Vor Südkorea: Beim DFB-Team wächst etwas zusammen

Deutschland wird 2014 Weltmeister
Deutschland wird 2014 Weltmeister / Quelle: Jefferson Bernardes / Shutterstock.com

Der Vorwurf gegen das DFB-Team wog schwer nach der Auftaktpartie gegen Mexiko. Grüppchenbildung soll den 23 Mann Kader, den Joachim Löw für die Mission Titelverteidigung auserkoren hatte, spalten. Auf der einen Seite stünden die Weltmeister von 2014, auf der anderen die jungen Wilden, die im vergangenen Sommer gemeinsam als vermeintliche zweite Mannschaft Deutschlands in Russland den Confed Cup gewinnen konnte. Auch wenn direkt nach den Anschuldigungen alle Beteiligten eilig Grüppchenbildung und fehlende Geschlossenheit innerhalb des Kaders dementierten, so richtig scheint erst durch die Schweden-Partie der Kader geeint worden zu sein. Zumindest, wenn man auf die jüngste Aussagen von Kapitän Manuel Neuer hört.

Als Schlüsselmoment bezeichnet Neuer nämlich die Halbzeitpause gegen Schweden. Nach der Auftaktpleite gegen Mexiko stand Deutschland in der Partie gegen die skandinavische Mannschaft schon mit dem Rücken zur Wand. Es war klar, wenn das DFB-Team nicht einen Triumph gegen die ihrerseits siegreich gestarteten Schweden holt, ereilt Deutschland wie zuvor auch schon Italien oder Spanien das Vorrunden-Aus als Weltmeister. Und als der Schiedsrichter in der Partie gegen Schweden zur Halbzeit pfiff, sah es alles andere als rosig für das DFB-Team aus. Denn gegen die defensiv- und kampfstarken Mannen der Tre Kronen lagen sie nach einem Tor von Ola Toivonen auch 0:1 zurück. Zwei Tore gegen diese massive Defensive in nur einer Halbzeit, nachdem die ersten drei Halbzeiten im Turnier schwach absolviert und ohne einen einzigen eigenen Treffer absolviert wurden? Eine mehr als heikle Aufgabe.

Und das war zu diesem Zeitpunkt auch den deutschen Spielern bewusst. Manuel Neuer fasst die Atmosphäre in der Kabine der deutschen Nationalmannschaft so zusammen: “Es war sehr intensiv, nicht nur von der Belastung her, sondern auch mental. Wir saßen in der Halbzeitpause und wussten, dass wir eine Mammutaufgabe vor uns haben”. Doch während der 15 Minuten Verschnaufpause konnten die Profis scheinbar alle Kräfte und alle Konzentration scheinbar noch einmal richtig kanalisieren. Denn danach ging es auf dem Platz nur noch in eine Richtung: die des schwedischen Torhüters Olsen.

Kapitän Neuer: DFB-Team kann “stolz auf die Moral sein”

Für Manuel Neuer war der Umschwung offensichtlich. “Man hat an unserer Körpersprache in der zweiten Halbzeit gesehen, dass wir zurückgekommen sind, dass wir daran geglaubt haben, dass wir ein positives Ende haben können. Während des Spiels war zu merken, dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Aber auch in Unterzahl (nach der gelb-roten Karte für Jerome Boateng in der 82. Minute, Anm. d. Red.) war zu spüren, dass wir daran geglaubt haben. Wir können stolz auf die Moral sein”. Und dieser Wandel hin zum Positiven, zum Miteinander setzte kein bisschen zu spät ein.

Der lange verletzte Torhüter Neuer wundert sich eher, dass nicht schon das schwache Auftreten sowie die verdiente Niederlage gegen Mexiko deutlichere Spuren hinterlassen hatte. “Es hätte auch sein können, dass schon das 0:1 gegen Mexiko etwas bewirkt, aber wir sind wieder in Rückstand geraten und mussten hinterherlaufen”, moniert Neuer. Gefährlich, letztlich aber ohne negative Auswirkungen. Denn Marco Reus’ zwischenzeitlicher Ausgleich kurz nach Wiederanpfiff beflügelte das DFB-Team natürlich weiter. So war das famose Last-Minute-Tor zum Sieg von Toni Kroos möglich, durch den sich die deutsche Mannschaft zurück im Turnier meldete.

Und der so kämpferisch mit purem Willen errungene Sieg gegen Schweden brachte dem DFB-Team nicht nur drei Punkte ein. Auch für die Moral, für die Geschlossenheit der Mannschaft und den Teamgeist war er extrem wichtig. So sieht das auch Manuel Neuer. “Das, was passiert ist, hat eine Wirkung. Das war auch daran zu sehen, wie wir zusammen gefeiert haben. Es war ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber wir wissen auch, dass wir nichts geschenkt bekommen, egal gegen wen es geht. Wir müssen uns alles hart erarbeiten und gegen Südkorea damit weitermachen.”

Manuel Neuer bislang makelloser Rückhalt für DFB-Team

So kann es dann auch doch noch mit dem Achtelfinal-Einzug klappen. In der deutschen Öffentlichkeit entstand nach dem missglückten Auftakt gegen Mexiko teilweise der Eindruck, als sei nun sowieso schon alles gelaufen. Dies prangerte auch Toni Kroos nach dem Sieg über Schweden an. Doch noch kann die deutsche Mannschaft sogar aus eigener Kraft ins Achtelfinale einziehen. Den Blick auf die Partie zwischen Mexiko und Schweden kann man sich sparen, wenn Deutschland mit mindestens zwei Toren gegen Südkorea gewinnt. Sogar der Gruppensieg ist dann noch möglich.

Mithelfen wird dabei auf jeden Fall wieder Manuel Neuer. Nach seiner schier endlosen Leidenszeit aufgrund eines Mittelfußbruches war erst kurz vor dem Turnier klar, dass Neuer als Nummer 1 nach Russland reisen wird. Umso erleichterter dürften Bundestrainer Joachim Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke sein, dass Neuers Fitness stabil zu bleiben scheint. Die ganz großen Prüfungen musste der Keeper noch nicht meistern. Bei den Gegentreffern war er schuldlos, diese waren nicht zu halten. Doch die Präsenz des erfahrenen Keepers ist zurück. Und wenn er weiterhin wenig geprüft wird, tut das der wachsenden Geschlossenheit nicht nur innerhalb des Kaders gut. Sondern es beweist auch endlich wieder die Geschlossenheit zwischen den Reihen auf dem Platz.