Große Chance für Löw durch Neuers Unglück

Joachim Löw
Foto: Steindy / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
Joachim Löw
Foto: Steindy / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Als sich der Nationaltorwart den Mittelfußknochen brach, wusste niemand, wie lange die Verletzung dauern würde. Nun weiß man, dass jegliche Hoffnungen vergeblich waren, denn vollständig genesen ist Neuer noch nicht. Mit jedem verstrichenen Tag wird seine Teilnahme an der WM weniger wahrscheinlich. Doch gerade das eröffnet wichtige Chancen für Deutschland.

Das große Thema ist der Mittelfuß der Nation und gleichermaßen ist es eine persönliche Tragödie. Seit einigen Tagen scheint es fast schon sicher zu sein, dass die Deutsche Nationalmannschaft auf eine äußerst wichtige und nahezu unumstößliche Konstante verzichten wird.

Zu viele Faktoren spielen hier eine Rolle: der leidige Mittelfuß des Nationaltorhüters Manuel Neuer, der schwierige Heilungsprozess, das nicht Kalkulierbare, die unzweifelhaft überragenden Fähigkeiten – Joachim Löw wird wahrscheinlich, sofern der 32-Jährige nicht rechtzeitig und 100-prozentig gesund werden sollte, Neuer nicht von der ersten Spielminute in hitzige Gefechte werfen können. Es ist wichtig, dass im Tor ein Spieler steht, der sich nicht im Wankelzustand befindet. Für solche Entscheidungen ist Löw pragmatisch und verantwortungsbewusst genug. Wie genau das Vorgehen aber aussehen wird, kann noch niemand prognostizieren. Leise Hoffnungen gibt es noch, dass Manuel Neuer es trotzdem in die Start-Elf schafft.

Doch man kann die Dinge, selbst wenn sie so schlecht zu stehen scheinen wie jetzt, trotzdem von einer positiven Seite sehen. Denn die Tatsache, dass ein Einsatz von Manuel Neuer bei der kommenden Fußball-WM, welche im Juni in Russland beginnen wird, fragwürdig ist, bietet auch gewissermaßen Chancen für den Bundestrainer. So muss er an einer besonders wichtigen Stelle der deutschen Mannschaft etwas nachjustieren, ohne dass es zu einer deutlichen Verminderung der Qualität kommt. Marc-André ter Stegen zählt zur absoluten Weltklasse, aktuell bestimmt auf Augenhöhe mit Neuer, in Barcelona trainiert, stark gewachsen, vielleicht sogar der beste in seiner Zunft.

Penetrante Goldpokalgier könnte Löw helfen

Es gehört definitiv etwas Risikobereitschaft dazu, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Denn ter Stegen hat noch niemals bei einer Weltmeisterschaft gewonnen, er hat noch niemals den Weltpokal halben und in den Himmel strecken dürfen. Aber genau hier liegt der Knackpunkt, an dem Löw im Trainingslager in Südtirol ansetzen kann. Es wird darum gehen, den Kampfgeist in der neuen deutschen Startelf zu wecken: ein unbändiges Verlangen nach dem Meistertitel muss her – eine fast schon penetrante Goldpokalgier sowie die unstillbare Lust, es allen zu zeigen, könnte die richtige Strategie sein.

Experten gehen davon aus, dass einzig und allein diese Titelgier eine Mannschaft stark genug prägen und somit durch das kommende Turnier zu Höhenflügen verleiten kann. Basierend darauf wird Löw vielleicht einen sehr harten Schnitt vollziehen müssen. Es könnte notwendig werden, den WM-2014-Torschützen Götze und dessen Helfer Schürrle bei der Kaderbesetzung unberücksichtigt zu lassen, weil gerade ihnen die Qualität der Gier fehlt und beide nur ungenügende Ergebnisse bei Dortmund zeigten.

Der vorläufige DFB-Kader kommt am 15. Mai

Das spannende Unternehmen der Titelverteidigung und des fünften Sterns beginnt schon am 15. Mail mit der Bekanntgabe der vorläufigen WM-Aufstellung. Schon an diesem Tag wird deutlich spürbar und sichtbar sein, wie motiviert und ambitioniert das deutsche Team und allen voran Bundestrainer Löw die Herausforderung angehen wollen