Wie bereit ist Russland für die WM 2018?

WM 2018 Russland
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Die WM-Stadien lassen erahnen, dass Russlands WM 2018 vor allem eines bedeutet: jede Menge Kosten. Gut, dass sich die FIFA (einstmals ein ehrenamtlicher Verein) die Austragung der WM gerne allenthalben vergolden lässt, ist ja nichts Neues. Die meisten WM Gastgeber bezahlen teuer für eine WM. So gut wie nie werden diese Kosten auch nur ansatzweise durch das in Aussicht gestellte Fan-Aufkommen und Medienspektakel kompensiert. Die Frage ist: Kann sich gerade Russland, in seiner jetzigen teils prekären Wirtschaftslage, diese WM überhaupt leisten?

Ein teurer Spaß

Die neue Spartak Arena in Moskau strahlt rot, mit einer eigenen Metro-Station und einer 25 Meter hohen Bronzestatue von Spartacus, die sich über den Toren erhebt. In den Schatten gestellt wird sie jedoch vom 615 Millionen Pfund teuren St. Petersburg-Stadion und dem Moskauer Luzhniki, das für die russischen Winterspiele überholt wurde. Niemand wird in Russlands öffentlichen Kanälen über die Gesamtsumme diskutieren, die Russland in das Turnier investiert. Aber über 22 Milliarden Euro werden als die Rechnung für das Privileg geschätzt, dieses Sportereignis von Weltrang zu inszenieren.

Dabei wirkt es ein wenig befremdlich. Der russische Staat hat in den letzten drei Jahren die Sozialausgaben und die Gesundheitsausgaben konsequent gekürzt. Sowohl in Bezug auf die Ausgaben als auch in Prozent des BIP. Krankenhäuser mussten schließen. Gleichzeitig werden Stadien auf Pump gebaut. So wurde das Stadion in St. Petersburg vom Staat bezahlt. Das Budget dazu wurde dreimal nach oben korrigiert. Woher die WM-Investitionen jeweils kommen, ist bewusst intransparent gehalten und folglich schwer festzustellen. Aber 83 Prozent der knapp 45 Milliarden Euro, die bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi – dem Lieblingsprojekt von Präsident Wladimir Putin – ausgegeben wurden, waren billige Staatsanleihen. So zumindest die russische Anti-Korruption Stiftung.

Bei den Olympischen Spielen in Sotschi wurden Aufträge im Wert von schätzungsweise etwas über sechs Milliarden Euro von Arkady Rotenberg, Putins Freund aus Kindertagen, entgegengenommen. Zwei der WM-Stadien – Wolgograd und Nischni Nowgorod – wurden dem Stroytransgaz-Konzern, dem Spezialisten für Öl- und Gasindustrie, unter Leitung von Gennady Timchenko, einem weiteren persönlichen Freund des Präsidenten, zugewiesen. Wo das Geld herkommt, ist teilweise schwer nachvollziehbar. Wo es hingeht, hingegen weniger.

Als Russland 2010 die Austragung der WM 2018 zugesagt wurde, waren dir Vorzeichen nicht ganz so schlecht. Aber der Ölpreissturz im Jahr 2014 brachte eine Rezession mit sich. Dann führte die Okkupation der Krim zu Sanktionen und wiederum zu Gegensanktionen. Überdies wird derzeit ein riesiger Aufwand für ein symbolisches Projekt betrieben, um eine Brücke über die Kertschstraße zur Krim zu bauen. Wieder so ein Prestige Projekt in Zeiten, in denen eigentlich wirtschaftliche Besonnenheit Vorrang haben müsste.

Alls nur Symbolcharakter

Diese Brücke wirkt derzeit wirtschaftlich ähnlich fehl am Platz wie die überteuerten WM Stadien. Aufgrund dieser Brücke ist der Bau neuer Autostraßen in Russland praktisch eingestellt, wie ein Beamter der russischen Autobahnbehörde geäußert hat. Das Land habe nicht genug Geld. Deshalb könne nicht alles umgesetzt werden.

Wer wissen will, ob der kleine russische Mann dieses ultimative Bohei des internationalen Fußballs wirklich will oder braucht, muss nur weit genug weg von den hellen Lichtern und den auf Hochglanz polierten Neubauten reisen. Antworten liefert beispielsweise eine achtstündige Autofahrt von Moskau nach Velikiye Luki. Dies liegt in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Region Pskov bis hin zur lettischen Grenze. Dort sind Dutzende von traditionellen russischen Holzhäusern in einem Zustand des Zusammenbruchs. Längst aufgegeben von ihren Bewohnern, die auf der Suche nach Arbeit in die Städte geflohen sind. Die “Straßen” im weiten, leeren Nordwesten zerfallen an manchen Stellen in lose zusammengesetzte Betonplatten.

Eine WM kostet quasi immer weit mehr Geld als sie einbringt. Das ist mittlerweile ein offenes Geheimnis. Schon in Brasilien, einer der am meisten fußballbegeisterten Nationen unseres Planeten, wurden viele Zugeständnisse an die Austragung des Wettbewerbs von wilden Protesten begleitet. In Russland sind diese Widersprüche noch viel offensichtlicher. Allerdings wagt es da niemand zu protestieren. Spaß kostet halt.

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