Paulo Wanchope: Costa Ricas Sturmlegende vermisst Nachfolger

WM 2018 Russland
Foto: shinobi / depositphotos

Paulo Wanchope schrammte knapp an Platz 1 vorbei. Nur ein Tor in seiner Nationalmannschaftskarriere trennt ihn von Costa Ricas Rekordtorschützen Rolando Fonseca. Doch während der für seine 46 Länderspieltreffer 113 Partien benötigte, netzte Wanchope in lediglich 73 Spielen 45 mal ein. Sowas nennt man eben einen echten Vollblutstürmer. So einen vermisst der ehemalige Angreifer von Manchester City in Costa Ricas aktuellem Kader für die WM 2018. Dass sich seine Landsmänner dennoch Chancen ausrechnen dürfen, sogar gegen den großen Favoriten Brasilien, erklärt Wanchope gegenüber FIFA.com. 

Der Star der Costa Ricaner steht im Tor. Nach seiner famosen WM 2014 wechselte Schlussmann sogar zum vielleicht größten Klub der Welt und steht seither als Nummer 1 zwischen den Pfosten bei Real Madrid. Auch in der Defensive tummeln sich einige Spieler, die in den großen Ligen Europas aktiv sind. Und die mannschaftliche Geschlossenheit sowie der Wille waren schon bei der letzten WM Costa Ricas Erflogszutaten, die den Außenseiter sensationell bis ins Viertelfinale brachten.

Daher will Paulo Wanchope die Chancen seiner Landsleute auch bei dieser WM keinesfalls kleinreden. In der Vorrunde warten mit Serbien und der Schweiz zwei favorisierte, aber dennoch keinesfalls unschlagbare Gegner. Der sicherlich härteste Brocken in der Vorrunde wird Titel-Mitfavorit Brasilien für die Mittelamerikaner werden. Doch ein Kräftemessen mit dem Star-gespickten fünfmaligen Weltmeister ist natürlich auch ein Highlight.

“Costa Rica wird ein perfektes Match spielen müssen, mit dem gesamten Team bei 100 Prozent, in herausragender Form,” meint Wanchope, wenn seine Landsleute eine Chance gegen die Selecao haben wollen. “Brasilien ist eines der wenigen Teams, die es sich leisten können, dass zwei oder drei Spieler einen schwachen Tag erwischen. Der Rest der Spieler wird dennoch hervorragenden Fußball liefern und das Ergebnis umbiegen können.”

“Daher denke ich, dass es entscheidend ist, wenn wir gegen große Nationalmannschaften wie Brasilien, Deutschland oder England antreten, dass wir bei 100 Prozent sind. Natürlich kann im Fußball in diesen Zeiten alles passieren. Es gibt noch Favoriten, aber es ist weniger vorhersagbar,” stößt der mittlerweile 41-Jährige in das Horn, dass es keine Kleinen mehr gibt.

Fehlender Sturmtank bereitet Wanchope Kopfzerbrechen

Doch einen Schwachpunkt in Costa Ricas Kader, der das Ziel von Überraschungen gegen die großen Teams erschwert, spricht der 1,93 Meter große Ex-Stürmer auch an. “In den letzten Jahren hatten wir keinen Stürmer im traditionellen Sinne mehr, keinen Zielspieler in der Spitze.” Eben keinen neuen Paulo Wanchope.

“Wir haben [Marco] Urena, der mehr auf den Flügeln zu Hause ist, mit seiner Schnelligkeit und scharfen Flanken. Und wir haben Joel Campbell, der etwas gefährlicher ist und hinter der Spitze spielen kann. Aber ich denke, dass uns etwas Variation fehlt. Wir haben keinen Zielspieler, der den Ball annimmt, ihn ablegt oder ins Kopfballspiel geht. Wir brauchen mehr Optionen,” fordert der ehemalige Torjäger von der nächsten Generation costa-ricanischer Angreifer.