Forlan: „Uruguay ist eine sehr unangenehme Mannschaft“

WM 2018
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Uruguay liegt nach dem jüngsten Update der FIFA-Weltrangliste auf Platz 16. Nur auf Platz 16, muss man sagen. Hinter Nationalteams wie der Schweiz (6.), Dänemark (12.) oder Tunesien (14.). Doch anders als jene drei Nationen, haben einige Experten die Mannen des erfahrenen Nationaltrainers Oscar Tabarez als Geheimfavorit mit auf dem Zettel. Zumindest können die Urus jeden Gegner ärgern. Woran das liegt, was er von seinem Nachfolger Luis Suarez hält und wen er als Titelfavoriten sieht, erzählt Uruguays lebende Legende Diego Forlan bei FIFA.com. 

Seine Vereinskarriere konnte Diego Forlan noch nicht endgültig an den Nagel hängen. Seit Januar schießt er die Hongkong Premier League für Kitchee SC in Grund und Boden (5 Tore in 6 Einsätzen). Doch aus der Nationalmannschaft trat der 112-malige Nationalspieler nach der WM 2014 zurück „ohne faden Beigeschmack“, wie er selbst anmerkt. Sein Nachfolger als Go-to-guy in der Offensive Uruguays ist Luis Suarez vom FC Barcelona. Forlan sieht aber auch noch andere Führungsspieler in Uruguays Kader. Auch wenn er über Suarez‘ Entwicklung voll des Lobes ist.

„Luis, Godin und Cavani sind alles Spieler, die seit langer Zeit im Nationalteam sind. Sie sind sehr wichtig. Suarez ist physisch extrem stark und weiß seine Stärken wirklich einzusetzen. Er hat einen herausragenden Abschluss, aber er bereitet mittlerweile auch eine Menge Tore vor. Nach Barcelona zu gehen half ihm im Bezug darauf sehr. Seine Übersicht wird immer noch besser. Und er kann auch in verschiedenen Stilen spielen: für die Nationalmannschaft auf eine andere Art und Weise als für Barcelona,“ ist Forlan angetan von der Vielseitigkeit seines ehemaligen Nebenmannes im uruguayischen Sturm.

Forlan über Uruguays Ziele und seinen Tipp für das WM-Finale

Nach der starken WM-Qualifikation, die Uruguay hinter Brasilien auf Platz 2 in der südamerikanischen Staffel abschloss, gibt es für Forlan wenig Grund tiefzustapeln, was die Rolle Uruguays bei der WM betrifft. Das Ziel der Himmelblauen wird sein „eine große Rolle zu spielen, ohne Frage. Das Entscheidende ist, die Gruppenphase zu überstehen. Das ist der schwerste Teil. Manchmal startet man mit einer Niederlage im ersten Spiel ins Turnier. Das ist uns in Brasilien [bei der WM 2014] passiert. Und dann muss man gewinnen, um im Wettbewerb zu bleiben. Es gibt keine einfachen Gegner, aber Uruguay hat ein Team, das stark genug ist, um die großen Nationen aufzumischen,“ ist sich der langjährige Nationalspieler sicher. Die Auslosung meinte es zumindest gut mit Uruguay. In Gruppe A treffen sie als Favorit auf Gastgeber Russland, Ägypten und Saudi-Arabien.

Doch auch als Underdog gegen die großen Nationen in den K.O.-Runden rechnet sich Forlan einiges für seine Heimat aus. „Wir sind ein kleines Land. Und wenn man es so betrachtet, haben wir einen Nachteil. Allerdings weiß ich, dass die meisten Spieler, die gegen Uruguayer kennen oder gegen sie gespielt haben, uns lieber meiden. Das ist ganz offensichtlich. Uruguay ist eine sehr unangenehme Mannschaft und niemand spielt gerne gegen uns. Das ist ein herrliches Gefühl.“

Uruguay hat sicherlich das Zeug, für die ein oder andere Überraschung zu sorgen. Seine Titelfavoriten sind für Diego Forlan dennoch andere, größere Fußballnationen. „Ich habe zwei Teams in meinem Büchlein: Brasilien und Deutschland. Brasilien spielt richtig stark. Sie haben einen super Trainer und Neymar war in bestechender Form. Nach der Art, wie er Woche für Woche gespielt hat, macht er den Titel des besten Spielers der Welt bald mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi aus. Tite hat einige wirklich starke Spieler und er hat das Team umgebaut. So machte er es viel sicherer in der Defensive. Er ist ein Trainer, der sehr gerne vorausplant, und ein gerissener Taktiker. Wenn die Dinge bleiben, wie sie sind, haben sie eine große Chance.“

Nach dieser Lobeshymne auf die Selecao ist auch klar, wem neben Uruguay Forlans Herz gehört. Sein Vater spielte einige Jahre in Sao Paolo und auch er selbst schnürte seine Schuhe eineinhalb Jahre für Internacional Porto Alegre. Verständlich, dass in Forlans Brust auch ein kleines Fußballherz für den großen Nachbarn Uruguays schlägt.