WM-Fahrer Rose spricht über seine Depression: englische Nationalelf als Kur

England
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Profi-Fußballer werden oft als Maschinen wahrgenommen, die immer funktionieren müssen. Schließlich leben sie ja ihren Traum, verdienen mit ihrem liebsten Hobby Millionen, so die öffentliche Wahrnehmung. Wie fragil das Gebilde Profi und der Mensch hinter dieser Projektion aber ist, wird immer wieder an tragischen Fällen deutlich. Jetzt bricht ein weiterer Profi sein Schweigen. Danny Rose, Englands Linksverteidiger bei der anstehenden WM in Russland, spricht offen über seine Depression und wie sehr ihm die englische Nationalmannschaft in der dunkelsten Phase geholfen hat. 

„Es ist kein Geheimnis, dass ich diese Saison durch eine schwierige Zeit bei Tottenham gegangen bin,“ offenbart der Linksverteidiger. Eine schwere Verletzung am Innenband, die immer wieder im Laufe der Saison Probleme machte, ließ Rose lediglich auf zehn Einsätze in dieser Premier League Saison für die Tottenham Hotspur kommen. „Das hat mich dazu geführt, einen Psychologen zu sehen – dort wurden bei mir Depressionen diagnostiziert. Davon wusste bislang niemand. Ich habe es auch meinen Eltern nicht erzählt und sie werden wahrscheinlich ziemlich wütend sein, wenn sie das lesen.“

Eine heilsame Kur vom psychischen und physischen Stress bei den Spurs fand Rose in der Nationalmannschaft. „England war meine Erlösung und ich kann dem Trainer und der medizinischen Abteilung nicht genug danken“, so der 27-Jährige. „Es war wirklich hart. Aber vom ‚Spurs‘-Arzt zu einem Psychologen überwiesen zu werden, hat mir massiv geholfen, dies zu bewältigen.“ Rose sieht sich wieder in der Spur, hat die Einnahme von Medikamenten wieder eingestellt. „Es geht mir wieder gut und ich bin gespannt, zu sehen, wie weit wir in Russland kommen können,“ legt er den Fokus wieder auf Fußball und das anstehende Highlight, die WM in Russland. Das war in den letzten Monaten wahrlich nicht immer so. Zwischenzeitlich habe er einfach „weg von Tottenham“ gemusst – die englische Nationalmannschaft war eine Erholung für Körper und Kopf des 17-fachen Nationalspielers.

Angespanntes Verhältnis zwischen Danny Rose und Tottenham Hotspur

Die Zeit seiner Depression war ungemein schwer für den Profisportler. „Ich bin sehr, sehr leicht wütend geworden“, gesteht Rose ein. Der Druck als Profi habe einfach überhand genommen. „Ich wollte weder zum Fußball noch meine Reha angehen. […] Ich weiß nicht mehr, wie viele Tabletten ich genommen habe, wie viele Spritzen ich bekam, um zu versuchen, für Tottenham fit zu werden.“ Als Opfer will sich der pfeilschnelle Außenbahnspieler aber nicht stilisieren. „Das ist Fußball – aber es war schwer und der Beginn all dessen.“ Schließlich haben auch familiäre Probleme abseits des Fußballplatzes zu seiner Depression beigetragen.

Doch das Verhältnis von Danny Rose zu seinem Arbeitgeber den Tottenham Hotspur wirkt dennoch sehr angespannt. „Dinge wurden gesagt und Dinge passierten in meinem Klub hinter den Kulissen,“ gibt auch der Profi zu. „Ich möchte da jetzt nicht ins Detail gehen, sonst werde ich wieder bestraft.“ Aufgrund eines „Sun“-Interviews berappte der Abwehrmann eine sechsstellige Summe. Dort hatte er seinen Klub aufgefordert, Spieler zu verpflichten, die man nicht erst „googlen“ müsse. Außerdem hielt Rose nicht mit seiner Auffassung hinter dem Berg, dass er „mehr wert“ sei, „als ich bekomme.“ Mehr Wertschätzung könnte Rose nun wieder bei der englischen Nationalmannschaft erfahren. Mit Ashley Young kämpft er um den Startplatz auf der linken Seite. Doch allein die Nominierung von Rose durch Nationaltrainer Gareth Southgate nach dieser schwierigen Saison zeigt, dass der Coach der Three Lions große Stücke auf den 27-Jährigen hält.