Hummels Planspiele: Letzte WM, aber noch nicht letztes großes Turnier

Mats Hummels
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Ein Fußballprofi Anfang 20 hat noch so einiges vor sich, noch lange Zeit, seine großen Ziele zu erreichen. Deutlich wurde das etwa bei Julian Brandt, der es für keine Schande gehalten hätte, nicht mit zur WM in Russland zu fahren, oder bei Leroy Sanes humorvoller Reaktion nach seiner tatsächlichen Nicht-Nominierung. Nur ein paar Jahre später gegen Ende 20 planen Fußballer ihre Zukunft schon viel akribischer. Sie merken, dass ihre aktive Zeit nicht ewig weitergehen wird. So mittlerweile auch Mats Hummels. Der 29-Jährige machte sich vor der WM in Russland einige Gedanken zu seiner Zukunft, schließlich könnte dies seine letzte WM sein.

Der 63-fache Nationalspieler merkt, dass sein Körper mittlerweile ein anderer ist, als er es noch vor wenigen Jahren war. Gerade hohe Belastungen ohne Regenerationsphasen, wie sie internationale Turniere während des Sommers darstellen, schlauchen da schon mehr. „Meine realistische Vorstellung aktuell ist, noch eine EM zu spielen. Dann bin ich 31 und muss sehen, ob ich diesen Rhythmus beibehalten kann,“ meint Hummels. Gerade eine Europameisterschaft liegt dem Innenverteidiger noch am Herzen. „Ich werde also sicher nicht nach der WM zurücktreten, auch nicht, wenn wir den Titel verteidigen. Die Euro 2020 reizt mich, diesen Titel würde ich gerne gewinnen, nachdem wir ihn 2016 so unglücklich verpasst haben.“ Zuletzt hatte schon Joshua Kimmich gemeint, er könne sich nach der WM keine Rücktrittswelle vorstellen – außer Deutschland verteidige den Titel.

Hummels würde selbst dann seinen Hunger nicht verlieren. Doch für eine weitere WM nach Russland wird es beim Profi von Bayern München dennoch wohl nicht mehr reichen. „Bei der WM 2022, die im Winter stattfindet, werde ich schon 34 sein. Da kann ich es mir aktuell nicht vorstellen, dass ich da noch das Niveau oder diese Kraft habe, den Rhythmus durchzuziehen.“ Die Strapazen, die der Wüstenstaat für Fußballer darstellen wird, sind ebenfalls noch gar nicht abzusehen. Und ob man einen Karriereabschluss in einem Land ohne große Fußballtradition und -kultur will, ist ebenfalls zweifelhaft.

Hummels: Karriereende bei Bayern? „Nicht auf Teufel komm raus noch mal ins Ausland.“

Doch nicht nur nach vorne, auch zurück blickt Hummels im großen Interview mit der SportBild. Unter anderem zu seinen geplatzten Wechseln ins Ausland 2015 und 2016. „Ich hatte diese Gedanken auch, war unter anderem 2015 eng mit Manchester United im Austausch. Damals war ich kurz davor, ins Ausland zu gehen. 2016 gab es auch verschiedene Möglichkeiten. Es wäre nicht richtig zu sagen, dass ich mich nicht damit beschäftigt habe.“ Doch schlussendlich klappte es nie mit einem Transfer in eine andere Liga. So verschlug es ihn von Borussia Dortmund zurück in seine Heimat München. „Aber wir sind einfach nie zusammengekommen. Ich muss aber auch nicht auf Teufel komm raus noch mal ins Ausland.“ Eine längere Zukunft, vielleicht sogar das Karriereende, beim FC Bayern erscheint also zumindest möglich.

Der bodenständige Hummels erkennt folglich auch in dem aktuellen Wechsel-Hickhack um Robert Lewandowski und dessen Berater „keine große Dramatik“. Der deutsche WM-Fahrer dazu: „Wenn die Bosse sagen, dass er bleibt, bleibt er. Wenn die Bosse sagen, er will die neue ‚Herausforderung‘, und wir gönnen sie ihm, dann schauen wir mal, was passiert. Aber das verfolge ich sehr relaxed.“ Relaxed wie so vieles, auch seine eigene Zukunft.