Nils Petersen zwischen Lockerheit und Wachsamkeit

WM2018
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Zuletzt bewies der überraschend in den deutschen Kader berufene Nils Petersen Empathie mit seinem Stürmerkollegen Sandro Wagner. Der eigentlich als Favorit ins Kaderrennen gegangene Münchner zeigte sich von seiner Nichtberücksichtigung schwer enttäuscht. Nun lässt Petersen in Südtirol vor der versammelten Presse auch noch Lockerheit und Witz erkennen. Zur WM wird ihn das natürlich alleine nicht bringen. Aber dennoch sind Bundestrainer Joachim Löw auch immer die menschlichen Komponenten bei seiner Kaderzusammenstellung wichtig. Petersen konnte da schon einmal gut punkten. 

Der Überraschungsgast im Kreis der Nationalelf im Südtiroler Vorbereitungslager Nils Petersen fasst sein Mitwirken genau richtig auf: als große Chance, nicht als Druck oder Hemmschuh. Nicht einmal der Umstand, dass Panini ihn bei der Erstellung ihres Stickeralbums für die WM-Endrunde übergangen hat, kann dem Freiburger die Laune vermiesen. „Ich werde meinen Freunden sagen, sie sollen ganz viele Tüten kaufen, vielleicht ist ja irgendwo doch noch ein Bildchen von mir versteckt,“ gibt der 29-Jährige die Hoffnung noch nicht ganz auf.

Auch mit der Schilderung der Ereignisse, als Joachim Löw dem Stürmer die freudige Nachricht der Berufung in den deutschen Kader telefonisch übermitteln wollte, sorgt der Profi für Lacher. „Ich war an dem Tag Mittagessen mit meinen Mitspielern vom SC Freiburg. Ich hatte drei Anrufe in Abwesenheit vom Bundestrainer. Da dachte ich kurz: Hoffentlich hat er inzwischen nicht jemand anderen angerufen ?“ Aber Petersen musste sich keine Sorgen machen. Joachim Löw wollte ihn so sehr im erweiterten Kader dabei haben, dass er es noch ein viertes Mal probierte.

Petersen-Berufung Ergebnis intensiver Beobachtung

Schließlich folgte der Bundestrainer mit der Entscheidung pro Nils Petersen nicht einem spontanen Bauchgefühl. „Nils Petersen hat eine gute Entwicklung hinter sich. In dieser Saison besonders. Der Bundestrainer hat ihn lange Zeit beobachtet,“ stellt Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, klar. Und was ist Löw dabei besonders ins Auge gestochen? „Er ist ein wacher Spieler mit einem schnellen Denken“, formuliert Bierhoff die Vorzüge Petersens. „Das macht ihn auf dem Platz besonders wertvoll.“

Gerade für eine WM-Endrunde. Denn ein Kandidat für die Startelf ist der Freiburger, der bislang noch ohne Länderspiel ist, sicherlich nicht. Umso wichtiger ist seine große Stärke: die kurze Anlaufzeit, die Wachsamkeit auf seine Chance. Dank dieser Eigenschaft mauserte sich der Angreifer auch zu einem Rekordhalter in der Bundesliga. Nämlich dem Spieler mit den meisten Treffern (20) nach Einwechslungen. Ein Qualitätsmerkmal, dass auch zu Joachim Löws positiver Nachricht am Telefon beigetragen hat. Da kann man’s ruhig mal länger klingeln lassen.