Frankreich oder Belgien: Wer erreicht WM-Finale?

Frankreich Nationalmannschaft
Abb. Die französische Nationalmannschaft / Vlad1988 / Shutterstock.com

Frankreich galt Experten, Buchmachern und Fans weltweit schon im Vorfeld des Turniers als einer der ganz heißen Favoriten auf den Gewinn der Weltmeisterschaft in Russland. Belgien erspielte sich durch ihre furiose Gruppenphase, spätestens aber mit dem taktisch und individuell starken Auftritt im Viertelfinale gegen den Favoriten Brasilien weltweiten Respekt. Die Roten Teufel untermauern, dass ihre goldene Generation nun auf dem Zenit ihres Schaffens ist. Die beiden Nationalteams treffen am Dienstagabend zu einem spektakulären Halbfinale aufeinander. 

Am Dienstagabend treffen mit Belgien und Frankreich zwei Mannschaften aufeinander, die von Anfang an als Favoriten auf den Titelgewinn gehandelt wurden. Von den beiden kann aber nur einer den vorletzten Schritt machen und sich die Chance erkämpfen, um den WM-Titel zu spielen. Das ist auch Belgiens Kevin de Bruyne bewusst. “‘Jetzt oder nie’ ist das immer”, meint der 27-Jährige. “Ich werde versuchen, das Beste aus mir herauszuholen”, verspricht der ManCity-Profi das Selbstverständliche. Zunächst als Sechser eingesetzt bei der WM, rückte er im Viertelfinale gegen Brasilien weiter nach vorne und blühte direkt auf. “Meine Aufgabe ist es, Möglichkeiten zu eröffnen”, beschreibt De Bruyne seine Rolle. “Ich soll Pässe spielen, die anderen nutzen können, um den Unterschied zu machen.”

Diese Aufgabe wird ihm vor allem von Frankreichs Abfangjäger N’golo Kante erschwert werden. Vielleicht sogar in Sonderbewachung? “Ich hoffe, dass sie sich nur auf einen konzentrieren”, so De Bruyne vielsagend. “Das bedeutet nämlich, dass die anderen mehr Platz hätten.” Davon nicht profitieren würde Thomas Meunier. Denn der offensivfreudige Rechtsverteidiger fehlt aufgrund einer Gelbsperre. Daher erwägt Belgiens Nationaltrainer Roberto Martinez gar eine Systemumstellung von der bislang praktizierten Dreier- auf eine Viererkette. “Mit vier Mann gibt es mehr Symmetrie, man ist besser aufgeteilt”, macht Martinez die Vorteile von vier Verteidigern deutlich. Der offensivere Chadli könnte dann Meunier ersetzen. Solche taktischen Umstellungen könnten aber auch während der 90 Minuten ganz schnell durchgeführt werden. “Das ist eine Qualität meiner Mannschaft”, warnt Martinez den kommenden Gegner Frankreich. “Sie hat die Kapazitäten, Dinge schnell zu verändern.”

Frankreich baut auf neuerliche Paraden von Lloris

Eine ganz besondere Partie dürfte es für Thierry Henry werden. Bei vier Weltmeisterschaften war der französische Jahrhundertstürmer für Les Bleus am Ball. Bei seiner ersten 1998 durfte er als blutjunger, aber mit drei Toren schon wichtiger Profi seinen Beitrag für den Gewinn der Heim-WM leisten. Doch 2002 und 2010 war er auch beteiligt an ganz dunklen Kapiteln der französischen Fußballgeschichte. Nun steht er auf der anderen Seite. Denn er ist unter Co-Trainer unter Roberto Martinez bei der belgischen Nationalmannschaft. Und der ehemalige Weltklassestürmer ist vor allem Mentor für die offensiven Akteure auf belgischer Seite.

Dass diese nicht zur Entfaltung kommen, beziehungsweise keine erfolgreichen Torabschlüsse feiern können, ist die Aufgabe von Frankreichs Kapitän und Torhüter Hugo Lloris. Schon in der zähen Vorrunde der Equipe Tricolore sorgte der Tottenham-Profi mit spektakulären Rettungstaten gegen Australien und Peru dafür, dass Frankreich diese Partien knapp gewann und letztlich unangefochten als Gruppensieger in die K.O.-Runde einzog. Die größte Parade bislang packte er dann aber im Viertelfinale gegen Uruguay aus. Und die auch noch zu einem enorm wichtigen Zeitpunkt. In einer von den Franzosen dominierten, aber dennoch sehr intensiven Partie gegen die bissigen Südamerikaner hatte Raphael Varane nach einer halben Stunde per Kopf die französische Führung besorgt.

Doch nur wenige Minuten später hätte der uruguayische Verteidiger Martin Caceres beinahe ebenfalls per Kopf für das ansonsten ohne ihren Starstürmer Edinson Cavani offensiv wirklungslose Uruguay ausgeglichen. Wäre da nicht Hugo Lloris gewesen. Mit katzenhafter Beweglichkeit und Schnelligkeit tauchte der 31-Jährige in das bedrohte, von ihm aus gesehen rechte untere Eck ab und kratzte den Ball noch von der Linie.

Nationaltrainer Deschamps: Lloris’ “Tat zählt wie ein Tor”

Der vorherige Torschütze und als Innenverteidiger direkter Vordermann von Hugo Lloris, Raphael Varane, schildert die spektakuläre Parade wie folgt: “Das war eine unglaubliche Reaktion”, meint der Profi von Real Madrid. “Das war ein großer Hugo. Als ich den Ball sah, dachte ich, er geht ins Tor, aber er hat diesen großartigen Absprung. Ihn hinter sich zu haben ist ein gutes Gefühl”, drückt der Innenverteidiger die Sicherheit aus, die Lloris seinen Vorderleuten verleiht. Auch Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps pries die Rettungsaktion seines Torhüters in den höchsten Tönen: “Diese grandiose Tat zählt wie ein Tor.” Mit dem Ausgleich im Rücken kurz vor der Halbzeit wäre die Partie für die Uruguayer wieder vollkommen offen gewesen. Dank Lloris konnte Griezmann nach der Pause auf 2:0 erhöhen und das Viertelfinale vorzeitig entscheiden.

Auch gegen Belgien wird der Keeper gegen die brachiale Offensive der Roten Teufel wieder im Blickpunkt stehen. “Ich fühle mich gut, habe ein Umfeld, das mir Sicherheit gibt”, gibt sich Lloris entspannt. “Belgien ist die kompletteste Mannschaft des Turniers. Sie verteidigt gut, sie greift gut an, ist in der Luft schwer zu bezwingen und am Boden. Wir brauchen eine große französische Mannschaft, um unser Ziel zu erreichen”, sind dem Kapitän die belgischen Vorzüge bekannt. Er weiß aber auch: “Wir haben am Dienstag die große Gelegenheit, Geschichte zu schreiben. Wir müssen als Kollektiv unsere Antwort geben. Es geht darum, diszipliniert, strukturiert zu spielen, den Belgiern keinen Platz zu geben.” Und falls die belgischen Angreifer doch einmal durchkommen sollten, gilt es ja immer noch Hugo Lloris zu überwinden. Der sagt simpel wie selbstbewusst: “Ich bin da.”