Gündogan bezieht Stellung zu Erdogan-Treffen: „Erfahrung, die nicht leicht war“

WM 2018
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Nun bricht Nationalspieler Ilkay Gündogan (27) sein Schweigen. Nachdem ein Treffen von Gündogan und Mesut Özil (29) mit dem höchst umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hohe Wellen geschlagen hatte, hatten die beiden Spieler zunächst geschwiegen. Beim DFB-Medientag bezog Gündogan nun ausgewählten Journalisten gegenüber Stellung.

Gündogan kam im Rahmen des Medientages der deutschen Nationalmannschaft in Eppan (Südtirol) nicht mehr um das Thema Erdogan herum. Während Kollege Özil als einziger Nationalspieler fehlte, reagierte Gündogan auf die Kritik aus Deutschland. „Die Reaktionen haben mich getroffen, vor allem auch die persönlichen Beleidigungen“, so der Profi von Manchester City. Er sei der Meinung, „dass einige Vorwürfe, die jetzt gegen Mesut und mich aufgekommen sind, nicht zu 100 Prozent stimmen“. Gündogan wurde auch gefragt, ob er das gemeinsame Foto mit Erdogan nun als Fehler betrachte. „Das war eine Erfahrung, die im Nachhinein betrachtet nicht leicht war“, so die eher etwas schwammige Antwort.

Ilkay Gündogan wies allerdings auch darauf hin, dass „alle türkisch-stämmigen Fußballer aus der Premier League“ zu der Veranstaltung, bei dem auch die Fotos entstanden sind, eingeladen waren. Emre Can vom FC Liverpool, ebenfalls deutscher Nationalspieler (wenn auch nicht bei der WM dabei), war allerdings nicht erschienen.

„Ich verstehe, dass man die Aktion nicht gut finden muss. Ich bin immer offen für Kritik. Jeder Mensch hat seine eigene Meinung. Deshalb haben wir die Meinungsfreiheit. Dafür stehe ich. Genau dafür fühle ich mich privilegiert, in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein, aber beleidigen lassen will ich mich auch nicht“, so Gündogan. Für ihn sei es ein „tiefer Schlag“ gewesen, „so dargestellt zu werden, als seien wir nicht integriert oder würden nicht nach deutschen Werten leben. Wir haben nicht nur die türkische Seite aufgrund unserer Eltern und unserer Familien in uns. Wir sind in Gelsenkirchen geboren und aufgewachsen.“ Allerdings sei aufgrund der türkischen Wurzeln der „Bezug zur Türkei“ noch sehr groß. „Das heißt nicht, dass wir jemals behauptet hätten, Herr Steinmeier sei nicht unser Bundespräsident oder Frau Merkel nicht unsere Bundeskanzlerin. Deshalb war es auch nie ein Thema, ein politisches Statement zu setzen“, verteidigte sich Gündogan.

Gündogan will sich nicht verstecken

Mannschaftskollege Sami Khedira bestätigte nun außerdem, dass das Treffen mit Erdogan auch Thema innerhalb des deutschen Teams war. „Ich habe meine Meinung darüber, aber sie sind jetzt trotzdem nicht schlechtere oder bessere Menschen“, so der Weltmeister von 2014. „Ich beurteile sie danach, wie ich sie auf dem Platz und persönlich erlebe. Da haben sie sich nicht verändert“, so Khedira weiter. „Sie wissen schon, was sie gemacht haben und wie sie jetzt damit umzugehen haben.“

Beim 1:2 im Testspiel gegen Österreich hat es aus dem deutschen Block im Stadion in Klagenfurt Pfiffe gegen Gündogan und Özil gegeben. „Es macht natürlich etwas mit einem. Man ist ja Pfiffe von gegnerischen Fans gewohnt. Aber wenn die eigenen Fans pfeifen, ist es schwierig, damit umzugehen“, sagte Gündogan beim Medientag. „Warten wir mal ab, wie es in Leverkusen ist“, schob der Mittelfeldspieler noch nach. Am kommenden Freitag spielt die deutsche Nationalmannschaft im letzten Test vor dem Turnier in Russland gegen Saudi-Arabien. „Ich wünsche mir wieder Normalität, ich will mich nicht verstecken. Jeder hat einen eigenen Umgang mit der Situation. Jetzt will ich mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren“, betonte Gündogan.

Beim DFB-Medientag waren ausschließlich ausgewählte Journalisten von ARD, ZDF, DPA und SID zugelassen. Nachdem bei der Bekanntgabe des endgültigen deutschen WM-Kaders keine Journalisten-Fragen zugelassen waren, gab es viel Kritik in Bezug auf den DFB-Umgang mit den Medien.