Noch viele offene Fragezeichen bei DFB-Elf vor Südkorea

Deutschland
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Viele Plätze sind fest vergeben bei der deutschen Nationalmannschaft. Doch drei Plätze könnten zur Disposition stehen. Einer aufgrund einer Sperre, ein weiterer aufgrund einer Verletzung und der dritte aus Leistungsgründen. Bundestrainer Joachim Löw muss langsam seine Turniermannschaft finden. Denn nicht nur ist die Partie gegen Südkorea extrem wichtig, Deutschland muss den Achtelfinaleinzug erst noch perfekt machen. Und dann kommen erst die richtig harten Brocken in der K.O.- Runde. Im Achtelfinale könnte beispielsweise Brasilien warten. Das Zusammenwachsen einer ersten Mannschaft muss also langsam beginnen. 

Natürlich stimmt die Fußballweisheit, dass man immer 23 Mann braucht um Weltmeister zu werden, nicht nur die erste Elf. Doch natürlich muss auch auf dem Platz die Chemie stimmen. Die Spieler müssen eingespielt sein und die Wege des Anderen kennen. Mit einem zusammengewachsenen Kern fällt es auch leichter kleinere Veränderungen aufgrund von Sperren oder Verletzungen vorzunehmen. So wie es Joachim Löw nun machen muss. Denn Jerome Boateng darf aufgrund seiner gelb-roten Karte gegen Schweden gegen Südkorea nicht auflaufen. Sebastian Rudy dürfte spielen, kann aber nicht. Denn er brach sich gegen die Skandinavier das Nasenbein und muss nun erst einmal beim Gruppenfinale pausieren. Und auch die Position des linken offensiven Flügelspielers dürfte Jogi Löw Kopfzerbrechen bereiten. Denn dort überzeugte Julian Draxler bislang noch überhaupt nicht. Drei Problemzonen für Deutschland, die teils nur für das Südkorea-Spiel, teils auch längerfristig behoben werden müssen.

Problemzone 1 für Deutschland: Innenverteidigung

Allem Anschein nach wird Mats Hummels nach seinem Ausfall wegen eines verrenkten Halswirbels gegen Südkorea wieder in die erste Elf zurückkehren.  Dennoch bleibt eine Position in der Stamminnenverteidigung unbesetzt, denn diesmal muss Jerome Boateng ersetzt werden. Zwei gelbe Karten gegen Schweden ergeben Gelb-Rot und eine Sperre für die Partie gegen Südkorea. Somit ergibt sich die Frage: Wer verteidigt zusammen mit Torhüter Manuel Neuer und den Abwehrspielern Joshua Kimmich, Mats Hummels und Jonas Hector.

Option Eins: Antonio Rüdiger. Ihn scheint Joachim Löw knapp vor seinen Mitstreitern Niklas Süle und Matthias Ginter. Schließlich durfte er auch gegen Schweden schon den damals verletzten Mats Hummels ersetzen. Für ihn spricht also, dass er schon ins Turnier hineingeschnuppert hat, erste WM-Erfahrung sammeln konnte. Allerdings wirkte er gegen die schwedischen Angreifer nicht immer sattelfest und war auch am Gegentor beteiligt. Gegen Toivonens Schuss kam er etwas spät mit seiner Grätsche, so dass er den Ball nicht abblocken konnte, sondern über Torhüter Neuer ins eigene Tor abfälschte.

Die Alternative zu Rüdiger lautet: Niklas Süle. Der junge Innenverteidiger kennt seinen eventuellen Nebenmann Mats Hummels, denn auch bei Bayern München spielten sie oft zusammen. Auch im Trikot des FCB agierte Süle häufig als Ersatzmann für den in dieser Spielzeit häufiger verletzten Boateng. Die Eingespieltheit der beiden könnte auch für Deutschland zum Trumpf werden. Aber vertraut Löw auf den unerfahrenen Verteidiger?

Problemzone 2 für Deutschland: Defensives Mittelfeld

“Sebastian Rudy kann nicht spielen. Das Spiel kommt zwei, drei Tage zu früh”, konstatiert Löw. “Er hat die Nase mehrfach gebrochen, wurde operiert und konnte zwei Tage lang kaum atmen.” Logisch, dass dann ein WM-Spiel, noch dazu so ein wichtiges, nicht der richtige Platz für den Rekonvaleszenten ist. Zumal erfahrene Alternativen für den Platz neben Toni Kroos vorhanden sind.

Entweder Ilkay Gündogan oder Sami Khedira dürften starten. Beide kamen schon zu ihren Einsätzen bei dieser WM. Khedira stand bei der Niederlage gegen Mexiko in der Startelf, Gündogan wurde gegen Schweden für den verletzten und stark blutenden Rudy eingewechselt. Doch keiner der beiden konnte überzeugen. Khedira verlor unter anderem direkt vor dem mexikanischen Konter, der zum Gegentor führte, den Ball. Und auch Gündogan strahlte gegen Schweden erhebliche Unsicherheit aus. Welchem der beiden schenkt Joachim Löw noch einmal das Vertrauen? Oder zaubert er, zum Beispiel mit dem offensiveren Leon Goretzka, eine Überraschung aus dem Hut?

Problemzone 3 für Deutschland: Linke Außenbahn

Die linke Außenbahn war bislang zumindest in der Startformation zweimal das Revier von Julian Draxler. Doch der PSG-Profi enttäuschte in beiden Partien. So wie übrigens auch sein Kollege auf dem rechten Flügel, Thomas Müller. Den erfahrenen Münchner wird Löw wohl eher nicht rausnehmen, aber Draxler könnte es treffen. Denn schon in der Schweden-Partie ersetzte Gomez Draxler nach der Halbzeit. Werner rückte auf den linken Flügel, Gomez in die Sturmmitte. Auch eine Option für Südkorea?

Werner selbst relativiert: “Ich bin Stürmer. Gegen tief stehende Gegner kann es von Vorteil sein, wenn ich mit ein bisschen Anlauf und Tempo über außen draufgehen kann. Aber gegen Mannschaften, die weniger tief stehen, bekomme ich auch in der Mitte meine Räume und kann meine Läufe in die Tiefe machen.” Und auch wenn der Leipziger meint: “Meine Lieblingsposition ist vorn drin”, Südkorea dürfte tief stehen gegen Deutschland.

Teamkollege Reus ist dennoch davon angetan: “Timo hat über den Flügel richtig Speed reingebracht, er ist eine riesige Waffe für uns und hat gegen Schweden gezeigt, was er uns geben kann.” Aber auch Reus könnte links starten und die Zehner-Position für Özil freimachen. Eine weitere Option: der junge Julian Brandt, der bei seinen beiden Einwechslungen bislang für viel Schwung sorgte.