Gruppe D: Kroatien schlägt schwaches Nigeria souverän

Afrikanische Mannschaften präsentieren sich zum Start von Weltmeisterschaften oft als Wundertüten. Starke Einzelspieler, doch wie funktionieren sie als Kollektiv? Eine aufregende Offensive, doch hält die Defensive den Sturmläufen den Rücken frei? Wie ist die Balance im Team? Nigeria ließ zum Auftakt fast alles vermissen, was man sich von afrikanischen Mannschaften im Bestfall erhofft. Und Kroatien wusste dies ohne großen Glanz, dafür abgeklärt und routiniert zu nutzen. 

Sehr offensiv ging die kroatische Elf von Nationalcoach Zlatko Dalic in die Auftaktbegegnung gegen Nigeria. Vor der Doppelsechs, die mit Modric und Rakitic selbst schon einiges an Offensivpotential bereithielt, agierten mit Perisic links, Kramaric von der TSG Hoffenheim auf der 10, Eintracht Frankfurts Pokalheld Ante Rebic auf dem rechten Flügel und der Ex-Münchner und -Wolfsburger Mandzukic in der Spitze vier Angreifer. Nigeria unter seinem deutschen Coach Gernot Rohr versuchte diesem Ansturm unter anderem mit dem Deutsch-Nigerianer Leon Balogun von Mainz 05 in der Innenverteidigung Stand zu halten.

Die offensiven Aufstellungen schlugen sich aber nicht wirklich auf das Geschehen auf dem Platz nieder. Die kampfstarken Nigerianer verstanden es, die kroatische Schaltzentrale um Modric und Rakitic aus dem Spiel zu nehmen. Hatten sie dann aber selbst den Ball, war auch bei den Super Eagles vor allem Ideenlosigkeit zu erkennen. Kroatien kam wenn dann über Außen gefährlich zu Abschlüssen. So war es wenig verwunderlich, dass in der ersten guten halben Stunden lediglich Perisic und Rebic gefährlicher auf das vom erst 19-Jährigen Francis Uzoho gehütete nigerianische Tor schossen.

Eigentor und Elfmeter: Kroatiens 2:0 ohne Glanz

Im Anschluss an die Rebic-Chance zappelte der Ball dann aber in der 33. Minute doch im Tor der Afrikaner. Und das denkbar unglücklich für Nigeria. Eine kroatische Ecke verlängerte Rebic am ersten Pfosten. Der kopfballstarke Mandzukic warf sich in die Kugel und bugsierte sie Richtung Tor. Gefährlich wurde der Ball aber nur, weil er Etebo an der Hacke traf. Vom Fuß des bis dahin besten nigerianischen Spielers, der die Partie im zentralen Mittelfeld zu ordnen versuchte, kullerte das Spielgerät zum kroatischen Führung in die Maschen. Wie harmlos die Super Eagles aber vor und nach dem Gegentor selbst agierten, zeigt, dass erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit Lovren die gefährlichste Aktion, einen Iwobi-Schuss in Folge einer Ecke, blocken musste.

Auch in der zweiten Halbzeit wurden die Super Eagles nicht zwingender, auch wenn gerade Victor Moses vom FC Chelsea über rechts mehr Betrieb machte. Kroatien verteidigte das Geschehen ohne große Mühen und sehr souverän. In der 71. Minute wurde die Partie dann entschieden. Eine weitere kroatische Ecke wurde hereingetreten und Ekolo versuchte sich gegen Mandzukic im griechisch-römischen Ringkampf. Eine dumme Aktion des Verteidigers. Vollkommen zu Recht deutete Schiedsrichter Ricci auf den Punkt. Modric schnappte sich die Kugel und verwandelte souverän. Genauso eiskalt brachten die Kroaten den nie wirklich gefährdeten Sieg über die Zeit. Da Argentinien gegen Island nicht über ein Unentschieden hinauskam, springt Kroatien mit diesem Ergebnis an die Spitze der Gruppe D.