Özil und Gündogan nach Erdogan-Treffen in der Kritik

Mesut Özil
AGIF / Shutterstock.com

Aufregung um die beiden deutsch-türkischen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Die beiden Premier League Profis von Arsenal London und Manchester City trafen gemeinsam mit Evertons Cenk Tosun in London den türkischen Machthaber Erdogan. Dessen AKP verbreitete Bilder vom Treffen, das mit der Übergabe unterschriebener Trikots einherging, via der sozialen Netzwerke. In der Türkei stehen Wahlen an. Den deutschen Nationalspielern wird nun vorgeworfen, den in der Kritik stehende türkischen Präsidenten im Wahlkampf unterstützt zu haben. Auch deutsche Politiker des rechten Spektrums instrumentalisieren den Vorfall für ihre fremdenfeindliche Linie. 

Özil, Gündogan sowie der für die Türkei auflaufende Deutsch-Türke Cenk Tosun überreichen dem türkischen Präsidenten Trikots ihrer Klubs. Ilkay Gündogan unterzeichnete sein ManCity-Jersey sogar noch mit der Widmung: „Mit großem Respekt für meinen Präsidenten“. Diese Bilder gingen gestern durch die Nachrichtensendungen der Nation. Natürlich ereiferten sich auch Politiker der AfD sofort. Doch auch Vertreter anderer Parteien kritisierten das als politische Statement gewertete Treffen der deutschen Nationalspieler mit Erdogan.

Und auch aus den Reihen des DFB folgten Reaktionen, die das Verhalten Özils und Gündogans verurteilten. Zwar konstatiert DFB-Präsident Reinhard Grindel per Twitter: „Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund“, dennoch kritisierte er die Aktion deutlich: „Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden. Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen.“ Er schließt: „Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen“.

Auch Vize-Präsident des DFB Rainer Koch appelierte an Ilkay Gündogan:  „Ich respektiere, dass Nationalspieler mit Migrationshintergrund die deutsche Nationalhymne nicht mitsingen, habe das immer verteidigt und werde das auch weiterhin verteidigen. Ich bin persönlich auch dafür, dass in Deutschland geborene Bürger mit Migrationshintergrund zwei Staatsbürgerschaften besitzen können. Allerdings meine ich, lieber Ilkay Gündogan, dass man als Deutscher mit türkischen Wurzeln wenige Wochen vor der Fußballweltmeisterschaft, bei der man im deutschen Nationaltrikot spielen möchte, schon auch deutlich sagen und aussprechen sollte, dass der deutsche Staatspräsident mindestens auch ‚mein Präsident‘ ist. Ich würde mich freuen, wenn ein solches Statement in den nächsten Stunden kommen würde.“

Gündogan erklärt sich für Treffen mit Erdogan

Die Wogen zu glätten und die Aktion zu erklären versuchte Ilkay Gündogan immerhin im Nachhinein. In einer Stellungnahme erklärte er in seinem und Özils Namen, dass es „nicht unsere Absicht war, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen. Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst. Fußball ist unser Leben und nicht die Politik.“ Die beiden hätten lediglich „eine Veranstaltung einer türkischen Stiftung in London“ besucht.

„Wir finden es gut, dass es eine Stiftung gibt, die türkische Studenten im Ausland fördert und Ihnen damit eine internationale Karriere ermöglicht“, führte der 27-Jährige aus. Dort habe man den türkischen Staatspräsidenten Erdogan dann getroffen. „Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet. Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger – für die Geste der Höflichkeit entschieden.“