Frankreich souverän, Belgien mit Glück: Nachbarduell im Halbfinale

Frankreich Nationalmannschaft
Abb. Die französische Nationalmannschaft / Vlad1988 / Shutterstock.com

Das erste Halbfinale der WM wird keine Verständigungsprobleme zwischen den Spielern hervorrufen. Denn es steht ganz im Zeichen des Französischen. Frankreich trifft nämlich auf Belgien, das ja auch etwa zur Hälfte französisch-sprachig ist. Als erster setzte sich die französische Equipe Tricolore im Viertelfinale gegen Uruguay durch. Ausgerechnet Griezmann, der sich selbst als halben Uruguayer bezeichnet, erzielte den entscheidenden Treffer. Am Abend folgte dann Belgien nach einer packenden Partie gegen Brasilien den Franzosen ins Halbfinale. Die Roten Teufel überzeugten in weiten Strecken, benötigten aber auch eine Portion Glück. Brasilien stürzt derweil einmal mehr in die große Leere. 

Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps musste für die Partie gegen Uruguay im Vergleich zum rasanten 4:3 im Achtelfinale gegen Argentinien auf einer Position umstellen. Denn Routinier Blaise Matuidi sah gegen Messi und Co. seine zweite gelbe Karte des Turniers und fehlte folglich gesperrt gegen die Celeste. Ihn vertrat, wie in den Vortagen schon gemutmaßt, Corentin Tolisso vom FC Bayern München.

Auch Deschamps’ Gegenüber Oscar Tabarez hatte eine Änderung in seiner Startelf vorzunehmen, eine extrem schwerwiegende noch dazu. Denn Uruguays Wade der Nation, die zu Edinson Cavani gehört, konnte nicht rechtzeitig zum Viertelfinale genesen. Im Achtelfinale gegen Portugal zog sich der PSG- Angreifer einen Bluterguss zu. Ihn vertrat Christian Stuani.

Und der konnte auch in der 4. Minute gleich die erste Torannäherung verbuchen. Ansonsten entwickelte sich aber eine kämpferische, harte Partie, in der keine Mannschaft auch nur einen Zentimeter des Platzes herschenkte. Gerade die berühmt-berücktigte uruguayische Defensive blieb immer mit vielen Leuten hinter dem Ball, sodass Frankreich keine Möglichkeit für ihre gefürchteten Tempogegenstöße eingeräumt wurde. Kylian Mbappe wurde vom laufstarken Diego Laxalt gut bearbeitet. Und doch war es der französische Younster der die erste Möglichkeit für Les Bleus verbuchte (15. Minute).

Chancen blieben in der Folge aber Mangelware. Das geschehen spielte sich meist im Mittelfeld ab. So überrascht es wenig, dass der erste Treffer der Partie aus einem Standard resultierte. Einen Griezmann-Freistoß aus dem Halbfeld köpfte Innenverteidiger Varane, der sich im Kopfballduell gegen Cavani-Vertreter Stuani durchsetzte, stark ins lange Eck ein (40. Minute). Fast hätte Caceres auf der Gegenseite nur drei Minuten später auf die exakt selbe Weise geantwortet. Doch Frankreichs Torhüter Lloris tauchte ins bedrohte Eck und parierte den Kopfball hervorragend.

Auch im zweiten Durchgang blieb Frankreich optisch überlegen. Uruguay konnte einfach keinen Druck auf die französische Defensive ausüben. Gefahr war in der Partie nach der Pause Fehlanzeige. Bis sich Antoine Griezmann aus gut 20 Metern ein Herz nahm. Eigentlich entfaltete dieser zentral platzierte Schuss auf Muslera ebenfalls keine Gefahr. Doch der uruguayische Keeper patzte entscheidend, konnte den leicht flatternden Ball nicht festhalten, sodass sich dieser über den verdutzten und dann untröstlichen Keeper hinweg ins Tor senkte. Auch Torschütze Griezmann jubelte nicht über seinen Glückstreffer zum vorentscheidenden 2:0. Im Vorfeld betonte er, sein Herz sei auch halb uruguayisch. Innenverteidiger und Kapitän der Celeste Diego Godin ist Taufpate von Griezmanns Tochter. Und doch entschied er die Partie und brachte Frankreich ins Halbfinale, denn Uruguay konnte dem französischen Tor nicht mehr gefährlich werden.

Belgien folgt Frankreich ins frankophone Halbfinale

“Welchen Gegner wir bekommen, ist mir egal”, lautete die Ansage von Didier Deschamps nach dem französischen Halbfinal-Einzug. Verständlich, denn mit Brasilien und Belgien standen sich zwei Titelfavoriten bereits im Viertelfinale gegenüber. Brasiliens Nationaltrainer Tite konnte in diesem wieder auf seinen angestammten Linksverteidiger Marcelo nach Verletzungspause zurückgreifen. Dafür musste er auf den gelbgesperrten Casemiro verzichten. Für ihn rückte Fernandinho ins defensive Mittelfeld.

Auch Belgiens Trainer Roberto Martinez veränderte seine erste Elf zwei Mal. Chadli und Fellaini wurden dafür belohnt, dass sie mit ihren Joker-Toren das Achtelfinale gegen Japan gedreht hatten und ersetzten Carrasco und Mertens in der Startelf. Kevin de Bruyne rückte daher von der Sechs in die Offensivreihe.

Auf eine Abtastphase zu Spielbeginn verzichteten die beiden individuell hochklassig besetzten Mannschaften. Es entsponn sich sofort die erhoffte hochklassige und intensive Partie. Die erste Riesen-Chance hatte Thiago Silva nach einem Eckball. Auf die abgefälschte Flugbahn konnte er aber nicht mehr reagieren und bugsierte die Kugel aus kürzester Distanz nur an den Pfosten. Auch auf der Gegenseite entstand nach einem Eckball Gefahr und der erste Treffer. Kompany verlängerte die Ecke leicht, sodass Fernandinho den Ball unglücklich mit der Schulter ins eigene Tor lenkte.

Und Brasilien wirkte geschockt, brauchte 15 Minuten um sich zu erholen und durch Marcelo wieder zu einer Chance zu kommen. Doch ausgerechnet nach diesem kleinen Ausrufezeichen der Selecao, fuhr Belgien einen tödlichen Konter, den de Bruyne mit einem ungemein harten wie präzisen Schuss ins lange Eck vollendete. So ging es mit 0:2 aus brasilianischer Sicht in die Kabine.

Mit Firmino für den schwachen Willian machte Brasilien nach dem Seitenwechsel ordentlich Druck. Paulinho konnte aus kurzer Distanz den Ball nicht an Courtois vorbeilegen. Kompany foulte Gabriel Jesus im Strafraum, doch trotz Video-Assistent blieb die Pfeife des Schiedsrichters stumm. Die Zeit lief gnadenlos ab, so dass Brasilien immer hektischer wurde und sich mehr Fehler erlaubte. Hoffnung brachte erst der Anschlusstreffer in der 76. Minute durch den eingewechselten Renato Augusto. Dieser vergab fünf Minuten später aber auch die größte Möglichkeit zum Ausgleich freistehend von der Strafraumkante. Da auch Firmino, Coutinho und Neymar entweder nicht aufs Tor trafen oder in Courtois ihren Meister fanden, blieb es beim in der ersten Halbzeit stark herausgespielten sowie in der zweiten Hälfte etwas glücklich verteidigten 2:1 für Belgien.