Keine Lust auf Doping-Reporter: Russland verweigert Hajo Seppelt die Einreise

WM 2018
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Dem ARD-Reporter Hajo Seppelt (55) ist die Einreise nach Russland zur Fifa Weltmeisterschaft 2018 verboten worden. Ein Paukenschlag! Seppelt war es, der das flächendeckende Doping im Land aufgedeckt hatte. Die ARD wehrt sich nun in aller Deutlichkeit und prangert die Entscheidung an.

Seppelt wollte zur Weltmeisterschaft (14. Juni bis 15. Juli) als Experte der ARD nach Russland reisen. Die Reise wurde nun gestrichen. „Ich bin vom Vize-Konsul der russischen Vertretung am Feiertag angerufen worden“, so der Journalist gegenüber „BILD“. „Der sagte mir: Es täte ihm leid, aber das auf dem Weg befindliche Visum sei ungültig. Ich würde auf einer Liste von unerwünschten Personen stehen, der die Einreise verweigert wird.“

Die ARD wehrt sich nun in einer Mitteilung und bezeichnet die Entscheidung als „einmaligen Vorgang in der Geschichte des ARD-Sportjournalismus und im Hinblick auf die Berichterstattung über Großereignisse wie die Fußball-WM als beispiellosen Eingriff in die Pressefreiheit.“ Volker Herres (60), Programmdirektor der ARD sprach von einem Zeichen, dass man im Land des WM-Gastgebers „unangenehmen Themen gegenüber lieber die Augen verschließt.“

Für die ARD und Seppelt bestehe kein Zweifel daran, dass die Einreiseverweigerung im Zusammenhang mit Seppelts Enthüllungen der Doping-Vergehen steht. Seppelt erhofft sich nun, dass der Weltverband Fifa klar Stellung beziehen wird. „Offenkundig hat die Aufdeckung des Staatsdoping-Systems so große Tragweite, dass Russland glaubt, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen. Das spricht für sich“, so der ARD-Experte. „Für mich ist das ein beispielloser Vorgang. Es geht dabei nicht um mich, sondern um die vorher vertraglich zwischen dem Staat und dem obersten Verband wie der Fifa vereinbarte Zusage einer freien Berichterstattung, die für alle Medienvertreter gilt“, so Seppelt im „BILD“-Interview.

Seppelt machte sich mit schonungslosen Recherchen viele Feinde

Hajo Seppelt veröffentlichte 2014 den Film „Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht“, der für großes Aufsehen sorgte und auch Konsequenzen nach sich zog. Mehrere Verantwortliche mussten in Russland ihren Hut nehmen. Es folgten weitere Beiträge, in denen es auch um die Verflechtung mit dem Internationalen Olympischen Komitee ging. Seppelt berichtete auch vor dem Olympischen Winterspielen in Südkorea über das mutmaßliche Staatsdoping in Russland.

Seppelt ist bereits seit 1985 als Sportreporter für die ARD und den WDR tätig. Seit einigen Jahren berichtet er immer wieder über systematisches Doping in Russland. Eine Reportage führte 2017 auch zu einem Eklat mit dem Fußball-Experten Mehmet Scholl (47). Scholl wollte nicht, dass ein Beitrag Seppelts über Doping vor einer Übertragung eines Confed-Cup-Spiels in der ARD gezeigt wird. Der damalige Experte verließ aus Protest das Studio. Seitdem ist Scholl nicht mehr für die ARD tätig.

2016 gewann Seppelt den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Die Jury befand, dass der Journalist „Licht ins Dunkel mächtiger internationaler Dopingnetzwerke“ bringt, trotz „heftigem Widerstand von internationalen Sportorganisationen, Funktionären und Verkäufern glitzernder Großereignisse.“

Ob nun ausgerechnet die Fifa eingreift, um Seppelt die Einreise zu ermöglichen, erscheint zumindest fraglich. Russland musste im Rahmen der WM immer wieder Kritik einstecken – das Fifa-Präsidium stellte sich meist vor die Organisatoren und auch Präsident Putin.