Wundertüte Pogba: Spieler des Turniers oder Totalausfall?

Frankreich Nationalmannschaft
Abb. Die französische Nationalmannschaft / Vlad1988 / Shutterstock.com

Die Stimmung in Frankreich sollte eigentlich voller Vorfreude und Euphorie ob der anstehenden Weltmeisterschaft sein. Die Equipe Tricolore zeigt sich in den letzten Testspielen als ungemein starke Mannschaft. Die Offensive quilt über vor Stars und Spielfreude. Und selbst die oft wackelige Defensive scheint sich stabilisiert zu haben. Doch trotz des 3:1-Erfolgs gegen Italien ist die Stimmung angespannt. Der Grund: Paul Pogba. Der Mann von Manchester United ist trotz seiner herausragenden Fähigkeiten das große Fragezeichen vor der WM. Wird er bester Mann des Turniers oder ein kompletter Ausfall? Seine Inkonstanz lässt beides möglich erscheinen. 

Selbst Age Hareide, Trainer des französischen Vorrundengegners Dänemark, kritisierte den Spieler von Manchester United zuletzt. „An einem Tag ist er gut, am anderen schlecht,“ konstatiert der Norweger. Auch den richtigen Fokus Pogbas zweifelt er an. „Vielleicht trägt er [seine Haare] rot und weiß, wenn er gegen uns spielt. Mein Gott, ist er nur mit seinen Haaren beschäftigt?,“ stichelt der 64-Jährige. Generell sieht er Frankreich nicht als übermächtige Mannschaft. „Sie spielen nicht als Team. Sie haben keinen Leader wie Zinedine Zidane, ein Spieler, der wusste, wie er die Mannschaft führen muss.“ Eine Rolle die eigentlich Paul Pogba einnehmen will. Doch der ist momentan erst einmal mit sich selbst beschäftigt.

Wie auch im Test gegen Italien einmal mehr, als er trotz einer starken Mannschaftsleistung deutlich abfiel. Phlegmatisch und unkonzentriert – das werfen ihm auch Fans und Medien in England nach seinen Auftritten für Manchester United vor. Und auch die französischen Fans bedachten ihren eigenen Spieler mit Pfiffen während des Spiels und zu dessen Auswechslung. Kylian Mbappe springt seinem Nationalmannschaftskameraden Pogba verbal zur Seite. „Solche Dinge sind eine Schande. Wir müssen Spieler wie ihn bewundern und froh sein, dass er für Frankreich spielt,“ kritisiert der 19-Jährige die Anhänger der Les Bleus.

Unterstützung aus der Mannschaft für Pogba, Deschamps mit Qual der Wahl

Und auch Angreifer Antoine Griezmann betonte: „Wir spielen alle im gleichen Trikot.“ Die Botschaft dahinter ist klar: pfeift ihr einen von uns aus, pfeift ihr uns alle aus. Einen Nebenkriegsschauplatz Mannschaft gegen Fans kann sich die französische WM-Delegation aber gerade wirklich nicht erlauben. Und sollte die Equipe Tricolore erfolgreich in die WM starten, sind solche Scharmützel sicherlich auch schnell wieder vergessen.

Doch mit Pogba werden die französischen Anhänger so schnell wohl nicht mehr warm werden. Schon 2016 bei der Heim-EM verärgerte er die Öffentlichkeit mit einer obszönen Geste Richtung Tribünen. Und auch egozentrische Aussagen wie „Ich war der beste Rookie bei der WM 2014. Ich hoffe, dass ich diesmal der beste Spieler sein werde“ kommen bei den Fans nicht gut an. Schließlich sollte der Erfolg der Mannschaft über allem stehen bei einer WM. Wer bester Spieler ist dürfte den Anhängern herzlich egal sein.

Nationaltrainer Didier Deschamps macht sich derweilen keine großen Sorgen um seinen Mittelfeld-Star. Doch die Konkurrenz schläft natürlich nicht. Auch der Nationaltrainer weiß: „Ich habe die Wahl, es gibt einen großen Wettbewerb.“ Und so könnte am Ende ein Bundesliga-Profi von dem Wirbel und der mangelnden Konstanz in Pogbas Leistungen profitieren. Denn mit Bayern Münchens Corentin Tolisso zeigt sich ein Konkurrent des 25-jährigen Pogba seit Wochen sehr formstark. Und auch im Kreise der französischen Nationalelf präsentiert sich der Sechser leidenschaftlich und engagiert. Attribute, die Pogba zuletzt abgingen.