Durchstarter Kimmich rechnet nicht mit Rücktrittswelle nach der WM

Joshua Kimmich
Foto: Rufus46 / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Die Ansprüche und Zielsetzungen von Joshua Kimmich werden schnell offensichtlich, wenn man ihn über die gerade abgeschlossene Saison sprechen hört. Deutsche Meisterschaft, Champions League Halbfinale, DFB-Pokal-Finale – das ist Kimmich nicht genug. Als „enttäuschend“ bezeichnet er im kicker-Interview die zurückliegende Saison. Doch mit der Weltmeisterschaft bietet sich dem ehrgeizigen Rechtsverteidiger noch eine Gelegenheit die Saison 2018 erfolgreich abzuschließen. Dabei will er mit Leistung und Verantwortungsbewusstsein vorangehen. 

Um was es für Deutschland in Russland geht, weiß Kimmich ganz genau. „Ich sehe die WM als Chance, aus dieser bisher für mich enttäuschenden Saison eine absolute Highlight-Saison zu machen.“ Der Anspruch des Mannes aus Rottweil, der einen steilen Aufstieg hinter sich hat, ist dabei eindeutig: der Titel muss verteidigt werden. 2014 verfolgte der gerade von der 3. in die 2. Bundesliga aufgestiegene Youngster die Weltmeisterschaft noch von der heimischen Couch aus „als Fan, aber nicht mit dem Hintergedanken, dass du bald dabei sein könntest,“ wie er selbst sagt.

Heute ist er nicht nur dabei, sondern ist auch in seinen eigenen Augen „Stammspieler“ und geht mit dem „Anspruch in die WM, Leistungsträger zu sein“. Die Stars, die 2014 den WM-Titel für Deutschland holten, sehen Kimmich längst als gleichberechtigten Mitspieler, der auch mal eine Ansage machen kann. „Wenn man sieht, welche Spieler mit welchen Titeln wir im Kader haben, da ist es nach gerade mal zwei Länderspieljahren schwer, sich als Führungsspieler zu bezeichnen“, relativiert der 23-Jährige. Meinungsstark tritt er dennoch auf. „Wenn ich auf dem Platz etwas zu sagen habe oder mir etwas auffällt, dann sage ich das auch.“

Kimmich lobt Mischung aus Weltmeistern und jungen Wilden im DFB-Kader

Das wird auch in der Vorbereitung deutlich. Kimmich ist einer, der mit seinen Ansichten nicht lange hinter dem Berg hält. So findet er es „wichtig, dass hier nicht alle schon Weltmeister sind. Zum einen haben wir die Qualität, aber auch den absoluten Hunger und die Gier,“ lobt der Lahm-Nachfolger bei Bayern und im DFB-Team die Mischung, die Joachim Löw gefunden hat.  Junge, hungrige Spieler wie er selbst, sein Bayern-Kollege Niklas Süle, Leon Goretzka, Leroy Sane oder Timo Werner werden den Arrivierten „wieder ein paar Prozent mehr herauslocken.“ Den deutschen Kader hält Kimmich für „sehr gut, auch weil wir gerade in der Breite brutal an Qualität dazugewonnen haben“.

Dass nach der Weltmeisterschaft ein neuerlicher Aderlass an Führungsspielern einsetzt, denkt der 27-fache Nationalspieler derweil nicht. „Ich glaube nicht, dass viele Spieler aufhören werden“, wie es nach den Rücktritten von Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker nach der WM 2014 sowie Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski nach der EM 2016 der Fall war. „Wir haben viele Spieler im Alter zwischen 28 und 30 dabei, die müssen rein altersbedingt nicht aufhören. Höchstens, wir werden Weltmeister. Dann sagt sich vielleicht der eine oder andere: Mehr geht nicht.“ Und dann könnte wohl sogar der ehrgeizige Joshua Kimmich glücklich und zufrieden in den Sommerurlaub gehen.