Furioses Kroatien zerlegt Argentinien und zieht ins Achtelfinale

WM-Playoffs 2018: Kroatien und die Schweiz lösen ihr WM-Ticket
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20 Jahre ist es her, dass Davor Suker, Zvonimir Boban und Robert Prosinecki die Welt mit der kroatischen Nationalmannschaft verzauberten. Platz Drei bei der WM 1998 war der verdiente Lohn für eine goldene kroatische Generation. Doch seitdem erwies sich der damalige Segen auch als Fluch. Denn keine der folgenden Mannschaften schaffte es in die großen Fußstapfen zu treten. Trotz starker Einzelspieler. Doch bei dieser WM überzeugen die Kroaten auch als Kollektiv. Leidtragender war im zweiten WM-Spiel Argentinien, das gehörig unter die Räder kam.

Im Vergleich zum Auftaktspiel gegen Nigeria veränderte der kroatische Coach Zlatko Dalic seine Anfangself auf einer Position. Inter Mailands Marcelo Brozovic rutschte für Andrej Kramaric von der TSG Hoffenheim in die Startaufstellung. Ein defensiver Mittelfeldspieler ersetzte einen Stürmer, dafür rutschte Spielmacher Luka Modric von der Sechs um eine Position nach vorne auf die Zehn. Dalic war klar, dass seine Elf gegen Argentinien auch defensiv mehr gefordert sein würde als im ersten Spiel bei dieser WM gegen Nigeria, das locker und souverän mit 2:0 gewonnen worden war.

Im Gegensatz zu Dalic, der mit dem ersten Auftritt seiner Mannschaft zufrieden sein konnte, sah Jorge Sampaoli, Argentiniens Nationaltrainer mehr Grund für Wechsel. Das Auftaktspiel endete 1:1 gegen Island. Seine Defensive präsentierte sich teils wild, offensiv fehlten Esprit und Ideen. Nun ersetzten Mercado, Perez und Acuna die wirkungslosen Rojo, Biglia und di Maria. Auch das System wurde auf ein 3-4-3 umgestellt.

Kroatiens Druck zu hoch für argentinische Defensive

Kroatien konnte mit einem Sieg schon nach dem zweiten Spiel in das Achtelfinale einziehen und das merkte man den Feurigen auch an. Von Beginn an waren sie offensiv um Druck auf die argentinische Hintermannschaft bemüht und hatten dadurch auch die ersten Chancen. Defensiv warfen sie sich in jeden Ball der Richtung Tor flog. Nach einer halben Stunde hatte dennoch Argentinien die Riesenchance zur Führung. Ein Missverständnis zwischen Lovren und Torwart Subasic konnte Perez aber nicht ausnutzen. Sein Schuss von der Strafraumgrenze zischte am verwaisten Tor vorbei.

Die Gelegenheiten der argentinischen Elf kamen eher aus dem blauen Himmel, Kroatien ging viel strukturierter in die Offensive. Mandzukic vergab die größte kroatische Chance als er eine Vrsaljko-Flanke vollkomme freistehend am Tor von Willy Caballero vorbeiköpfte. Bis zur Halbzeit wurde die Partie dann durch viele Fouls und kleine Ruppigkeiten zerfahrener, sodass es torlos in die Kabine ging.

Argentinien wusste, dass sie nun Druck machen müssen. Doch die Bemühungen der Feldspieler wurden vom Torhüter ad absurdum geführt. Denn ein geplanter Lupfer über Ante Rebic hinweg zu seinem Mitspieler missglückte Argentiniens Tormann Willy Caballero vollkommen. Der 36-Jährige hob den Ball lediglich knapp neben den Frankfurter Stürmer, der die Kugel technisch anspruchsvoll mit einem hoch angesetzten Volley aus der Drehung über den konsternierten Keeper in die Maschen wuchtete.

Argentinien musste nun angreifen, konnte Kroatien aber nie wirklich in Bredouille bringen. Stattdessen entschied Modric die Partie zehn Minuten vor Schluss mit einem satten Distanzschuss aus 22 Metern. Und es sollte noch schlimmer kommen. Denn einen feinen Konter spielten die Kroaten uneigennützig zu Ende und Rakitic traf unbedrängt ins leere Tor zum 3:0 Endstand in der Nachspieltzeit.

Dalic mahnt zu Demut und Konzentration

Große Ziele wollte Trainer Dalic nach Abpfiff aber nicht ausrufen. „Wir müssen ruhig und demütig bleiben“, mahnte er. Der Stolz auf die herausragende Leistung seiner Spieler war ihm dennoch anzumerken. „Wir haben Argentinien mit dem besten Spieler der Welt geschlagen und ein fantastisches Spiel gemacht. Alles war Extraklasse.“ Dass Argentinien sich selbst geschlagen hätte, wollte Dalic nicht gelten lassen. “Argentinien war nicht konfus, wir waren exzellent.” Mit dieser Exzellenz kann Kroatien weiter den Weg von 1998 verfolgen.

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