Viele Fragen bei Boateng: WM-Aus? Bayern-Abschied?

WM 2006 in Deutschland
Foto: René Stark / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Das Hinspiel gegen Real Madrid im Champions League Halbfinale hätte für den FC Bayern nicht viel schlechter laufen können. Nicht nur brachten sich die Münchner durch die 1:2-Heimniederlage in eine schwierige Ausgangsposition für das Rückspiel in Madrid, obwohl sie Chancen für eine Handvoll Tore hatten. Diese wurden aber reihenweise vergeigt. Auch Verletzungen trübten das Bild. So mussten die Bayern bereits in der ersten Hälfte zweimal verletzungsbedingt wechseln. Während sich die Blessur von Arjen Robben nicht als schlimm herausstellte, sind die Folgen für Jerome Boateng gravierender. Vielleicht hat der Abwehrrecke sogar schon sein letztes Spiel für den FCB gemacht!

Der FC Bayern bestätigte mittlerweile offiziell, dass sich der deutsche Nationalspieler „eine strukturelle Verletzung der Adduktoren-Muskulatur im linken Oberschenkel“ zugezogen hat. Der kundige Mediziner schließt daraus sofort: Ausfallzeit vier bis sechs Wochen, bei gutem Heilungsverlauf. Somit ist die Saison mit dem FC Bayern für Boateng gelaufen. „Für die restlichen Spiele in dieser Saison werde ich meine Mannschaft so gut es geht supporten,“ twitterte der Verletzte. „Danke für die vielen Genesungswünsche!“

Selbst die WM mit Deutschland ist für den eigentlich gesetzten Innenverteidiger in Gefahr. „Das Leben ist voller Rückschläge. Lebe, fühle, liebe, lache, weine, spiele, gewinne, verliere, stolpere, falle, aber stehe immer wieder auf,“ kündigte Boateng pathetisch an, alles daran zu setzen, bei der WM für sein Heimatland auflaufen zu können. „Jetzt heißt es kämpfen, um in Russland dabei zu sein. Dafür werde ich alles geben.“

Boateng stellt Zukunft beim FC Bayern in Frage

Ob der 29-Jährige in Zukunft auch noch alles für seinen aktuellen Verein geben wird, ist allerdings plötzlich fraglich. Boateng äußerte Gedankenspiele über eine persönliche Veränderung und neue Ziele. „Ich habe beim FC Bayern alles erlebt. (…) Und so komme ich langsam an den Punkt, an dem ich gewisse Fragen für mich beantworten muss: Was sind meine noch nicht erreichten Ziele? Möchte ich mich immer wieder beim gleichen Klub mit den gleichen Voraussetzungen beweisen?“

Seine Gedanken drehen sich „um die Frage der persönlichen Herausforderung.“ Boateng ist seit 2011 Profi des deutschen Rekordmeisters. Er gewann in dieser Zeit sechs Mal die Meisterschaft, drei Mal den DFB-Pokal (gegen Eintracht Frankfurt könnte in dieser Spielzeit noch Nummer Vier folgen) sowie die Champions League. Was will er mit dem FCB also noch erreichen? „Das sind gar nicht unbedingt klassische Karrierefragen, das sind Lebensfragen. (…) Letztendlich sind es die Fragen, die einen als Menschen antreiben.“

Der Vertrag des 29-jährigen Verteidigers läuft noch bis 2021. Alles was passiert, wird also mit dem FC Bayern abgestimmt sein müssen. Die Frage lautet also, wie ernst ist es Boateng mit seinen Wechselabsichten. Und, ob der FC Bayern einem so verdienten Profi bei einem absoluten Wechselwunsch und einem finanziell adäquaten Angebot Steine in den Weg legen würde. Interessenten soll es zum Beispiel auf der Insel genug geben. Die beiden Klubs aus Manchester, United und City (für die Boateng bereits 2010/11 auflief) haben die Ohren zumindest gespitzt, wie sich die Situation weiter entwickelt.