Koulibaly bringt Spannung zurück in die Serie A

WM 2018
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Wovon schon fast nicht mehr auszugehen war, ist nun doch eingetreten. Juventus Turin hat die Vorentscheidung im italienischen Meisterschaftsrennen im direkten Duell gegen die SSC Napoli verpasst. Mit 0:1 verloren die Bianconeri im heimischen Juventus Stadium gegen den einzig verbliebenen Kontrahenten um den Scudetto. Das goldene Tor erzielte Neapels Abwehrturm Kalidou Koulibaly nach einer Ecke hoch in der Luft stehend mit einem wuchtigen Kopfball. Napoli liegt mit einem Punkt Rückstand wieder in Schlagdistanz zur Alten Dame aus Turin. 

Juventus hätte in dieser Begegnung gegen den letzten verbliebenen Verfolger ein Unentschieden gereicht, um die Meisterschaft praktisch zu sichern. Vier Punkte betrug der Vorsprung der Nord- auf die Süditaliener vor der Partie. Und das war Juve auch anzumerken. Ebenso wie Napoli, dass sie den Sieg brauchten. Zumindest in der Anfangsphase. Denn die Himmelblauen starteten druckvoll, schnürten Juve in der Anfangsphase mit forschem Pressing hinten ein.

Klare Torchancen sprangen dabei aber nicht heraus. Und nach 15 Minuten gelang es Juventus das Spiel zu beruhigen. Von da an entspann sich ein ausgeglichenes Duell auch hohem taktischen, aber eher drögem spielerischen Niveau. So ging es auch mit 0:0 in die Pause. Als Highlights der ersten 45 Minuten müssen auf Seite der Turiner ein an den Außenpfosten abgefälschter Pjanic-Freistoß sowie ein Higuain-Abschluss nach der folgenden Ecke herhalten. Bei Napoli senkte sich eine verunglückte Rui-Flanke gefährlich aufs Tor, so dass Gigi Buffon eingreifen musste. Die größte Chance vergab Marek Hamsik freistehend im 16er.

Die beiden Offensiv-Hoffnungen Dybala und Mertens, die schon in den letzten Wochen in schwacher Form waren, wurden zu Beginn der zweiten Hälfte, beziehungsweise im Laufe derer ausgewechselt. Mehr Schwung brachten aber auch diese Wechsel nicht ins Spiel. Die zweiten 45 Minuten plätscherten vor sich hin. Neapel war bemüht, verzeichnete viele Ballgewinne, fand aber keinen Weg durch die destruktive Juve-Taktik. Ein Happy End gab es für die Mannschaft vom Vesuv aber trotzdem noch. Callejon drehte in der Schlussminute eine Ecke vom Tor weg, Koulibaly entwischte Bewacher Benatia, schraubte sich unwiderstehlich hoch und köpfte wuchtig an Buffon vorbei in die Maschen.

Ausgerechnet Koulibaly: Statt Abgang im Sommer jetzt der Scudetto?

Kalidou Koulibaly sorgt also dafür, dass wieder Spannung ins italienische Meisterrennen einkehrt. Und einmal mehr muss ein im Fußball inflationär benutzter Ausdruck herhalten: ausgerechnet Koulibaly. Denn im vergangenen Sommer wollte der Senegalese Napoli schon unbedingt verlassen. Der FC Chelsea war das erklärte Ziel des hochveranlagten Innenverteidigers. Doch Neapels Präsident de Aureliis stellte sich stur und lies keinerlei Verhandlungen zu. Zu Recht, wie sich in dieser Saison einmal mehr zeigte. Nicht nur hält Koulibaly die Defensive zusammen, sondern zeichnet sich auch Offensiv durch Gefahr aus. Der Treffer gegen Turin war bereits sein fünfter Serie-A-Treffer in diesem Jahr.

Bevor es für den 26-Jährigen also im Sommer mit dem Senegal zur WM geht, hat er sich und seinen Teamkollegen die Möglichkeit erhalten, endlich den lange ersehnten Scudetto wieder in den Süden zu bringen. Das Restprogramm spricht dabei für Napoli. Denn Juventus Turin muss noch auswärts bei Inter Mailand und AS Rom antreten. Beide Gegner kämpfen noch um den Champions League Einzug. Punktet Napoli weiter konstant darf sich die Alte Dame durch die gestrige Niederlage keine weiteren Punktverluste erlauben, möchte sie den siebten Meisterschaftstitel in Folge einfahren.