Doppelte Überraschung: Schweden im Viertelfinale, England kann Elfmeter

England
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Weder ist es eine Sensation, dass sich Schweden in einem Länderspiel gegen die Schweiz durchsetzt und gewinnt, noch ein Triumph der Engländer über Kolumbien. Doch wenn man bedenkt, dass Schweden zum ersten Mal seit 1994 ein WM-Viertelfinale erreicht, und dass England seinen Sieg gegen Kolumbien im Elfmeterschießen, eigentlich ja die Achillesferse der Three Lions, errang, sind diese Resultate doch bemerkenswert. Darüber hinaus ist der Viertelfinaleinzug der schwedischen Tre Kronen sowie der englischen Three Lions auch noch jeweils verdient.

Sowohl Schweden als auch die Schweiz starteten mit ordentlich Bundesliga-Power in ihren Reihen in die Partie. Insgesamt standen acht Bundesliga-Legionäre auf dem Platz. Drei auf Seiten der Skandinavier, fünf gar bei den Schweizern. Doch allzu sehr profitierten die Eidgenossen davon nicht wirklich. Zumindest nicht in der Anfangsphase. Denn da gaben die Schweden den Ton an und kamen zu ersten Abschlüssen, ohne aber wirklich zwingend zu werden. Fahrt nahm die Partie in der letzten Viertelstunde vor der Halbzeitpause auf. Beide Seiten näherten sich dem Kasten an, trafen aber nicht hinein. So ging es ausgeglichen mit sieben zu sieben Torschüssen, aber null zu null Toren in die Kabine.

Nach der Pause zeigten sich die Eidgenossen giftiger und griffiger in den Zweikämpfen. So ließen sie die Schweden offensiv nicht mehr zur Entfaltung kommen. Doch auch selbst schafften sie es nicht wirklich in den gefährlichen Bereich vor dem schwedischen Tor. So verflachte die Partie zusehends. Bis Emil Forsberg sich ein Herz fasste. Der Linksaußen von RB Leipzig ließ Xhaka mit einer Finte aussteigen und zog aus etwa 18 Metern zentraler Position hart ab. Doch wenig platziert. Der Ball wäre wohl genau auf Torhüter Sommer zugeflogen. Eigentlich. Denn Dortmunds Innenverteidiger-Juwel Manuel Akanji wollte den Ball blocken. Und fälschte ihn so unhaltbar in die eigenen Maschen ab. 1:0 Schweden.

Und dieses Ergebnis sollte bis zum Schluss Bestand haben, aus zweierlei Gründen. Einerseits, weil die Schweden aufopferungsvoll verteidigten, sich kollektiv in jeden Schuss der Schweizer warfen. Andererseits aber auch, weil durch den Video-Assistenten ein vermeintlicher Elfmeter für Schweden in der Nachspielzeit noch zurückgenommen wurde. Was war passiert? Der Schweizer Lang bremste den durchgebrochenen Olsson mit einem Schubser an der Strafraumkante. Schiedsrichter Skomina entschied zunächst auf Elfmeter, der Video-Schiedsrichter verlegte den Tatort auf außerhalb des Sechzehners. Toivonen scheiterte von dort mit seinem Freistoß an Sommer. Letztlich war das aber bedeutungslos. Schweden zog dennoch mit einem 1:0 über die Schweiz ins WM-Viertelfinale ein.

England besiegt Kolumbianer im Elfmeterschießen

Jose Pekerman musste sein kolumbianisches Team auf zwei Positionen umstellen. James Rodriguez, der Superstar in Diensten des FC Bayern, verlor den Wettlauf mit der Zeit und wurde nicht rechtzeitig von seiner Wadenverletzung fit. Barrios rückte in die Startelf. Außerdem fand sich Uribe auf der Bank wider. Ihn ersetzte Jefferson Lerma. Pekermans Gegenüber Gareth Southgate drehte die Komplettrotation aus dem abschließenden Gruppenspiel gegen Belgien wieder zurück und schickte seine erste Elf auf den Rasen. Erhalten blieben der Startformation dabei nur Torhüter Pickford sowie Innenverteidiger Stones.

Kolumbien wartete mit drei Sechsern weit zurückgezogen ab und hoffte, offensiv durch schnelle Gegenstöße gefährlich zu werden. Das Spiel kontrollierte aber England mit viel Ballbesitz. Auch die erste gefährliche Aktion verbuchten die Three Lions durch einen Kopfball von Kane, der über das Tor segelte. Das war es dann aber auch schon mit Offensivaktionen, die etwas mehr Gefahr versprühten. Kolumbien kam besser ins Spiel, hielt den Ball nun auch selbst länger, ohne aber zu gefährlichen Aktionen zu kommen. Auch England wurde von der kolumbianischen Defensive vom eigenen Tor weg gehalten. So ging es in einer Partie, die den hohen Erwartungen nicht gerecht wurde, torlos in die Halbzeitpause.

Auch wenn die Spieler sich nicht in schönem Fußball übten, schwächster Akteur auf dem Platz war der US-amerikanische Schiedsrichter Geiger, dem das Spiel zusehends entglitt. Zahlreiche gelbe Karten waren die Folge. Und ein Elfmeter für England, der aber berechtigt war. Sanchez hatte Kane unnötig wie tollpatschig im Strafraum nach einem Eckstoß zu Fall gebracht. Der Gefoulte trat selbst an und verwandelte sicher zentral ins Netz.

Kolumbien wusste zunächst nicht auf den Rückstand zu antworten. Erst in den letzten Minuten wurden ihre Angriffe vehementer. Doch gefährlich wurde es für England nur nach einem individuellen Fehler von Walker, der Cuadrado in aussichtsreicher Position zum Abschluss brachte. Der Dribbler zielte aber zu hoch. Doch ins den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich war er dann auch verwickelt. Denn seine Ecke köpfte der König der Lüfte Yerry Mina in der 93. Minute zu seinem dritten Turniertreffer ein. Verlängerung.

In dieser stellte Kolumbien das aktivere Team, verpasste es aber das Spiel komplett zu drehen. England wirkte erschöpft und rettete sich ins eigentlich so verhasste Elfmeterschießen. Und auch diesmal wirkten sie zuerst wie die Verlierer. Denn nach fünf erfolgreichen Schützen vergab Henderson. Doch auch die Kolumbianer Uribe und Bacca scheiterten in der Folge. Trippier und Dier verwandelten und schossen die Three Lions ausgerechnet vom Punkt aus ins Viertelfinale.