Ilkay Gündogan: Ich bin immer noch dankbar für Deutschland zu spielen

Ilkay Gündogan
Foto: Dirk Vorderstraße / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Pfiffe gegen Gündogan während des vergangenen Spiels gegen Saudi-Arabien zeigten beim 27-Jährigen offenbar Wirkung. Der Manchester-City-Profi reagierte jetzt mit einer emotionalen Antwort.

Das Leiden des Nationalspielers Gündogan war fast schon mit Händen greifbar, als die Fans ihn auspfiffen – bis zur letzten Minute des Spiels gegen Saudi-Arabien. Gündogan, ein 27-jähriger deutscher Fußballer mit türkischen Wurzeln, der am 13. Mai einen gewaltigen persönlichen Fehler beging. Ein Mann, dem viele seiner Fans offenbar noch nicht verzeihen können, dass er an diesem Tag in London den türkischen Staatschef Erdogan traf, sich mit ihm ablichten ließ und ihm sogar ein signiertes Trikot seines Klubs überreichte: „Hochachtungsvoll, für meinen Präsidenten.“

Nach dem vergangenen Testspiel (2:1) und der letzten Bewährungsprobe vor der WM in Russland reagierte Gündogan nun mit viel Demut auf die erhaltenen Pfiffe. So twitterte der gebürtige Gelsenkirchener vergangenen Samstag, er sei „immer noch dankbar, für Deutschland zu spielen“.

Dazu lud Gündogan auch ein Foto hoch, das ihn am Freitag Abend nach dem Sieg im Kreis seiner Mannschaftskollegen bei einer kleinen Ehrenrunde zeigt. Dabei applaudiert der 27-Jährige den Leverkusener Fans.

„Es hat schon geschmerzt“, sagte auch der Bundestrainer Löw sichtlich betroffen von der massiven Abneigung der Fans, die Ilkay Gündogan nach seiner Einwechselung in der 57. Minute ertragen musste. Bei einem Foul gegen ihn kam es sogar zu Jubelschreien.

Löw fürchtet nun, dass diese Affäre die ohnehin schon historisch schwere Titelverteidigung in Russland überschatten könnte. „Eine Mannschaft lebt auch davon, dass die Fans ihre Spieler unterstützen“, klagte er. Nach dem Schlusspfiff habe Gündogan wie ein begossener Pudel in der Kabine gesessen. Auch Özil, welcher in Leverkusen nicht eingewechselt wurde, blieb von dem Thema nicht unberührt.

Umso mehr strengten sich die Beteiligten an, die ganze Sache endlich zu beenden. So fragte sich Löw, was denn Gündogan, der sich anders als Özil bereits ausführlich zum Treffen mit Erdogan geäußert hatte, jetzt noch tun solle. „Wir müssen unseren Blick nach vorne richten. Wir werden eine Weltmeisterschaft spielen, in der es um die Titelverteidigung geht. Da sind alle Kräfte gefordert!“

Wie viel Druck das unliebsame Thema die Mannschaft und den Verband beschäftigt, konnte man schon vor dem Anpfiff merken. So schimpfte DFB-Direktor Bierhoff live im Fernsehen über die Bericht erstattenden Medien, die den Erdogan-Fall täglich wieder aufwärmen, weil ihnen keine anderen Themen mehr bleiben. Er sagte: „Hört auf, darüber zu reden und konzentriert euch lieber auf den Sport!“ Kurz darauf verspottete eine Münchener Zeitung den Teammanager als „DFB-Sultag Bierdogan“.

Auch Stürmer Gomez übte Fankritik. „Jeder im Stadion möchte, dass wir Weltmeister werden. Einzelne Spieler niedermachen ist da kurz vor der WM ein schlechter Ratschlag“, äußerte der Torjäger. „Wollen wir wirklich Weltmeister werden, benötigen wir Mesut und Ilkay.“ Reus, der als einziger Lichtblick an diesem Abend galt, betonte: „Auf jeden Fall wollen wir wieder Meister werden, dafür braucht man so ein Störfeuer nicht. Auf die Weise kommen wir dem Ziel kein Stück näher.“

Nun darf man gespannt sein, ob Gündogans Tweet einige der negativen Emotionen einfachen kann oder ob die Affäre rund um Erdogan auch bei der Meisterschaft in Russland wie eine dunkle Wolke über der deutschen Nationalmannschaft schweben wird.