„Messi wird eine Waffe an den Kopf“ gehalten – Sampaoli über den Druck einer ganzen Nation

Lionel Messi
Foto: Олег Дубина / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Der argentinische Nationaltrainer Jorge Sampaoli hat die erneut riesigen Erwartungen an Superstar Lionel Messi kritisiert. Der 58-Jährige hat drastische Zeilen in ein Buch über seine Ideen zur Fußball-Kultur gepackt, das im April erscheinen wird. Auszüge daraus sind nun in der argentinischen Zeitung „Clarin“ vorab veröffentlicht worden.

„Messi wird eine Waffe an den Kopf gehalten, die Weltmeisterschaft heißt. Und wenn er die WM nicht gewinnt, wird ihn die Waffe umbringen“. So heißt es in Sampaolis Buch. Demnach sei der Druck auf den fünffachen Weltfußballer gigantisch groß. Den Weltmeister-Titel konnte Lionel Messi mit der argentinischen Nationalmannschaft bislang nicht gewinnen. 2006 und 2010 schied das Team im Viertelfinale gegen Deutschland aus. 2006 war Messi allerdings noch Ersatzmann. 2010 setzte ihn der damalige Trainer Diego Maradona falsch ein. Bei der WM 2014 führte ein starker Messi die Mannschaft bis ins Finale. Wie bei den Turnieren zuvor verlor Argentinien erneut gegen Deutschland. Lionel Messi wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt, war nach der Niederlage allerdings untröstlich.

Selbst die „Copa America“ konnte Messi mit der Nationalmannschaft noch nicht gewinnen. Zuletzt scheiterte das Team zwei Mal im Finale. Nach der letzten Niederlage hatte Messi sein Karriereende in der Nationalelf angekündigt. Erst nachdem sich beinahe das ganze Land eingeschaltete hatte, überlegte es sich Messi nochmals anders. Sampaoli meint zu wissen, wie sehr dem 30-Jährigen der Druck nun aber zu schaffen macht. „Dieses ganze Negative rund um den internationalen Fußball schadet ihm. Das Ergebnis davon ist, dass er sein Talent gar nicht genießen kann“, so der Coach.

Lionel Messi soll alle Freiheiten bekommen

Sampaoli möchte die Fehler seiner Vorgänger vermeiden und den Superstar mit allen Freiheiten ausstatten. „Leo muss so spielen, wie er es für seinen Klub tut. Ihn in ein anderes System zu pressen, wäre verrückt. Ich fühle im Moment, dass ich den besten Spieler der Geschichte trainiere. Er spielt seit zehn Jahren auf dem höchsten Niveau“, so Sampaoli. Bereits nach der erfolgreichen, aber knappen Qualifikation für die WM in Russland hatte Sampaoli öffentlichkeitswirksam gesagt: „Der Fußball schuldet Lionel Messi eine Weltmeisterschaft“.

Beim Turnier im Sommer spielt Argentinien in Gruppe D gegen Kroatien, Nigeria und Island. Das Team zählt neben Deutschland, Brasilien, Frankreich, Belgien und Spanien zum Kreis der Favoriten. Lionel Messi hat bislang 121 Länderspiele für Argentinien bestritten. Dem Dribbler gelangen dabei 61 Tore und 42 Vorlagen.