Werner sieht persönliche Entwicklung langfristig von Leipzig gehemmt

Timo Werner
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Bis zum Beginn der Weltmeisterschaft sind es nur noch wenige Tage. Und während die anderen deutschen Nationalspieler, die Teil des vorläufigen Kaders für Russland sind, all ihren Fokus darauf richten, den Sprung in den endgültigen 23er-Kader zu schaffen oder vollkommen fit bis zum Start des Weltturniers zu werden, denkt Timo Werner im Interview mit der ‚Welt‘ schon langfristiger. Da sieht der Leipziger Stürmer nämlich seine Entwicklung durch die Rolle des Brause-Vereins in der zweiten oder dritten Reihe an Klubs in Europa gefährdet. Bezüglich der WM hat er persönliche Bestmarken aber gar nicht auf dem Radar. Dort zählt nur der Teamerfolg. 

Diese Aussagen dürften Ralf Rangnick und Didi Mateschitz ganz und gar nicht gefallen. Schließlich sehen sie in Leipzig einen aufstrebenden Verein internationaler Klasse. Doch Timo Werner scheint diese Meinung nicht ganz zu teilen. „Um ein Weltklassespieler zu werden, muss ich auf Klubebene wahrscheinlich in einer noch besseren Mannschaft spielen,“ meint der junge Angreifer. Die Europa League, für die sich Leipzig in dieser Saison durch den sechsten Bundesliga-Rang qualifizierte, reicht dafür nicht aus.

Werner peilt die Champions League an. Und dort auch deutlich mehr als nur die Gruppenphase, in der er in dieser Saison erste Erfahrung sammelte. „Um Weltklasse zu werden, muss man in den ganz großen Mannschaften spielen, um dann auch große Spiele zu spielen wie zum Beispiel das Finale oder Halbfinale der Champions League,“ ist der Himmel das Limit für den deutschen Nationalspieler. Einen schnellen Abschied aus Leipzig will Werner mit diesen Aussagen aber nicht forcieren. „Ich habe noch vier oder fünf Jahre, um zu lernen,“ lässt sich der 22-Jährige selbst noch viel Zeit.

Persönliche Meriten interessieren Werner bei WM nicht

Nun wartet erst einmal eine weitere Herausforderung, an der der pfeilschnelle Angreifer wachsen und durch die er lernen kann: die WM in Russland. Dass Werner im Kader stehen wird und anders als etwa Sturmkollege Petersen nicht um sein Ticket nach Russland bangen muss, davon gehen alle Experten und Beobachter aus. Und bei der WM zählt für den ehrgeizigen Profi nur der Teamerfolg. „Ich lege meinen Fokus nicht darauf, Torschützenkönig zu werden. Ich bin nicht so vermessen, dass ich mir das als Ziel setze.“ Ziel ist einzig und allein der größtmögliche Erfolg mit der Mannschaft, die Verteidigung des WM-Titels.

Dennoch ist Werner davon überzeugt, einiges für den deutschen Erfolg beisteuern zu können. Und dabei könnte ihm gerade helfen, dass er noch nicht bei einem der ganz großen Klubs in Europa unter Vertrag steht. „Ich fliege noch etwas unter dem Radar und kann eigentlich nur gewinnen. Das ist mein großer Vorteil.“ Nutzt er diesen Vorteil geschickt aus, könnte sich das mit dem unter dem Radar fliegen aber ganz schnell erledigt haben. Und auf die Champions League müsste Werner dann wohl auch nicht mehr allzu lange warten.