können.”

Eine Änderung in der Startformation wird es dennoch geben. Denn Jonas Hector meldet sich nach Grippe wieder fit. So wird der gesetzte Linksverteidiger wieder Marvin Plattenhardt verdrängen. Der Berliner machte seine Sache gegen Mexiko nicht schlecht, zumindest auch nicht schlechter als viele Stammspieler. Doch eingebunden wurde der Neuling kaum. Bei Hector dürfte das wieder anders aussehen.