Nach den heftigen Pfiffen gegen Gündogan: Mannschaft steht ihm bei

WM 2018
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Nicht nur sportliche Probleme nimmt der deutsche Bundestrainer Joachim Löw mit nach Russland. Beim 2:1-Sieg im letzten Test vor der WM gegen Saudi-Arabien, wurde Nationalspieler Ilkay Gündogan (27) vom Leverkusener Publikum ausgepfiffen. Nun bekommt der Mittelfeldmann Rückendeckung aus dem Team.

Als Ilkay Gündogan in der 57. Minute den Rasen in der BayArena betrat, wurde er von den eigenen Fans gnadenlos ausgepfiffen. Nicht nur bei der Einwechslung, in der Folge auch bei jedem Ballkontakt. Das Foto mit Türkei-Präsident Erdogan wurde ihm nicht verziehen. Mesut Özil (29), ebenfalls beim Treffen mit Erdogan dabei, fehlte beim Testspiel gegen Saudi-Arabien.

„Es hat mich schon geschmerzt“, so Bundestrainer Joachim Löw, der vergeblich versuchte, das Publikum zum Klatschen zu animieren. „Eine Mannschaft lebt davon, dass jeder Spieler unterstützt wird. Wenn ein Nationalspieler so ausgepfiffen wird, von der Einwechslung über alle Aktionen bis zum Ende, gefällt mir das nicht. Ich kann es auch schwer nachvollziehen, dass es so ist.“ Löw bezog deutlich Stellung und stellt sich nun schützend vor Gündogan: „Er hat sich mehrfach den Medien gestellt, hat sich erklärt, auch seinen Mitspielern, dass er sich absolut mit den Werten identifiziert, die wir hier leben. Dass er keine politische Botschaft senden wollte.“

Auch der wortstarke Weltmeister Mats Hummels (29) sprang seinem Kollegen zur Seite: „Wir reden ja nicht davon, dass sich zwei Leute seit Jahren irgendwelche Ausfälle leisten, sondern sie haben eine Aktion gemacht, die bei vielen nicht gut ankommt. Aber ich denke, wenn man zu einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft geht, und da sind zwei Spieler, die schon oft für uns gespielt haben, dann finde ich das irgendwie nicht so glücklich. Wir hatten eine tolle Atmosphäre im Stadion, es wurde viel gejubelt. Mit dem Einsetzen der Pfiffe wurde das komplett eingestellt. Das finde ich schade, weil der ganze Fokus von außen nur noch darauf lag, darauf zu warten, bis Ilkay den Ball hat – und dann zu pfeifen.“

„Pfiffe schaden der Mannschaft“ – Gündogan erhält Unterstützung

Stürmer Mario Gomez (31) versucht nun den Fokus auf das gemeinsame Ziel Weltmeisterschaft zu richten: „Ab jetzt bitte ich die Leute einfach darum, daran zu denken, dass wir Weltmeister werden wollen. Dafür brauchen wir den Illy, dafür brauchen wir den Mesut. Es sollte nicht versucht werden, das Ding weiter zu spalten, sondern versucht werden, da wieder eine Brücke zu bauen, damit man wieder mit ganz anderen Gedanken in die WM gehen kann.“

Auch der wiedergenesene Kapitän Manuel Neuer (32) unterstützte Gündogan in den Interviews nach dem Spiel: „Wir haben Ilkay gut zugesprochen und gesagt, dass er wichtig für uns ist, wir auf sein Können angewiesen sind. Ich fand es gut, dass Ilkay sich gestellt hat. Wir wissen, dass er 100-prozentig zum Team steht. Diese Pfiffe schaden der Mannschaft.“

Auch sportlich lief es beim 2:1 gegen Saudi-Arabien noch nicht rund. Die Generalprobe vor dem ersten WM-Match gegen Mexiko (17. Juni) verlief also äußerst mäßig. Außerdem könnte die Stimmung in der Heimat besser sein. Gündogan spielte bei Manchester City eine äußerst starke Saison (49 Pflichtspiele, 6 Tore, 7 Vorlagen). Der Nationalmannschaft konnte der Deutsch-Türke seinen Stempel noch nicht nachhaltig aufdrücken (26 Länderspiele, 4 Tore, 4 Vorlagen).