Gianni Infantino äußert sich vor WM zu den großen Themen

WM 2018 Spielort: Moskau
Foto: Achim Hepp / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Heute gaben die Nationaltrainer der 32 qualifizierten Nationen für die Weltmeisterschaft in Russland ihre endgültigen 23-Mann-Kader bekannt. So natürlich auch Bundestrainer Joachim Löw. Die absolute Endphase der Vorbereitungszeit auf die Weltmeisterschaft ist damit eingeläutet. Und im Vorfeld des Turniers warf auch der Boss der ganzen Veranstaltung, ja des ganzen Verbandes FIFA, Gianni Infantino einen Blick voraus auf das Turnier. Natürlich äußerte er sich voller Vorfreude auf das Mega-Event und voll des Lobes über Gastgeber Russland. 

Daran, dass die FIFA mit Russland die falsche Wahl als Ausrichter getroffen haben könnte, wie nicht wenige Kritiker behaupten, verschwendet Infantino keinen Gedanken. „Ich bin sehr froh über das, was wir erwarten können. Russland will bei dieser WM der Welt beweisen, dass es ein offenes Land ist, in das Menschen kommen können, in dem Menschen feiern können – Fußball feiern können. Russland hat viel zu bieten – Geschichte, Kultur. Ich habe nun 20 Jahre Turniere organisiert und ich habe noch nie ein Land erlebt, das so viel tut, die Fans willkommen zu heißen – mit der Fan-ID, freie Visa, freier Transport zwischen und in den Spielorten an Spieltagen. Das ist einzigartig und zeigt, wie Russland der Welt zeigen will, ein Fußball-Fest zu bieten.“

Mögliche Probleme, gerade politischer Natur, aber auch Doping-Verstöße, wischt der FIFA-Chef einfach zur Seite. Schwierigkeiten könnten höchstens kleine Details bereiten. „Ich bin selten so entspannt gewesen wie jetzt. Ich war mehrfach in Russland – ich war in Meetings, ich habe die Verantwortlichen getroffen, das Engagement ist sehr groß. Natürlich gibt es die Sorge vor einem Stromausfall oder einem falsch gesteckten Kabel – Kleinigkeiten verglichen zu dem, was ich bei anderen Turnieren erlebt habe. Ich bin wirklich zuversichtlich, weil ich sehe, dass alle engagiert sind. Hoffentlich liege ich richtig.“

Tief blicken lassen Infantinos Aussagen, wenn er auf Themen wie politische Unterdrückung der Opposition, Menschenrechtsverletzungen oder systematische Homophobie angesprochen wird. „Was die FIFA angeht, konzentrieren wir uns auf den Fußball. Für uns hat das keine Relevanz. (…) Nein – wenn der Ball rollt, wird sich die Welt auf den Fußball konzentrieren. Die Politik muss uns dann nicht bekümmern. Die Menschen sind dann froh, wenn ihr Team gewinnt, sie sind traurig, wenn es verliert.“ Was zählt ist der Fußball – und das die FIFA ihr Premiumprodukt ohne Störungen durchziehen kann. Alles andere ist für Infantino und die FIFA nur Beiwerk. Dass eine WM-Vergabe nach Russland das dortige Regime natürlich stärkt – geschenkt.

Infantino glücklich über Comebacks von Neuer und Neymar

Da passt es ins Bild, dass auch noch zwei der größten Stars der Welt am vergangenen Wochenende ihre Comebacks feierten. Manuel Neuer lief gegen Österreich auf, Neymar führte seine Selecao zum Sieg gegen Kroatien. Darüber zeigt sich Infantino hocherfreut. „Es ist wichtig, dass die besten Spieler der Welt bei der WM dabei sind. Ich war sehr glücklich, Manuel Neuer wieder spielen zu sehen. Es ist wichtig, auch dass Neymar wieder zurück ist. Für alle, die Fußball lieben, ist es schön sie zu sehen.“

Positiv bewertet der Schweizer auch die Einführung des Video-Schiedsrichters. Auch wenn er diesbezüglich die Erwartungen nicht zu hoch hängen will. „Der Video-Schiedsrichter hilft, grobe Fehler zu vermeiden. Wir werden es bei der WM nicht erleben, dass es ein klares Abseitstor gibt. Wir werden keinen Elfmeter sehen, bei dem das Foul zwei Meter außerhalb des Strafraums passierte. Der Video-Schiedsrichter löst nicht 100 Prozent die Fragen im Fußball, aber er hilft den Schiedsrichtern. Wir hatten genug Training für die Referees. Es wird ihnen helfen. Fehler können noch passieren, aber es ist eine Versicherung für die Schiedsrichter.“ Ein Baustein für Infantino, um eine reibungslose WM vorauszusagen.