Trotz russischer Bomben und Giftmordanschlag: Mehrheit der Deutschen gegen WM-Boykott

Confederations Cup 2017
Foto: en.kremlin.ru (CC0)

Der Streit um die Fußball-WM in Russland droht zu eskalieren. Die Verwicklung Russlands in den jüngsten Giftmordanschlag auf einen russischen Ex-Doppelagenten scheint erwiesen. Der britische Außenminister Boris Johnson deutete einen WM-Boykott an. Die Mehrheit der Deutschen würde allerdings nicht mitziehen.

Eine INSA-Umfrage hat ergeben, dass demnach 52 Prozent aller Deutschen gegen einen Boykott der Weltmeisterschaft in Russland wären. Nur 21 Prozent sprachen sich konkret für einen WM-Boykott aus. Jeder Vierte machte gar keine Angaben.

Aber: 41 Prozent würden sich wünschen, wenn Nationalspieler und auch DFB-Offizielle ihren Protest gegen die Politik des Gastgeberlandes öffentlich machen würden. 42 Prozent fordern, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und weitere hochrangige Politiker des Bundes der Weltmeisterschaft fernbleiben.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch folgende Ergebnisse der Umfrage: 71 Prozent der Deutschen halten sportliche Großereignisse wie eine Fußball-WM oder die Olympischen Spiele für problematisch, wenn sie nicht in einer „echten Demokratie“ stattfinden. 58 Prozent sind der Meinung, dass Russlands Präsident Wladimir Putin das Turnier zu Propagandazwecken missbrauchen werde.

Die Deutschen freuen sich auf die WM und hoffen auf den Titel

59 Prozent der Deutschen freuen sich trotz allem auf die Weltmeisterschaft im Sommer in Russland. 37,2 Prozent glauben, dass Deutschland den WM-Titel von 2014 verteidigen kann. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw spielt in Gruppe F gegen Mexiko, Schweden und Südkorea und gilt als großer Favorit auf das Weiterkommen.

In der Praxis hat ein WM-Boykott sowieso eher schlechte Karten. Trotz russischer Bomben auf die syrische Zivilbevölkerung. Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen fordert gegenüber der „BILD“-Zeitung: „Es ist höchste Zeit, dass die europäischen Staatschefs eine Antwort gemeinsam geben. Aber das muss in der Politik stattfinden und nicht auf dem Fußballfeld.“

Gut möglich aber, dass auch während des Turniers weiterhin Bomben auf Syrien fallen. Es könnte eine perverse Situation entstehen: In Russlands Metropolen feiert die Welt ein Fußballfest – gleichzeitig werden Tausende unschuldige Menschen im Namen der russischen Regierung in Syrien getötet.