Marokko: Heißer Kampf um den Platz zwischen den Pfosten

WM 2018
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Jedes starke Team braucht einen starken Rückhalt im Tor. Und die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften. Das wären zusammen sechs Euro ins Phrasenschwein. Doch in diesen angeblich so leeren Fußballweisheiten steckt doch ein Kern Wahrheit. Und dieser zeigt, welche herausragende Rolle ein Torhüter einnimmt. Gerade in kurzen, intensiven Turnieren wie einer Weltmeisterschaft. Fast jedes Spiel ist ein Endspiel. Und an in starker Form, kann ein Torhüter allein ein ganzes Team tragen. Man denke nur an Oliver Kahn 2002, der Deutschland praktisch im Alleingang ins Finale führte. So versteht man die Tragweite der Entscheidung, wer bei Marokko im Tor stehen wird: Munir oder Bono?

Favorit auf den Platz zwischen den Pfosten ist Munir. Denn während der erfolgreichen Qualifikation von Marokko für die WM stand der 29-Jährige in allen acht Partien zwischen den Pfosten. Und das mehr als sicher. Denn nur ein einziges Mal musste der Profi des spanischen Zweitligisten CD Numancia hinter sich greifen. Und das in einer Qualifikationsgruppe mit offensivstarken Gegnern wie Gabun, der Elfenbeinküste und Mali. Die Abstimmung zwischen dem Keeper und seinen Vorderleuten in der Defensive von Marokko, wie Juventus Turins Verteidiger Mehdi Benatia, scheint bestens zu funktionieren.

Doch weniger gut als in der Nationalmannschaft läuft es für den 24-maligen Nationalspieler bei seinem Verein CD Numancia in der spanischen zweiten Liga. Dort ist er nämlich nur Ersatzmann. Lediglich in der Copa del Rey kam er in dieser Saison auf fünf Einsätze, bei denen er insgesamt acht Gegentore kassierte.

Schafft Bono noch den Sprung ins Tor von Marokko?

Ganz anders läuft es für den zweiten Spanien-Legionär im Kampf um die Nummer 1 in der marokkanischen Nationalelf, Yassine Bounou, kurz Bono genannt. Er steht für den FC Girona in der ersten spanischen Liga zwischen den Pfosten und ist einer der Gründe, dass Girona zur großen Überraschung aller nie Abstiegssorgen litt und auf einem einstelligen Tabellenplatz rangiert.

Marokkos Co-Trainer und Spielerlegende Mustafa Hadji lobt beide Torhüter über den grünen Klee. „Mit allem gebührenden Respekt den Torhütern, mit denen ich zusammengespielt habe, Munir und Bounou sind meiner Meinung nach die besten Torhüter, denen ich über den Weg gelaufen bin. Ich hätte es geliebt, zwei Torhüter ihrer Qualität an meiner Seite gehabt zu haben, während meiner Tage als aktiver Spieler.“

Und dennoch kann am Ende des Tages nur einer spielen. Alles deutet auf Munir hin, der sich bei seinen Einsätzen für Marokko nichts zu Schulde kommen ließ, ganz im Gegenteil. Und sollte auch bei der WM die Entscheidung pro Munir von Herve Renard, dem Nationaltrainer von Marokko, so Bestand haben, wird Bono damit umgehen müssen. „Natürlich ist es frustrierend nicht zu spielen, vor allem, wenn die Weltmeisterschaft immer näher rückt,“ gibt Bono offen und ehrlich zu. „Für mich ist es eine schwere Zeit emotional. Aber diese Dinge können geschehen, wenn man ein Profi ist. Und dann muss man einfach damit zurechtkommen.“