Noch drei Spiele bis zum Titel: Viertelfinale steht vor der Tür

WM2018
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Die erste K.O.- Runde haben noch acht Mannschaften überstanden. Diese kämpfen am Freitag und Samstag um den Einzug ins Halbfinale. Die wirklich heiße Phase der WM, bei der jede Mannschaft schon den ganz großen Triumph am Horizont erahnen kann, hat begonnen. Mit dabei im Viertelfinale sind ausschließlich noch Nationen aus Europa, sechs an der Zahl, und zwei südamerikanische Teams. Auch der Gastgeber ist noch vertreten, was die Stimmung in Russland weiter anheizt. 

Defensivbollwerk Uruguay gegen wildes Frankreich

Uruguay bangt um seinen Matchwinner aus dem Achtelfinale Edinson Cavani. Dort überkam der Angreifer von Paris Saint-Germain seine Ladehemmung bei dieser WM (nur ein Tor in der Gruppenphase) und schoss seine Nationalmannschaft mit zwei Treffern zum 2:1 gegen Portugal. Doch dann eine unschöne Szene, die dennoch ein schönes Bild produzierte. Cavani zog sich im Duell mit Portugal einen Bluterguss zu. In der 74. Minute humpelte er daher nach seinem Doppelpack, fürsorglich gestützt von Gegner Cristiano Ronaldo, vom Platz.

Sein Einsatz gegen Frankreich ist ungewiss, wahrscheinlich blüht ihm die Bank. Denn der uruguayische Verband twitterte ungewohnt offenherzig die Diagnose: “kleinflächiges Ödem am inneren Teil des Zwillingsmuskels”, zu Deutsch: Bluterguss in der Wade. Somit wird ihn wohl Christian Stuani im Viertelfinale gegen Frankreich vertreten.

Les Bleus zeigen sich im Vorfeld der Partie deutlich zugeknöpfter als Uruguay. Grund des Trainings unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Trainer Didier Deschamps will sich nicht in die Karten schauen lassen, wen er für den gelbgesperrten Routinier Blaise Matuidi aufbieten wird. Heiß gehandelt wird jedoch eine Rückkehr des Bayern-Profis Corentin Tolisso in die Anfangsformation. Der 23-Jährige stand zum Auftakt gegen Australien in der ersten Elf, wurde dann aber von Matuidi verdrängt. Auch ein Startelfeinsatz von dem offensiveren Ousmane Dembele ist im Viertelfinale denkbar.

Fünfmaliger Weltmeister Brasilien gegen Goldene Generation aus Belgien

Die größte Stardichte findet sich in diesem Viertelfinale wohl bei der Partie zwischen Brasilien und Belgien in Kasan auf dem Platz wider. Philippe Coutinho, Gabriel Jesus und natürlich Neymar auf der einen Seite, Thibaut Courtois, Kevin de Bruyne, Eden Hazard und Romelu Lukaku auf der anderen. Der neutrale Beobachter freut sich bei diesen Namen auf ein ganz besonderes Spektakel.

Doch unter Nationaltrainer Tite hat die Selecao dem wilden Offensivfußball, dem unbedingten Diktat des Jogo Bonito, der brotlosen Kunst auf dem Platz abgeschworen. Vielmehr agiert seine Mannschaft sehr geduldig aus einer geordneten Defensive heraus und wartet auf ihre Möglichkeiten. Selbst bei eigenen Angriffen bleibt die defensive Ordnung intakt. Das kann man von der belgischen Mannschaft nicht gerade behaupten. Gegen Panama ließ sie selbst den größten Underdog zu Chancen kommen, gegen Tunesien und Japan kassierte Belgien je zwei Gegentore. Bislang konnte die starke Offensive defensive Nachlässigkeiten immer noch übertrumpfen. Klappt das auch gegen Brasilien?

Mauernde Schweden gegen junges, hungriges England

Die Stärken der schwedischen Nationalmannschaft sind genau andersherum verteilt. Sie bilden defensiv ein Bollwerk, durch das man kaum einen Weg findet und offensiv vertrauen sie, dass irgendein Zufall ihnen einen Treffer bescheren wird. So war es gegen die Schweiz. Forsberg zog ab, den eigentlich viel zu unplatzierten Schuss fälschte der Schweizer Verteidiger Manuel Akanji dann aber unhaltbar für Torhüter Sommer zum schwedischen Viertelfinal-Einzug in die Maschen ab. Denn ein Tor gegen die massive schwedische Abwehr gelang den Schweizern nicht.

Mit dem Toreschießen tat sich England auch schwer gegen Kolumbien in ihrem Achtelfinale. Den vermeintlichen Siegtreffer erzielte Harry Kane vom Elfmeterpunkt aus. Doch Yerry Mina konterte in der Nachspielzeit per Kopf, sodass es zunächst in die Verlängerung ging und schließlich ins Elfmeterschießen, eigentlich Englands Alptraum. Doch siehe da: lediglich Henderson vergab. Wohingegen zwei kolumbianischen Schützen die Nerven versagten. Ein englischer Sieg im Elfmeterschießen, jetzt ist ihnen alles zuzutrauen.

Gastgeber Russland gegen träumende Kroaten

Die Euphorie in Russland war riesig, als die Sbornaja bei ihrer Heim-WM nach zwei Siegen in zwei Spielen schon das Achtelfinale gebucht hatte. Dann kam mit 0:3 im abschließenden Gruppenspiel gegen Uruguay der erste Dämpfer mit der Erkenntnis, im Achtelfinale geht es gegen den haushohen Favoriten Spanien. Doch den Iberern wurde ein großer Kampf und erfolgreich Paroli geboten. Zumal kann sich Russland auf seinen baumlangen Mittelstürmer Artyom Dzyuba verlassen, der vom Elfmeterpunkt aus den Rückstand durch ein Eigentor des eigentlich schon in die Rente verabschiedeten Routiniers Ignashevich egalisierte.

So ging es ins Elfmeterschießen, wo sich Russland aufgrund eines hervorragenden Bein-Reflexes von Igar Akinfeev durchsetzte. Er parierte den entscheidenden Elfmeter von Iago Aspas. Spanien war raus, die Sbornaja im Viertelfinale, ganz Russland glücklich. Doch nun wartet eine Mannschaft, die ebenfalls weiß, wie man Elfmeter schießt. Denn auch Kroatien musste nach einer glanzvollen Vorrunde im Achtelfinale gegen Dänemark diese Extraschicht einlegen. Dabei hätten sie es viel einfacher haben können, hätte Kapitän Luka Modric in der 116. Minute seinen Strafstoß verwandelt.

Im Elfmeterschießen machte er es dann besser. Und der kroatische Keeper avancierte mit drei parierten Strafstößen zum Held des Abends. Gegen den Gastgeber Russland dürften diesen Status im Viertelfinale aber sicherlich gerne wieder seine offensiven Kollegen übernehmen.