Nach Nichtnominierung: Sandro Wagner tritt aus Nationalelf zurück

Sandro Wagner
foto2press

Sandro Wagner tritt mit sofortiger Wirkung aus der Nationalelf zurück. Der extrovertierte, teils über die Maßen selbstbewusste Stürmer schließt aus seiner Nichtberücksichtigung für den vorläufigen deutschen WM-Kader, dass sein Typ, mit Ecken und Kanten, von Bundestrainer Joachim Löw in der Nationalmannschaft nicht erwünscht ist. Anstatt Sandro Wagner nominierte Löw etwas überraschend den Freiburger Nils Petersen.

„Mein Job ist es manchmal auch, Träume platzen zu lassen,“ schätzte Joachim Löw seine Aufgabe im Rahmen der Bekanntgabe des vorläufigen Kaders der deutschen Nationalmannschaft für die WM 2018 in Russland ganz richtig ein. Einer, dessen Traum bei der WM dabei zu sein und der sich im Vorfeld so sicher war, dass dies auch eintreten werde, war Sandro Wagner. In den letzten Wochen und Monaten verkaufte er sich selbst immer wieder lautstark als sicheren WM-Fahrer und unverzichtbare Alternative.

Aus der Nicht-Nominierung zog der 30-Jährige unmittelbar seine Konsequenzen. „Ich trete hiermit sofort aus der Nationalmannschaft zurück,“ verkündete der streitbare Angreifer. Somit kommen seinen acht Länderspielen (fünf Tore) keine weiteren hinzu. Im Winter war Wagner von der TSG Hoffenheim zum FC Bayern München gewechselt. Viele Experten sahen darin einen Nachteil im Rennen um ein WM-Ticket. Doch als Back-Up von Robert Lewandowski kam der deutsche Stürmer zu überraschend vielen Spielanteilen und zeigte starke Leistungen.

Wagner sieht keine sportlichen Gründe für Nicht-Nominierung

Für den vorläufigen 27-Mann-Kader, mit dem Joachim Löw die WM-Vorbereitung bis zum 4. Juni angeht, hat es dennoch nicht gereicht. Sportliche Gründe sieht Sandro Wagner dafür nicht verantwortlich. „Für mich ist klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam zusammenpasse,“ wirft Wagner Löw vor nicht nach dem Leistungsprinzip zu handeln. „Meinen Jungs wünsche ich nur das Beste in Russland und hoffe, dass sie als Weltmeister zurückkommen,“ drückt der zuhausegelassene Stürmer seine weitere Unterstützung für seine ehemaligen Nationalmannschaftskameraden aus.

Dennoch geht dem 30-Jährigen, der oft wirkt als würde er über den Dingen stehen, die Nicht-Nominierung nahe. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht enttäuscht bin. Die WM wäre eine tolle Sache gewesen.“ Doch die ist für ihn seit vorgestern geplatzt. Dass Wagner seine selbstbewusste Art damit verliert, braucht aber niemand ernsthaft annehmen. „Ernst nehmen kann ich das natürlich nicht, aber wie ich schon oft gesagt habe, gibt es weitaus wichtigere Dinge im Leben außer Fußball.“ Im Sommer dann erst einmal entspannten Urlaub und Regeneration.