Welche Erkenntnisse lieferte die Länderspielpause?

WM 2018
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An diesem Wochenende biegen die großen nationalen Ligen in ganz Europa langsam auf die Zielgerade der Saison ein. Bevor sich also nun wieder ganz dem Kampf um Meisterschaften und Europacup-Teilnahmen, um Abstiegssorgen und Aufstiegshoffnungen gewidmet wird, bleibt noch einmal Zeit auf die Ereignisse in den internationalen Testspielen der WM-Teilnehmer zurückzublicken und einige Erkenntnisse aus dieser Länderspielpause zu ziehen. 

Die positive Überraschung der Länderspielpause: Peru

Überraschen und zwar auf sehr positive Art und Weise konnte Peru in dieser Länderspielpause. Die Andenrepublik traf auf zwei stark eingeschätzte europäische Nationalteams: Kroatien und Island. Zunächst wurde Hrvatska, das mit allen Stars wie Rakitic, Modric, Manzukic oder Perisic antrat, mit 2:0 besiegt. Auch die Nordeuropäer aus Island, deren Stern bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich aufging und die eine starke WM-Qualifikation spielten, kamen mit 1:3 unter die peruanischen Räder.

Herausstechen konnte bei Peru einerseits eine kollektiv starke Defensive, großer Einsatz und kluge Taktik von Nationaltrainer Ricardo Gareca. Andererseits konnten auch auf der individuellen Ebene einige Spieler auf sich aufmerksam machen. Christian Cueva und Renato Tapia zogen im zentralen Mittelfeld die Fäden. Routinier und Ex-Schalker Jefferson Farfan glänzte mit einem Tor und zwei Vorlagen. Und auch die Angreifer Raul Ruidiaz und Andre Carillo zeigten sich abschlussstark. Peru hat definitv ein dickes Ausrufezeichen in Richtung ihrer Vorrundengegner Dänemark, Frankreich und Australien gesendet. Und ihr Anführer im Angriff Paulo Guerrero fehlt momentan ja noch aufgrund einer Dopingsperre. Bei der WM wird aber auch der Ex-Münchner und -Hamburger am Start sein.

Traditionsreiche Nationen noch mit Problemen in der Länderspielpause

Einige bei Weltmeisterschaften etablierte Nationen zeigten noch einige Schwächen in ihren Testspielen. Der amtierende Vize-Weltmeister Argentinien mühte sich zu einem späten 2:0 gegen Italien bevor es mit 6:1 von Spanien in seine Einzelteile zerlegt wurde. Auch der Vize-Europameister Frankreich offenbart gerade defensiv und in der Balance noch einiges an Verbesserungspotential. Nach 2:0-Führung verlor Les Bleus noch mit 2:3 gegen Kolumbien. Das zweite Testspiel wurde gegen den beängstigend schwachen WM-Gastgeber Russland mit 3:1 gewonnen. Die Sbornaja hatte auch ihr erster Freundschaftsspiel dieser Länderspielpause gegen Brasilien deutlich mit 0:3 verloren.

Auch Portugal, amtierender Europameister, bekleckerte sich keineswegs mit Ruhm in dieser Länderspielpause. Dank Cristiano Ronaldo gelang gegen Ägypten noch ein Last Minute 2:1-Sieg. Doch gegen die nicht qualifizierte Niederlande folgte eine ernüchternde 0:3-Pleite. Japan spielte gegen Mali dank dem Ausgleichstor in der 90. Minute noch Remis gegen Mali und verlor gegen die Ukraine. Durchaus keine Gegner auf WM-Niveau. Australien kam ebenfalls gegen die nicht bei der WM vertretenen Norweger zu einer 1:4-Bruchlandung. Kroatien sah gegen Peru kein Land und Schweden unterlag gegen Rumänien und Chile. Südkorea fuhr gegen Nordirland und Polen ebenfalls zwei Pleiten ein. Für all diese Nationen bleibt noch reichlich Arbeit bis zum Start der WM.

Wie schlugen sich die Supertalente im Angriff?

Schließlich noch ein Blick auf die internationalen Top-Talente, von denen auch bei der WM viel erwartet werden wird. Gabriel Jesus scheint gesetzt in Brasiliens Sturmspitze. Gegen Russland und Deutschland stand er in der Startelf. Gegen die DFB-Mannschaft avancierte er durch sein Tor zum 1:0-Sieg zum Mann des Abends. Auch auf der Gegenseite stand ein Hoffnungsträger im zentralen Angriff: Timo Werner. Schon gegen Spanien durfte der Leipziger starten. Joachim Löw scheint sich auf ihn als seinen ersten Stürmer festgelegt zu haben. Das Bemühen war ihm nicht abzusprechen, doch einwandfrei abgestimmt scheint das deutsche Spiel noch nicht auf ihn.

DAS französische Supertalent Kylian Mbappe betrieb da deutlich mehr Werbung in eigener Sache. Auch wenn sein Stammplatz bei Les Bleus nicht wirklich angezweifelt wird. Gegen Russland durfte der oft auf Rechtsaußen eingesetzte Angreifer im zentralen Sturm ran und markierte direkt zwei Treffer. Und noch ein junger, hochtalentierter, doch zuletzt etwas in Vergessenheit geratener Angreifer deutete sein Potential deutlich an: Breel Embolo. Der Mann von Schalke 04 erzielte beim 6:0 gegen ein zugegebenermaßen heillos überfordertes Panama seinen dritten Länderspieltreffer für die Schweiz.