Fußball & Politik: Testspiele von Argentinien und Iran fallen aus

WM 2018 Spielort: Moskau
Foto: Achim Hepp / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Politik und Fußball haben nichts miteinander zu tun. Das wird zumindest FIFA-Boss Gianni Infantino nicht müde zu betonen. Verständlich, im Vorfeld einer FIFA Fußball-WM im politisch sicherlich nicht blütenweisen Russland. Doch dass es ganz so einfach nicht ist, beweisen die beiden Fälle von Argentinien und dem Iran. Aus politischen Gründen fielen nämlich von beiden Nationen wichtige Testspiele so kurz vor der anstehenden WM aus. Einerseits ist der Iran selbst von politischen Kontroversen betroffen. Andererseits reagiert Argentinien auf Proteste gegen ihren Gegner Israel.

Das Testspiel zwischen Israel und Argentinien, das eigentlich am kommenden Samstag hätte stattfinden sollen, musste kurzfristig abgesagt werden. Die Sicherheit aller Spieler konnte nicht garantiert werden. „Die Botschaft Israels bedauert, die Aussetzung des Spiels zwischen Israel und Argentinien mitzuteilen“, erklärte die israelische Botschaft in Argentinien und reagierte damit auf „Drohungen und Provokationen“ von palestinänsischer Seite gegen Lionel Messi, sollte dieser gegen die Nationalmannschaft Israels auflaufen. Demonstrierende Araber zeigten blutverschmierte Messi-Trikots am Trainingsgelände der argentinischen Mannschaft.

Unter diesen Umständen war das Team nicht bereit gegen Israel anzutreten. „Soweit ich weiß, waren die Spieler der Nationalmannschaft nicht bereit, das Spiel zu spielen,“ gab auch der argentinische Außenminister Jorge Faurie bereits vor der offiziellen Absage an. Die Sache zog Kreise bis in die höchsten Ämter. Die beiden Staatspräsidenten Benjamin Netanjahu und Mauricio Macri versuchten das Länderspiel noch zu retten – letztlich Erfolglos.

Palästinenser feiern Entscheidung, Israelis sprechen von „Schande“

Erleichtert zeigte sich nach der Absage unter anderem Gonzalo Higuain, argentinischer Stürmer in Diensten von Juventus Turin. „Am Ende war es die richtige Entscheidung. Die Gesundheit und der gesunde Menschenverstand haben Vorrang,“ ist sich der Angreifer sicher. Die Palästinenser feiern den Erfolg ihrer brutalen Taktik. „Der Sport hat heute triumphiert, und Israel wurde durch die Absage des Spiels die Rote Karte vors Gesicht gehalten,“ freut sich der palästinensische Staatschef Radschub.

Aufseiten der Israelis ist die Reaktion natürlich eine gänzlich andere. : Verteidigungsminister Avigdor Lieberman nannte auf Twitter die Absage des Spiels auf Bestreben von Radikalen „eine Schande“. Der argentinische Fußballverband und die Spieler der Nationalmannschaft hätten „dem Druck der Israel-Hasser nachgegeben“. Radschub habe mit seinen „physischen und brutalen Drohungen jegliche rote Linie überschritten“. Eine Beschwerde bei der FIFA ist in Vorbereitung.

Auch Iran leidet fußballerisch unter Diktat der Politik

Wie sich verschärfte politische Fronten auf den Fußball niederschlagen, musste zuletzt auch schon der Iran feststellen. Nachdem ein Testspiel gegen Griechenland kurzfristig platzte und auch der Kosovo nicht zu einem gemeinsamen Freundschaftsspiel zu begeistern war, regte sich der portugiesische Nationaltrainer des Iran auf: „Die Kritiker reden viel, obwohl auch sie genau wissen, dass keiner gegen uns spielen will. Der Iran hat nun mal Probleme.“ Probleme, wie etwa das geplatzte Atomabkommen, das die USA auslaufen ließ.

Mittlerweile zeigt sich Queiroz im Vorfeld der WM aber wieder versöhnlich. Als erste Mannschaft ist sein Team in Russland gelandet. „In Russland zu sein, ist für den iranischen Fußball ein Traum, der wahr geworden ist. Wir haben diesen Traum durch harte Arbeit und viele Opfer erreicht. Das vergrößert nur, wie geehrt und privilegiert wir uns fühlen, hier zu sein. Das iranische Nationalteam wird es lieben gegen die besten Teams der Welt anzutreten und Teil dieser fantastischen Weltmeisterschaftsfamilie zu sein. We kommen an mit dem festen Vorsatz diesen Traum so lange es geht am leben zu erhalten und wir freuen uns darauf, unseren Teil dazu beizutragen, diese die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten zu machen. Wir grüßen all die anderen Mannschaften und ihre Fans, besonders die Bevölkerung Russlands, die diesen Wettkampf ausrichten. Wir wünschen euch allen eine großartige WM.“

Die Antrittsrede eines Fußballtrainers, die aber deutlich würdevoller als die Äußerung so einiger Politiker in letzter Zeit daherkommt.